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Filmkritik: Der Animationsfilm „Olivia & the Clouds“ (OT: „Olivia & Las Nubes“, Dominikanische Republik, 2024) von Tomás Pichardo-Espaillat, der seine Deutsche Premiere auf dem 67. DOK Leipzig 2024 feierte, ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie viele Hände ein besonderes Kunstwerk schaffen können, das keinen kohärenten Stil besitzen muss.
In der Welt gibt es viele Arten von Liebe. Olivia hat den Geist eines ehemaligen Geliebten unter dem Bett. Ihre Gesichtszüge finden sich dagegen auf einer Zimmerpflanze von Ramón, in die er sich dann verliebt. Barbara flüchtet sich in eine fantasievolle Geschichte, nachdem Mauricio, der mit Reue-Gefühlen kämpft, sie zurückgewiesen hat.
Nach einem eigenen Drehbuch schuf der Filmemacher und Animator Tomás Pichardo-Espaillat, der bereits viele (Lehr-)Kurzfilme und Musikvideos geschaffen hat, seinen ersten Langfilm. Im Magischen Realismus mit seiner Symbolik wie den Pflanzen und den Wolken und mit seiner Erzählung verortet, beschäftigt er sich mit den verzwickten Gefühlen der Liebe. In verschiedenen Episoden mit fantastischen Ausgestaltungen verfolgt er den Geist der Liebe. Er zeigt Spielarten von Unglücklich bis Glücklich-Verliebt-Sein und findet dafür immer wieder ansprechende Metaphern. Alle Geschichten ergeben ein stimmiges Bild und hinterlassen eine Stimmung zwischen Wohlbefinden und Melancholie, genau das, was auch die Liebe mit dem Menschen machen kann.
Besonders ist die Gestaltung des Films. Dieser 80-Minüter besitzt keinen einheitlichen Animationsstil. Über zehn Animator:innen haben in ihrem Stil an diesem Film mitgearbeitet. Dabei haben sie die Szenen zugesendet bekommen, die sie nach ihrem Gusto gestalten durften. Es gab zwischen ihnen keinen Austausch. Doch der Regisseur Tomás Pichardo-Espaillat fügt alles perfekt ineinander, so dass der Stilwechsel nie auffällig ist, sondern viel zum Gefühl des Films beiträgt. Die Liebe in ihren vielen Ausprägungen spiegelt sich so auch der Darstellung wieder. Zudem gehen die Bilder einen gelungenen Austausch mit der Musik ein, die man nach dem Besuch des Kinos noch lange im Ohr hat. Der Komponist Cem Misirlioglu realisierte schon einige Projekte mit dem Regisseur und diese eingespielte Zusammenarbeit merkt man dem Film an, denn wenn der Film keine Worte verwendet, übernimmt die jazzige, leichtfüßige Musik. So ist „Olivia & the Clouds“ ein wunderbares Beispiel dafür, dass es kein festes Animations-Stil-Korsett geben muss, um seine Geschichten zu erzählen und Magie zu verbreiten.
Fazit: „Olivia & the Clouds“ ist ein Animationsfilm des dominikanischen Regisseurs Tomás Pichardo-Espaillat. Er erzählt darin von Liebe und verwendet dafür die Symbole und die Fantasie des magischen Realismus. Wunderbar ist, dass der Film sich auf keinen Stil festgelegt hat, sondern die Animationen aus verschiedenen Händen stammen, so dass es einen Bilderreigen ergibt, der zudem eine wunderschöne Symbiose mit der Musik eingeht.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: unbekannt
Trailer zum Film „Olivia & the Clouds“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 67. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2024 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb Animationsfilm‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Tomás Pichardo-Espaillat‘, testkammer.com, 2025
- Oliver Armknecht, ‚Olivia & the Clouds‘, film-rezensionen.de, 2024
- Eintrag des Films „Olivia & the Clouds“ bei den Berlinale Talents