„Vasil“ (2022)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der spanische Spielfilm „Vasil“ von Avelina Prat, der in der ‚Spectrum‘-Reihe auf dem 33. Filmfestival Cottbus 2023 lief, erzählt die Geschichte einer Annäherung und zeigt, wie oft man als Mensch doch zögert, seine Komfortzone zu verlassen.

Eines Tages nimmt Alfredo (Karra Elejalde) einen Fremden bei sich auf. Seine Tochter Luisa (Alexandra Jiménez) ist erstaunt, da er seit Jahren eher zurückgezogen lebt. Der Mann, den er bei sich aufgenommen hat, heißt Vasil (Ivan Barnev), ist Bulgare und spielt sehr gerne Schach. Darüber kommen sich die beiden Männer näher und eine Freundschaft erblüht dort, wo man es nicht erwartet hätte.

Das Debüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Avelina Prat ist eine Geschichte aus ihrem persönlichen Kosmos. Ihr eigener Vater nahm unverhofft jemanden bei sich auf. Was dann passierte, verarbeitete sie in ihrem Film. Dabei geht es in dem 93-minütigen Film um das menschliche Miteinander und wie man mehr wieder auf Menschen zugehen kann. Das Vertrauen gegenüber Fremden ist von vielen erschüttert und so bleibt man gerne unter sich. Doch was passiert, wenn man einen fremden Menschen in seine Wohnung und damit in sein Leben lässt? Teilen und Vertrauen sind leider keine Selbstverständlichkeit mehr und so hat man auch sofort ein ungutes Gefühl. Aber was daraus erwächst, ist einfach eine schöne Freundschaft. All das erzählt die Regisseurin mit stimmigen Dialogen, leisen Emotionen und realitätsnahen Bildern. Oft ist der Film beinahe ein Kammerspiel, das seinen Figuren aber noch genug Platz zum Atmen lässt. Die beiden Hauptdarsteller werden sehr natürlich von Karra Elejalde und Ivan Barnev verkörpert. Das Aufkeimen einer neuen Freundschaft, die anfängliche Skepsis und ihre Wesenszüge stellen sie sehr authentisch dar. Der Film ist ein unterhaltsamer Spielfilm, der keine große Geschichte erzählt, sondern von der Kraft der kleinen Dinge berichtet.

Fazit: „Vasil“ ist ein Spielfilm der spanischen Regisseurin Avelina Prat, der mit einer unaufgeregten Geschichte das Zwischenmenschliche ergründet. Sie erforscht mit ihrem tollen Cast, wie gut es sich anfühlen kann, sich auch mal unbekannten Menschen gegenüber zu öffnen und findet dafür den richtigen Ton und die stimmigen Bilder.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „Vasil“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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