„Zwei zu Eins“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Spielfilm „Zwei zu Eins“  (ET: „Two to One“, Deutschland, 2024) von Natja Brunckhorst erzählt abseits von Ostalgie und DDR-Muff eine Komödie mit einem hochkarätigen Ensemble und einer aberwitzigen, aber wahren Geschichte.

Das meiste Geld ist schon umgetauscht, als die Freunde Maren (Sandra Hüller), Robert (Max Riemelt) und Volker (Ronald Zehrfeld) in den letzten Tagen der DDR erfahren, dass das alte Geld, das nun bald wertlos sein wird, in einem nahegelegenen Bergwerksschacht gelagert wird. Durch den Kontakt zu dem NVA-Techniker Markowski (Peter Kurth) bekommen sie Zugang, um noch ein bisschen Geld beiseite zu schaffen. Doch wie sollen sie, die bereits all ihr Geld zwei zu eins getauscht haben, dieses noch verwerten? In Form eines Haustürvertreters (Olli Dietrichs) kommt ihnen eine Idee und sie spannen bei der Umsetzung den gesamten Wohnblock mit ein. 

Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld und Max Riemelt

Der deutsche Spielfilm von Natja Brunckhorst, die bekannt wurde mit ihrer Darstellung der Drogensüchtigen in „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1981) und mit „Alles in bester Ordnung“ (2021) ihr Spielfilm-Regie-Debüt gab, erzählt hier eine unterhaltsame Geschichte nach wahrer Begebenheit. Nachdem sie davon gehört hat, dass das DDR-Geld, das schnell verschwinden sollte, in einem Bergwerksstollen bei Halberstadt gelagert wurde, und sich ein paar kluge Köpfe dort bedient hatten, bevor es ganz wertlos wurde, empfand sie das als perfektes Kinomaterial. So schrieb sie ein Drehbuch, das sich wunderbar von dem DDR-Muff befreit und eine sympathische Räubergeschichte erzählt. Dabei vermeidet sie typische unangenehme DDR-Klischees, aber auch ‚Ostalgie‘, sondern schuf einen Sommerfilm, der mehr die Stimmung und die Zeit widerspiegelt, als es Dramen manchmal vermögen. Natürlich greift hier auch eine gewisse sommerliche Überhöhung, aber das tut dem Gefühl keinen Abbruch. Dazu trägt auch viel die Figurenkonstellation bei, in deren Mitte eine Ménage-à-trois steht. Doch auch das gesamte Gemeinschaftsgefühl des Wohnblocks mit seinen auch teils seltsamen Charakteren und ehemaligen Stasi-Spitzeln, die zum Alltag gehören, ist wunderbar eingefangen. 

Sandra Hüller, Kathrin Wehlisch, Anselm Haderer und Max Riemelt

Brunckhorst wurde selbst im Westen geboren, doch legte sie zusammen mit ihrem Cast, den sie hauptsächlich mit Schauspieler:innen besetzte, die im Osten geboren wurden, wie Sandra Hüller („Anatomie eines Falls“ (2023)), Ursula Werner („Wolke 9“ (2008)), Peter Kurth („Herbert“ (2015)), Ronald Zehrfeld („Warten auf’n Bus“ (2020)), Max Riemelt („Napola – Elite für den Führer“ (2004)) und Martin Brambach („Das Leben der Anderen“ (2006)), Wert auf Authentizität. Dabei lag es allen am Herzen, dass es nicht ‚ostalgisch‘ oder zu grau wurde. Die Ausstattung und die Wohnungen (gedreht wurde in Gera und Köln) sind alle wunderbar eingefangen. Doch schon bei der Kleidung zeigt sich, dass wir hier von einer leichten Sommer-Komödie sprechen, denn auch hier gab es schon Sommerkleidchen. So entstand ein gelungener, sympathischer DDR-Film, der aus einer wahren Begebenheit eine Komödie schuf, die ein anderes Bild des ehemaligen Staates zeigt. 

Martin Brambach, Peter Kurth und Max Riemelt

Fazit: „Zwei zu Eins“ ist eine DDR-Sommerkomödie von Natja Brunckhorst, die darin nach einer wahren Begebenheit eine abenteuerliche Geschichte am Ende der DDR erzählt. Wunderbar inszeniert, ausgestattet und vor allem hervorragend besetzt, schließt man die Figuren schnell ins Herz und fiebert mit ihnen mit.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 25. Juli 2024

Trailer zum Film „Zwei zu Eins“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Ronald Zehrfeld: Zwei zu eins ist ein Geschenk, Podcast Kultur, 25.7.2024
  • Zwei zu Eins, Podcast Radio 1 Filmkritik, 25.7.2024
  • Filmtipp: „Zwei zu Eins“, Podcast NDR Kultur – Neue Filme, 24.07.2024
  • „Deadpool & Wolverine“ und „Zwei zu Eins“, Podcast WDR 2 Kino, 25.07.2024.
  • „Zwei zu Eins“ – Das Kino und der Blick auf Ostdeutschland, Podcast WDR 5 Neugier genügt – Das Feature, 24.07.2024.
  • Filmkomödie „Zwei zu Eins“: Dem Kapitalismus ein Schnippchen schlagen, Podcast Corso, 24.07.2024.
  • Zwei zu Eins / Sandra Hüller und der große Währungs-Coup, Podcast Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 23.07.2024.
  • Wikipedia-Artikel über den Film „Zwei zu eins
  • Alexandra Seitz, ‚Zwei zu Eins‘, ray-magazin.at, 2024
  • Anke Sterneborg, ‚Kritik zu Zwei zu Eins‘, epd-film.de, 2024
  • Lars Meyer, ‚Kino: Wende-Komödie „Zwei zu eins“ überzeugt dank ostdeutschem Ensemble‘, mdr.de, 2024
  • Lida Bach, ‚Zwei zu Eins‘, moviebreak.de, 2024
  • Peter Kümmel, ‚„Zwei zu eins“: Was ist das Gegenteil von einem Verbrechen?‘, zeit.de, 2024

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