„Bucolic“ (2021)

Filmkritik: Wie fühlt sich das Leben abseits von Städten oder Dörfern an? Der Regisseur Karol Pałka nähert sich der Frage mit seiner Dokumentation „Bucolic“ (OT: „Bucolica“, Polen, 2021) auf einfühlsame Weise an, begleitet dafür seine beiden Heldinnen über einen längeren Zeitraum und fängt ihr alltägliches Leben in der Abgeschiedenheit ein.

Die ältere Danusia und ihre Tochter Basia leben abseits von jeder Stadt ein zurückgezogenes Leben in einem kleinen Haus ohne Strom und Badezimmer. Dabei sind sie von der Natur und vielen Tieren umgeben und gehen ihrem Leben im Kleinen nach. Ab und zu fahren sie zum Einkaufen in das Nachbardorf, ein Geistlicher kommt zu Besuch oder ein Anruf erreicht sie auf einem Handy, das Basia wie einen kleinen Schatz hütet. Ansonsten ist das Leben geprägt von Zeit, die vergeht, Andenken an die Vergangenheit und ihrem Glauben an Gott aber auch an das eine oder andere übernatürliche Phänomen.

Über vier Jahre hinweg näherte sich der polnische Filmemacher Karol Pałka (*1991) seinen beiden Protagonistinnen an, welche ihr Leben abgeschieden zu zweit in einem kleinen Haus verbringen. Dort fehlt es ihnen an einigen zivilisatorischen Errungenschaften, wie einem Badezimmer, dafür ist ihr Zuhause vollgestellt mit Erinnerungen und katholischen Devotionalien. So wenig wie Tageslicht das Heim erhellt, so wenig dringt auch die Außenwelt an die beiden heran. Doch sie scheinen sich gut mit diesem Leben arrangiert zu haben und finden ihr Glück in kleinen Dingen, wie Dasia mit ihren vielen Tieren. Die Tage vergehen und nur hier und da blitzt die Sehnsucht nach etwas anderem auf, wie es bei den seltenen Telefonaten von Basia deutlich wird. Pałka wählt dafür eine beobachtende Position, lässt ihnen ihren Freiraum und begleitete sie über die Jahreszeiten. Auch ist die Kamera bei ihren Märschen durch die umgebende Natur und ihren seltenen Ausflügen in die nahegelegene Siedlung dabei. Seine Bildsprache ist wohl komponiert und besticht mit immer wieder neuen Ansichten. Hinzu kommt eine atmosphärische Soundkulisse, die zum Teil die naturmystischen Theorien der beiden unterstreicht. Im Kontrast dazu steht u.a. der Song „Especially for you“ der ukrainischen Rock-Band DakhaBrakha, welcher dem Film einen sehr dynamischen Flow verleiht und ebenfalls zur Wirkung der Dokumentation beiträgt. So ist „Bucolica“ durch und durch ein gelungenes, einfühlsames Portrait zweier Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Dadurch werden auch Schwächen im politischen und gesellschaftlichen System aufgedeckt, da man sich fragt, wie weit diese Einsamkeit freiwillig gewählt wurde. Die beiden Heldinnen des Films schließt man mit all ihren Eigenheiten schnell ins Herz und geht mit einem Lächeln aus dem Kino, denn man ist dankbar dafür, dass der Regisseur Karol Pałka sie uns vorgestellt hat.

Fazit: Der Dokumentarfilm „Bucolic“ erzählt über ein Jahr lang von dem Leben zweier Frauen, welche abseits von anderen Menschen leben. Mit einer gelungenen Bildsprache sowie einer außergewöhnlichen tonalen Untermalung portraitiert er die beiden in ihrem Alltag zwischen Religion, Leben mit der Natur und dem Glück in kleinen Dingen. Diese Dokumentation von Karol Pałka ist wahrhaft, berührend und auf ihre Art leichtfüßig und schwermütig zugleich. 

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Bucolic“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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