„Tiger & Ox“ (2019)

Kurzfilm / Südkorea / Animation / 2019

Filmkritik: In ihrem Kurzfilm „Tiger & Ox“, gesehen auf dem 63. DOK Leipzig, beschäftigt sich die südkoreanische Filmemacherin und Animationskünstlerin Seunghee Kim mit dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und mit dem Problematik der alleinerziehenden Mütter in ihrem Land.

Die alleinerziehende Mutter ist so kämpferisch wie ein Tiger und verteidigt ihre Tochter, einen Ochsen, gegen alle Widrigkeiten. Doch von Zeit zu Zeit geraten die beiden ebenfalls aneinander.

In Südkorea ist es bis heute ein Stigma seine Kinder als Mutter alleine groß zu ziehen. Die Mutter der Animationskünstlerin und Flimemacherin Seunghee Kim (*1985) hat erst spät ein Kind bekommen und musste das ganze Leben lang lernen, was es heißt alleiniges Sorgerecht zu haben. Doch nicht nur dabei gab es Hürden. Auch in der Gesellschaft werden allein erziehende Mütter anders betrachtet und den Kindern wird das Gefühl vermittelt, dass sie sich irgendwie für den Status ihrer  Mütter schämen müsste. Deshalb schuf Kim diesen Kurzfilm, um einerseits ihre Vergangenheit filmisch zu erzählen und auch ein Stück weit zu zeigen, was sie geformt hat, aber gleichzeitig will sie das Land wachrütteln, damit sich an dieser Stigmatisierung in der Zukunft auch was ändern kann. Sie erzählt ihre Geschichte mit einem schnell gesprochenen Off-Kommentar und Bleistiftzeichnungen auf braunem Papier. Um keine perfekten Bilder zu schaffen und die Zeichnungen sehr bewegt und lebendig erscheinen zu lassen, entschied sich die Rechtshänderin diesen Film mit ihrer linken Hand zu zeichnen. So schuf sie temporeiche, sich ständig verändernde Animationen, welche passend zu der Emotionalität der Geschichte selten ruhen. Im Gesamten ist der 2D-Animationsfilm eine gelungen auf Papier gebrachte private Geschichte, welche den ZuschauerInnen aber auch ein wichtiges, allgemein gültiges Thema näher bringt.

Fazit: Der südkoreanische Kurzfilm „Tiger & Ox“ erzählt vom gemeinsamen Leben einer Mutter und ihrer Tochter, was nicht immer leicht war und durch die alleinige Erziehung der Mutter zusätzlich erschwert wurde. Mit raschen Zeichnungen in einem sehr bewegten Stil und einem genauso temporeichen Off-Kommentar erzählt uns die Filmemacherin Seunghee Kim ihre Geschichte und macht gleichzeitig auf ein Problem ihres Landes aufmerksam.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Tiger & Ox“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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