Sieben Fragen an Miguel Faus

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Interview: Im Gespräch mit dem spanischen Regisseur Miguel Faus konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Calladita“, gesehen auf dem 33. Filmfest Dresden, erfahren, wie aus einem kritischen Blick heraus seine Geschichte entstand und warum er sich für die visuelle Umsetzung ganz auf die Fokussierung auf die Hauptfigur und ihre Sichtweise entschied. 

The original English language interview is also available.

Was war der Ursprung für Deine Geschichte deines Kurzfilms „Calladita“?

Ursprünglich wollte ich einen Film über die Sommer der ‚reichen Kinder von Barcelona‘ machen, der jungen 20-Jährigen aus der Haute Bourgeoisie, mit einem Tonfall von bissiger Kritik und Satire. Ich dachte, dass eine Hausangestellte, die im gleichen Alter wie diese reichen Kids ist, am besten geeignet wäre, um diesen Ton und diese Sichtweise zu verkörpern, weil der Kontrast sehr stark ist und weil sie genau im Zentrum dieser Welt lebt und die gleichen Räume teilt, aber völlig davon losgelöst ist und ein ganz anderes Leben und eine andere Perspektive hat. 

In welchem Rahmen konntest Du den Film verwirklichen – wie viel Drehtage hattet ihr und wo konntet ihr den Film umsetzen?

Guillermo Campra

Wir drehten vor Ort an der Costas Brava in Spanien, etwa 1,5 Stunden von Barcelona entfernt. Es ist ein bekanntes Urlaubsziel für Leute aus Barcelona. Wir haben fünf Tage lang mit einer Crew von etwa 20 Personen gedreht.

Das Haus ist essentiell für die Geschichte – wie hast Du das perfekte Haus gefunden?

Wir hatten das große Glück, in diesem Haus drehen zu können, das wir über eine Bekannten bekamen, die von dem Film und der Geschichte, die wir erzählen wollten, begeistert war.

Was lag Dir im Allgemeinen visuell am Herzen?

Das Meer war mir sehr wichtig, und deshalb beginnen und beenden wir den Film mit Bildern vom Meer. Außerdem war ich sehr an einer engen und zentrierten Sichtweise interessiert: Ich wollte nur unsere Protagonistin (Ana) sehen (und anschauen) oder das, was sie sieht oder hört. Es ist ihre Geschichte und ein Porträt ihrer Umgebung, aber aus einem sehr subjektiven Blickwinkel, immer durch ihre Augen.

Deine DarstellerInnen sind wunderbar – wie hast Du sie gefunden und was war Dir dabei wichtig?

Paula Grimaldo

Wir haben die Hauptdarstellerin, Paula Grimaldo, bei den Castings gefunden. Sie war tatsächlich die erste Schauspielerin, die ich beim Vorsprechen sah, und von dem Moment an, als sie den Raum betrat, hatte ich das Gefühl, dass sie es war, denn sie hat eine sehr starke Präsenz, die Respekt und ein Gefühl von Selbstvertrauen und Macht vermittelt, was genau das war, was ich für die Rolle brauchte. Die anderen Hauptdarsteller, Guillermo Campra und Ares Aixala, kamen auf ganz andere Weise: Guillermo ist in Spanien ziemlich bekannt, und ich mochte seine früheren Arbeiten und dachte, er wäre brillant für die Rolle, also haben wir sie ihm direkt angeboten, und er war interessiert. Und Ares ist eine berühmte Influencerin in Barcelona, und ich dachte, sie könnte diese Rolle gut spielen, und sie hat alle meine Erwartungen übertroffen.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Paula Grimaldo

Ich bin ein Autor/Regisseur aus Barcelona. Ich habe einen MA-Filmemaking an der London Film School mit Auszeichnung abgeschlossen, wo ich die Kurzfilme „The Death of Don Quixote“ (Silberner Melies-Gewinner beim 51. Sitges International Film Festival) und „Calladita“, der beim Palm Springs Shortfest und beim Malaga Film Festival uraufgeführt wurde, geschrieben und gedreht habe.

Ich habe mich schon als Teenager für das Kino interessiert. Ich fing an, mir alle Filme von Tarantino immer wieder anzusehen, und von da an begann ich, die Filme zu sehen und zu studieren, die Tarantino empfahl und dann die Filme, die diese Regisseure empfahlen. Es hörte nie wieder auf. Man könnte sagen, dass mich das Kino ab einem bestimmten Punkt an der Gurgel packte und nicht mehr losließ.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Paula Grimaldo

Derzeit entwickle ich meinen ersten Spielfilm „Calladita“, eine Adaption meines gleichnamigen Kurzfilms, mit Unterstützung des Drehbuchentwicklungsprogramms DAMA Ayuda (Spanien) und des Short to Feature Lab in den USA. 2021 wurde ich von Variety als einer der ‚10 On the Rise Cineastes from Spain‘ vorgestellt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Calladita


Interview: In our conversation with Spanish director Miguel Faus, we were able to learn more about his short film “Calladita“, seen at the 33rd Filmfest Dresden, how his story emerged from a critical perspective and why he decided to focus entirely on the main character and her point of view for the visual realization. 

What was the origin for your story of your short film “Calladita“?

The origin was that I wanted to make a film about the summers of the ‘rich kids of Barcelona’, the young 20-somethings of the haute bourgeoisie, with a tone of acid critique and satire. I thought that the best character to embody that tone and have that POV would be a domestic worker who is the same age as those rich kids, because the contrast is very start and because she lives at the very center of that world and shares the same spaces, but is completely detached from it and has a very different life and perspective. 

Under what circumstances were you able to realize the film – how many shooting days did you have and where were you able to film it?

We shot on Location at the Costas Brava in Spain, around 1.30h from Barcelona. It’s a famous holiday destination for people from Barcelona. We shot for 5 days with a crew of around 20 people.

The house is essential to the story – how did you find the perfect house?

We were very fortunate to be able to film in this house that we were able to get via a connection that was passionate about the film and the story we wanted to tell.

In general, what was close to your heart visually?

The sea was very important to me, and that’s why we start and finish the film with images of the sea. Also I was very interested in a narrow and centered point of view: I only wanted to see (and look at) our protagonist (Ana) or whatever she looks at or hears. It’s her story, and a portrait of her surroundings but form a very subjective point of view, always through her eyes.

Your actors and actresses are wonderful – how did you find them and what was important to you?

We found the main actress, Paula Grimaldo, during castings. She was actually the first actress I saw on auditions and from the moment she came into the room I felt like it was her, because she has a very powerful presence that commands respect and a sense of confidence and power, which was exactly what I needed for the role. The other main actors, Guillermo Campra and Ares Aixala, came differently: Guillermo is quite established in Spain and I liked his previous work and thought he’d be brilliant for the role so we offered it to him outright and he was interested. And Ares is a famous influencer in Barcelona, and I thought she could do a good job in that role, and she exceeded all my expectations.

Can you tell me a little bit more about yourself at the end and how you got into film?

I’m a writer/director from Barcelona. I graduated with distinction from an MA Filmmaking at the London Film School, where I wrote and directed short films The Death of Don Quixote (Silver Melies winner at the 51st Sitges International Film Festival), and Calladita, which premiered at Palm Springs Shortfest and Malaga Film Festival.

I got into cinema when I was a teenager. I started watching all of Tarantino’s films over and over, and from there I started watching and studying the films that Tarantino recommended… and then the films that those directors recommended… and never stopped. I could say cinema kind of grabbed me by the throat at a certain point, and never let go.

Are there any new projects planned?

​I am currently developing my first feature film “Calladita”, adapted from my short of the same title, with the support of script development program DAMA Ayuda (Spain) and of the Short to Feature Lab in the U.S. In 2021,Variety featured me as one of “10 On the Rise Cineastes from Spain”.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Calladita” 

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