„Dune – Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert (1965)

880 Seiten / diverse Verlage / 9,99 €

Buchkritik: Es gibt Romane, welche viel zu der Entwicklung des klassischen Science-Fiction-Stoffes beigetragen hat. Man denke dabei an Stanislaw Lems „Solaris“ (1961), an Philip K. Dicks „Träumen Roboter von elektrischen Schafen“ (1968) und natürlich auch an die „Dune“-Reihe (1965-1985) von Frank Herbert, deren erster Band 1965 als „Dune – Der Wüstenplanet“ (OT: „Dune“) erschienen ist.  

Leto Atreides, Herrscher von Caladan, willigt ein, die Führung auf dem Planeten Arrakis zu übernehmen. Dieser wichtige Planet für die Handelsgilde, hier wird das kostbare Spice geerntet, wurde jahrelang von den Harkonnen und ihrem Baron Wladimir Harkonnen ausgebeutet. Jetzt übernehmen Leto, seine Konkubine Jessica, welche durch ihre Ausbildung zu einer Bene Gesserit besondere Fähigkeiten besitzt, ihr Sohn Paul und sein treu ergebener Führungsstab das Land. Leto will einen anderen Weg wählen und auch auf die Ureinwohner, den Fremen, zugehen. Doch bevor es zu richtigen Verhandlungen und einer neuen Herrschaft kommen kann, verändert ein Anschlag alles und Jessica und Paul fliehen in die Wüste, wo sie zusammen mit den Fremen den Aufstand erproben.

Der amerikanische Schriftsteller Frank Herbert (1920-1986) schuf mit seiner Romanreihe einen Klassiker der Science-Fiction-Literatur. Der 880-seitige erste Teil stellte 1965 den Auftakt da. Die Saga wurde dann in fünf weiteren von ihm geschriebenen sowie über 13 von seinem Sohn Brian Herbert (*1947) verfassten Büchern fortgesetzt. Seinen Stellenwert kann man daran erkennen, dass es sowohl Comicadaptionen als auch Computer- und Brettspiele gibt. Auch die Filmwelt biss sich an ihm schon die Zähne aus. So scheiterten die Projekte von Ridley Scott und Alejandro Jodowrowki, die Geschichte zu verfilmen. Erst 1984 gelang es David Lynch („Dune“) seine ganz eigene Fassung davon zu inszenieren. Im Jahr 2021 hat der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve seine auf mindestens zwei Teile ausgelegte Fassung gedreht und hält sich dabei dicht an die Vorlage. 

Der Roman erzählt über die vielen Seiten eine dichte Geschichte von Herrschaft, Machtanspruch und Regimewechsel. Dabei schweift der Autor selbst wenig ab, webt viele damals und auch noch heute zeitgemäße Themen wie Kolonisierung, Ausbeutung der Natur und defekte Machtstrukturen mit ein und verpackt es als düstere Zukunftsgeschichte. Mit viel Fantasie schuf er Planeten, Völker sowie ihre Beziehungen untereinander, fügte ein paar Absurditäten, Magie und auch gigantische Würmer (die bei „Beetlejuice“ (1988) wiederzufinden sind) hinzu und schuf so einen komplexen Roman, in dem man manchmal einen Absatz doppelt lesen muss, denn hier passiert so schnell so viel. Trotzdem nimmt sich der Autor Zeit auch die Figuren und ihr Innenleben auszugestalten: So erfahren wir durch die niedergeschriebenen Gedanken auch noch andere Aspekte, welche das Bild immer mehr abrunden. Bis auf die vielen Fantasienamen liest sich das Buch angenehm weg, nimmt immer wieder Fahrt auf, hält die Spannung hoch und lässt auch liebgewonnene Charaktere sterben. So ist „Dune“ ein dicker Wälzer, bei dem sich aber jede Seite lohnt, denn er entführt in eine fremde Welt und baut ein komplett neues Universum, das Freude macht entdeckt zu werden und zu Recht zu einem Kultklassiker wurde. 

Fazit: „Dune – Der Wüstenplanet“ ist der erste Roman einer ganzen Reihe, in der der Autor Frank Herbert einen Kosmos mit Planeten, Strukturen und Völker entwirft und die Leser:innen mit auf Reisen nimmt. Dabei baut er ganz wie nebenbei irdische Themen ein, hält stets die Spannung hoch und erzählt dicht und rasant von all den Entwicklungen, welche dann in den fünf nachfolgenden Büchern immer weiter gesponnen werden. Der erste Band lohnt sich auf jeden Fall entdeckt zu werden, denn er begründet bereits den Ruf als Klassiker.

Bewertung: 4/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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