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Filmkritik: Der Berlinale-Wettbewerbsfilm „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“ (OT: „La Cocina“, Mexiko/USA, 2024) von Alonso Ruizpalacios, der auf der 74. Berlinale 2024 seine Weltpremiere feierte, versetzte das Publikum in einen atemlosen, haarsträubenden Ritt in einer Großküche und erinnerte dabei an die Erfolgsserie „The Bear“, setzt aber andere Schwerpunkte.
Eine junge Frau sucht einen Job in einem großen Restaurant. Sie wird durch die vielen Gänge geführt, bis sie bei dem Mann landet, der ihr, obwohl sie keine Papiere besitzt, einen Job beschaffen kann. Denn in dieser Großküche mitten im Herzen von New York arbeiten viele Köch:innen aus Lateinamerika und Mexiko ohne Arbeitserlaubnis und halten die große Essensmaschine am Laufen. Dabei geht immer wieder etwas schief, so dass praktisch immer Chaos herrscht. Hinzu kommt das ständige Kokettieren der meist männlichen Köche mit den Kellnerinnen. Auch Pedro (Raúl Briones), der schon lange illegal hier arbeitet, hat sich in die Kellnerin Julia (Rooney Mara) verliebt, die sich aber trotz ihrer Schwangerschaft nicht auf die Beziehung einlassen will.
Der mexikanische Regisseur Alonso Ruizpalacios, der auch das Drehbuch zu diesem Spielfilm schrieb, erzählt eine zeitlose Geschichte aus dem Herzen einer Großküche. Wie auch andere Filme („Im Rausch der Sterne“ (2015)) und Serien schildert er den Trubel dieses Ortes, der Besucher:innen des Etablissements nicht sichtbar sind. Dabei geht hier aber besonders viel schief und eine sehr aufgeheizte Atmosphäre breitet sich aus. Hinzu kommt gestohlenes Geld, ein defektes Bestellsystem-Gerät und dass die Küche von einer stetig größer werdenden Wasserlache geflutet wird. Die Geschichte basiert auf dem Theaterstück „Die Küche“ (OT: „The Kitchen“, 1956) von Arnold Wesker (1932-2016). Seinen Ursprung in den 50er Jahre sieht man dem Film genauso wenig an wie direkte Jetzt-Bezüge. Denn alles in dem Film besitzt eine gewisse Zeitlosigkeit, so dass man als Zuschauer:in das Geschehen schwer in der Zeit verorten kann. Das passt besonders gut zu der Inszenierung, welche die Küche und all die Versorgungsräume als Labyrinth gestaltet, in dem man seine Orientierung verlieren kann. Nur bei den Raucherpausen erhaschen wir einen Blick auf die Stadt. Der Film besitzt trotz vieler Figuren etwas Kammerspielartiges und führt die Geschichte so in einer Abwärtsspirale immer weiter hinab, so dass am Ende natürlich auch etwas überzeichnet alles den Bach runtergeht und seinen anfänglichen Authentizitätsanspruch dafür aufgibt.
Inszeniert ist dieser Film passend zur Geschichte in ständiger Bewegung. Die Menschen, die hier arbeiten, flitzen über die Flure, streiten und nerven sich und es gibt nur wenig ruhige Momente. Eben auf diese Weise inszeniert Ruizpalacios den Film, sodass auch das Publikum förmlich außer Atem kommt. Für seinen 139-minütigen, chaotischen Ritt entschied er sich für schwarz-weiße Bilder, die einerseits zeitlos wirken, aber gleichzeitig dem farblichen Chaos etwas entgegenzustellen. Nur wenige Elemente werden hier farblich hervorgehoben. Die Ausstattung und die Kostüme sind ebenso passend wie authentisch eingefangen. Besonders interessant ist die gestreifte Uniform der Kellnerinnen, die nicht zufällig an eine Gefängniskluft erinnert. Auch das Bildformat 4:3 unterstreicht die Enge der Küche und das Eingesperrtsein. Hinzu kommt das gelungene Spiel aller Darsteller:innen. Diese wurde international gecastet, so dass man hier eher unbekannte Gesichter antrifft. Allein Rooney Mara kennt man aus Filmen wie „Verblendung“ (2011) und „Carol“ (2015). Im Gesamten ist der Film ein starker, wie auch aufreibender Ritt, der heute wie damals noch genau die gleiche Gültigkeit in seiner Kritik besitzt.
Fazit: „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“ ist der vierte Spielfilm des mexikanischen Regisseurs Alonso Ruizpalacios, der hier in schwarz-weißen Bildern aus dem Alltag einer Großküche berichtet. Dabei verwendet er eine zeitlose Optik, ein beklemmendes 4:3-Format und eine Schar authentisch spielender Darsteller:innen, die sich dem Chaos und der erzählerischen Abwärtsspirale entgegenstellen.
Bewertung: 7/10
Kinostart: 16. Januar 2025
Trailer zum Film „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Anna Wollner & Tom Westerholt, Berlinale 24 – deutsche Film herausragend, Podcast: Deutschlandfunk Nova – 1 Stunde Film, 21.02.2024.
- Website des Films „La Cocina“
- Wikipedia-Artikel über den Film „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“
- Verena Schmöller, ‚La Cocina – Der Geschmack des Lebens (2024)‘, kino-zeit.de, 2024
- Leonard Krähmer, ‚La Cocina‘, critic.de, 2024
- Anke Sterneborg, ‚Drama | Berlinale Wettbewerb – „La Cocina“‘, radiodrei.de, 2024


