Zehn Fragen an Karol Pałka

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Interview: Im Gespräch mit dem polnischen Filmemacher Karol Pałka konnten wir mehr über seine Dokumentation „Bucolic“ (OT: „Bucolica“), die auf dem 64. DOK Leipzig die Silberne Taube im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm gewinnen konnte, erfahren, wie er die beiden Heldinnen seines Films kennenlernte, wie lange die Annäherung dauerte und was seine visuellen wie musikalischen Entscheidungen beeinflusste.

The original english language interview is also available.

Wie kam es zu Deiner Dokumentation? Wie hast Du die beiden kennengelernt?

Ich sah ein Foto von Danusia und Basia. Ich setzte mich mit der Autorin in Verbindung und fuhr hin. Danusia war sofort einverstanden, einen Film zu drehen. Bei den ersten Begegnungen beobachteten wir uns gegenseitig genau, mit großem Misstrauen. Sie waren neugierig auf alles, was aus der Außenwelt kam, aber auch zurückhaltend. Das gegenseitige Kennenlernen war ein langsamer Prozess.

Wie haben sie anfänglich auf das Filmprojekt reagiert? Wie schwer war es ein Vertrauensverhältnis aufzubauen?

Als ich nach der Möglichkeit fragte, einen Film zu drehen, antwortete Danusia: „Klar, wenn du die Zeit und Lust hast, warum nicht?“ Allerdings musste ich mir das Vertrauen meiner Heldinnen erst verdienen. In den ersten sechs Monaten beobachteten wir uns gegenseitig aus der Ferne. Unsere Beziehung sah genauso aus wie in den ersten Minuten meines Films. Nach fast einem Jahr meiner regelmäßigen Besuche luden sie mich in ihr Haus ein.

Was weißt Du über ihre Vergangenheit, welche ja kein Thema im Film ist, aber hier und da durchblitzt?

Ich spreche nicht über die Vergangenheit meiner Figuren. Sie wurde nicht zum Thema des Films und blieb die private Zone meiner Heldinnen.

Wie geht es den beiden jetzt? Hat Corona sie in irgendeiner Weise berührt?

Corona hat in ihrem Leben wenig verändert. Als ich sie das letzte Mal besuchte, zeigten sie mir das neue Haus. Es befindet sich ganz in der Nähe des alten und ist in einem besseren Zustand.

Kannst Du mir mehr über den Dreh erzählen – wie lange hast Du insgesamt gedreht – bist Du auch Nächte bei ihnen geblieben? 

Ich habe den Film vier Jahre lang gedreht. Ich habe versucht, jeden Monat eine Woche lang zu drehen. Damals wohnte ich in einem kleinen Bauernhaus in der Nähe.

Kannst Du mir mehr über deine Kameraarbeit erzählen und was Dir visuell am Herzen lag?

Die Art und Weise, wie die Kamera in einem Dokumentarfilm funktioniert, ist eine moralische Entscheidung. Die Kameraführung in meinem Film ist aus Respekt vor den Heldinnen und ihrer Welt entstanden. Außerdem versuche ich, mich während des kreativen Prozesses nicht von irgendetwas inspirieren zu lassen.

Tiere nehmen einen besonderen Stellenwert in dem Leben der beiden ein – wie war es mit so vielen Tieren zu drehen?

Ich habe vier Jahre dort verbracht und mich dort sehr wohl gefühlt. Als ich kam, fühlte ich mich, als würde ich meine Familie besuchen. Im Haus schufen die Tiere und die Figuren einen klaren und sauberen Blick für mich. Ich habe aufgehört, einige Dinge zu bemerken.

Der Sound und die Musikauswahl ist einmalig und ungewöhnlich für eine Dokumentation – kannst Du mir bitte mehr darüber erzählen.

Ich wusste von Anfang an, dass diese außergewöhnliche Welt außergewöhnliche Musik braucht. Als erstes entdeckte ich die ukrainische Band DakhaBrakha. Ihr Lied „Especially for you“ eröffnet meinen Film. Er setzte auch ein gewisses Niveau, was die Musik angeht. Für mich ist das Musik aus dieser Welt. Er wurde von einem großen Künstler komponiert: „we will fail“.

Kannst Du mir noch etwas mehr von Dir erzählen, wie Du zum Film gekommen bist und was Dich speziell am Dokumentarfilm reizt?

Ich bin ein Fotograf. Ich schließe gerade meine Promotion in visueller Kunst ab. Bei diesem Thema habe ich mich für einen Dokumentarfilm entschieden, weil es der einzig richtige Weg war, diese Geschichte zu erzählen. Bei meiner kreativen Arbeit versuche ich, meiner Intuition zu folgen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich arbeite an einem weiteren großen Projekt. Es ist völlig anders als „Bucolic“ und befindet sich noch im Anfangsstadium der Entwicklung, so dass ich noch keine Details verraten kann.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Dokumentarfilms „Bucolic


Interview: In our interview with Polish filmmaker Karol Pałka, we were able to learn more about his documentary “Bucolic” (OT: “Bucolica”), which won the Silver Dove in the International Competition of Long Documentary and Animated Film at the 64th DOK Leipzig, how he met the two heroines of his film, how long the rapprochement lasted and what influenced his visual as well as musical choices.

How did your documentary come about? How did you meet the two of them?

I saw a photograph of Danusia and Basia. I contacted the author and went there. Danusia immediately agreed to make a film. The first meetings involved watching each other carefully, with considerable distrust on their part. They were curious about everything that comes from the outside world, but also cautious. Getting to know each other was a slow process.

How did they initially react to the film project? How difficult was it to build a relationship of trust?

When I asked about the possibility of making a film, Danusia replied: “Sure, if you have the time and desire, why not?” However, I had to earn the trust of my heroines. For the first six months we observed each other from a distance. Our relationship looked exactly like the first minutes of my film. After almost a year of my regular visits, they invited me inside their home.

What do you know about their past? This is not a topic in the film but comes through here and there.

I don’t talk about my characters’ past. It did not become the subject of the film and remained the private zone of my heroines.

How are the two of them doing now? Did Corona touch them in any way?

Corona made little difference in their lives. When I visited them last time they showed me around the new house. It is located very close to the old one and is in better condition.

Can you tell me more about the shoot – how long did you shoot in total – did you also stay nights with them? How does it feel to live there?

I shot the film for four years. I tried to go every month for one week to shoot. I lived in a small farmhouse nearby at the time.

Can you tell me more about your camera work and what was close to your heart visually?

The way the camera works in a documentary is a moral decision. The cinematography in my film was made out of respect for the heroines and their world. Also I try not to be inspired by anything when I’m in the creative process.

Animals hold a special place in their lives – what was it like shooting with so many animals?

I spent four years there and I felt very natural there. When I came I felt like I was visiting family. Inside the house the animals and the characters created a clear and clean view for me. I stopped noticing some things.

The sound and music selection is unique and unusual for a documentary – can you please tell me more about that?

I knew from the very beginning that this extraordinary world needed extraordinary music. I first discovered the Ukrainian band DakhaBrakha. Their song “Especially for you” opened my film. It also set a certain level when it comes to music. For me, this is music from this world. It was composed by a great artist “we will fail”.

Can you tell me a bit more about yourself, how you came to film and what specifically appeals to you about documentary film?

I’m a photographer. I’m finishing my PhD now in visual arts. In the case of this subject I decided to make a documentary film, because it was the only right way to tell this story. In my creative work I try to follow my intuition.

Are there any new projects planned?

I’m working on another big project. It’s completely different from “Bucolic” and it’s in the early stages of development, so I can’t reveal the details yet.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the documentary film “Bucolic

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