Sieben Fragen an Anastasiya Bukovska

Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Anastasiya Bukovska konnten wir mehr über ihren ersten Kurzfilm „Bullmastiff“, der auf dem 30. Filmfestival Cottbus lief, erfahren, wie die Geschichte entstand, wie viel Zeit doch die Umsetzung eines Kurzfilms wirklich braucht und wie es war mit einem Hund zusammenzuarbeiten. 

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir mehr zu den Ursprüngen Deines Films erzählen? Steckt eine wahre Geschichte dahinter?

Dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte. Eine Geschichte, die einem Schauspieler passiert ist. Er war nicht beim Militär, diesen Punkt haben wir für ein Drehbuch entwickelt. Aber der größte Teil der Hundestory ist tatsächlich passiert. Wir haben uns mit Veteranen des Krieges in der Ostukraine beraten und erfahren, wie wichtig Hunde für ihre Rehabilitation und den Kampf gegen das posttraumatische Syndrom sind.

Was lag Dir bei der Umsetzung am Herzen? Wolltest Du bestimmte Elemente unbedingt einbauen oder andere gar vermeiden?

Es war uns wichtig, einen verständlichen und in gewisser Weise mainstreamigen Film zu machen, um diese Geschichte mehr Menschen zu erzählen. Wir wollten nicht, dass „Bullmastiff“ irgendein prätentiöser Arthouse-Film wird, den zwei Leute verstehen, von denen einer die Regisseurin ist.

Du hast einen sehr starken, emotionalen Musikeinsatz gewählt – ansonsten findest Du eine recht authentische Inszenierung. Kannst Du mir zu dieser künstlerischen Entscheidung erzählen?  

Der erste Teil des Soundtracks wurde von dem ukrainischen Komponisten Yuriy Shepeta geschrieben. Eine interessante Geschichte passierte mit dem zweiten Teil. Während des Schnitts fügte Herve Schneid ein Stück ein, das uns allen sehr gefiel. Die Melodie wurde von seinem Freund geschrieben. Es stellte sich dann heraus, dass dieser Freund Warren Ellis ist, der mit Nick Cave zusammenarbeitet. Herve rief ihn direkt aus dem Schneideraum an und fragte, ob wir dieses Stück kaufen könnten.

Kannst Du mir mehr zu Dreharbeiten erzählen – wo und wie lange habt ihr gedreht?

Wir haben den Film mehrere Wochen lang in Kiew und Umgebung gedreht. Aber das vermittelt nicht das ganze Ausmaß. Es war für mich unerwartet, dass der Entstehungsprozess selbst eines Kurzfilms so viel Zeit in Anspruch nimmt. Und es gibt Dinge, die man nicht in zwei Tagen durchziehen kann, wie bei einem Werbespot oder bei einem Musikvideo. Es gibt Zeiten, da muss man mit dem Material leben, den Schnitt machen (und neu machen), es überdenken. Und dann merkt man, dass ein Monat vergangen ist, dann zwei Monate, dann drei.

Wie war die Arbeit mit dem Hund? Wie schnell wurden er und der Hauptdarsteller Evgeniy Lamakh miteinander warm?

Als ich gerade dabei war, „Bullmastiff“ zu drehen, haben mir 90% der Leute, die das Drehbuch gelesen haben, abgeraten: „Du bist verrückt, in deinem Debütfilm mit einem Hund zu drehen!“ Erfahrene Regisseure sagten mir, dass es viel länger dauern würde. Es war wichtig, dass der Hund ohne Leine dem Hauptdarsteller folgen würde, nicht seinem echten Besitzer. Das Ergebnis war, dass sich der Hund in Evgeniy verliebte.

Apropos Hauptdarsteller – kannst Du mir mehr zu dem Cast erzählen? Wie hast Du Deine gute Besetzung gefunden?

Auf einem der Festivals sahen wir einen neuen ukrainischen Film, in dem Evgeniy eine der Hauptfiguren spielte. Drei Tage nach dem Festival haben wir ihn vorsprechen lassen, und auch einige andere Leute angeschaut. Aber als sie den Hund brachten, da stimmte die Chemie. 

Die Großmutter wird von meiner echten Oma [Anm. d. Red.: Nina Antonova] gespielt, und wir haben diese Rolle für sie geschrieben. Oleksiy Gorbunov schien auch die einzige Wahl für seine Rolle zu sein.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen von Dir erzählen? „Bullmastiff“ war Dein erster Film – wie geht es jetzt weiter? Sind bereits neue Projekte geplant? 

Ich habe studiert, um Regisseurin zu werden, aber dann habe ich Family Production mitbegründet und angefangen, als Produzentin zu arbeiten. Ich dachte nicht, dass es lange halten würde, aber erst 15 Jahre später habe ich gemerkt, dass ich weiterhin Regie führen kann. Ich drehe auch Werbespots. Jetzt arbeite ich am Drehbuch für einen abendfüllenden Film, der eine Art „Bullmastiff“-Fortsetzung sein wird, und an ein paar Miniserien, für die mir angeboten wurde, sie zu drehen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Bullmastiff


Interview: In our conversation with director Anastasiya Bukovska we were able to learn more about her first short film “Bullmastiff“, which was screened at the 30th Cottbus Film Festival, how the story came about, how much time it really takes to make a short film and what it was like to work with a dog. 

Can you tell me more about the origins of your film? Is there a true story behind it?

This movie is based on a true story. A story that happened to one actor. He wasn’t a military man, we have developed this point for a screenplay. But most of the dog storyline actually happened. We consulted with veterans of the war in Eastern Ukraine and learned about the importance of dogs in their rehabilitation and the fight against post-traumatic syndrome.

What was important to you in the making of the film? Did you want to include certain elements or avoid others?

It was important for us to make an understandable and, in some way, mainstream movie, to tell this story to more people. We didn’t want “Bullmastiff” to become some pretentious arthouse that two people would understand, one of whom is a director.

You chose a very strong, emotional use of music – otherwise you found a quite authentic staging. Can you tell me about these artistic decisions? 

The first part of the soundtrack was written by the Ukrainian composer Yuriy Shepeta. An interesting story happened with the second one. During the editing, Herve Schneid put in a piece that we all really liked. The melody was written by his friend. Then it turned out that this friend is Warren Ellis, who works with Nick Cave. Herve called him straight from the editing room and asked if we could buy this piece.

Can you tell me more about shooting – where and how long did you shoot?

We shot the film for several weeks in Kyiv and the surrounding area. But this does not convey the whole scale. It was unexpected for me that the process of creating even a short film takes so much time. And there are things that you cannot cross in 2 days, like in an advertisement or with a music video. There are times when you need to live with the material, do (and redo) the editing, think it over. And then you realize that a month has passed, two months, three.

What was it like working with the dog? How quickly did he and the main actor Evgeniy Lamakh warm up to each other?

When I was just about to shoot “Bullmastiff“, 90% of people who read the script discouraged me: “You’re crazy to shoot a dog in your debut movie!” Experienced directors told me that it would take much longer. It was important that the dog without a leash would follow the main actor, not its real owner. As a result, the dog fell in love with Evgeniy.

Speaking of the main actor – can you tell me more about the cast? How did you find your good cast?

At one of the festivals, we saw a new Ukrainian film in which Yevgeniy played one of the main characters. Three days after the festival, we auditioned him, and also we looked at several other people. But when they brought the dog, this chemistry happened there. 

A grandmother is played by my real grandma, and we wrote this part for her. Oleksiy Gorbunov also seemed to be the only choice for his part.

Finally, can you tell me a little bit about yourself? “Bullmastiff” was your first film – what’s next? Are there already new projects planned? 

I studied to be a director, but then I co-founded Family Production, and started working as a producer. I didn’t think it would last long, but only 15 years later, I realized that I could continue directing. I also shoot commercials. Now I’m working on the script of a full-length movie, which will be a kind of a “Bullmastiff” sequel, and a few mini series I was offered to shoot.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Bullmastiff

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