- „S’Tuntschi vo Juf“ (2026) - 26. März 2026
- Kinostarts 26.03.2026 - 25. März 2026
- „No Mercy“ (2026) - 24. März 2026
Interview: Im Gespräch mit der deutschen Filmemacherin Ella Knorz konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Neun Tage im August“, der seine Deutsche Premiere auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 feierte, erfahren, wie die besondere Form am Anfang des Films stand, wie wichtig das Schauspiel für den Film war und warum sie selbst ihren Film als Doku-Fiktion bezeichnen würde.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Ich hatte schon lange die Idee, einen Film in Kreisform zu drehen. Wir sehen ständig viereckige Filme auf der Leinwand, und ich habe mich einfach gefragt, wie es sich anfühlen würde, eine Geschichte durch einen Kreis zu schauen. Als die Geschichte von diesen zwei Freundinnen und der Schwangerschaft aufkam, hat sich dieser inhaltliche Kern sofort mit der Formidee verknüpft und ich wusste sofort, dass ich in wenigen Monaten diesen Film machen werde. Auch liegt mir das Thema sehr am Herzen. Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland sind mit Bürokratie und Tabuisierung verbunden. Wir wollten zeigen, welche Emotionen mit diesem Prozess einhergehen. Wir wollten einen Film machen, der die Entscheidung zu einem Abbruch nicht anzweifelt, aber nicht auslässt, wie groß diese Entscheidung dann letztendlich sein kann.
Ich habe gehört, Du würdest Deinen Film selbst als Docu-Fiction bezeichnen. Was sind die dokumentarischen Aspekte Deiner Arbeit?
Der Film ist mit nur vier Darstellenden und zwei Frauen hinter der Kamera (Lea Dähne und mir) in fünf kurzweiligen Tagen entstanden. Quasi ohne Geld. Dadurch, dass vieles ungeplant entstanden ist und wir ausschließlich an Originalschauplätzen mit echten Passanten als Komparsen vor Ort gedreht haben, fühlt sich das Material sehr dokumentarisch an und hat auch gewissermaßen die persönliche Zeit eingefangen, die wir in diesen heißen Heidelberger Sommertagen gemeinsam durchlebt haben. Darüber hinaus begleitet der Film die Hauptfigur komplett durch den bürokratischen Prozess des Schwangerschaftsabbruchs, den wir so nüchtern, konkret und undramatisch wie nur möglich zeigen wollten.
Die Optik Deines Films ist mit seinem kreisrunden Bild sehr besonders. Wie habt ihr das realisiert und warum habt ihr euch dafür entschieden?
Bei den Filmfestivals, bei denen wir den Film bisher präsentieren durften, gab es zahlreiche überraschende Interpretationen zur Kreisform des Films, die für mich alle wahrhaftig und spannend waren – weswegen ich meine Intentionen an dieser Stelle nicht weiter präzisieren möchte. Die Entscheidung wurde schon vor Beginn des Drehbuchschreibens getroffen und auch am Set haben wir natürlich in der Kreisform unsere Kameraeinstellungen kadriert. Dazu haben wir einfach einen Kreis in ein Stück schwarze Pappe geschnitten und auf das Display geklebt.
Deine Hauptdarstellerin spielt es sehr gut. War sie von Anfang an Teil des Projekts?
Marie Nadja Haller ist Absolventin der Ernst-Busch Hochschule für Schauspielkunst, kennengelernt haben wir uns aber bereits vor über zehn Jahren in einem Jugend Performance Kollektiv. Ich schätze ihr präzises Handwerk und Liebe zum Detail, aber noch viel zentraler für unsere Geschichte war der langjährige kreative Austausch und das gegenseitige Vertrauen, das dazu geführt hat, dass wir wirklich loslassen konnten. Und dadurch wird für mich das Schauspiel zu einem Sein, was letztendlich die Qualität ist, die ich in meinen Filmen suche.
Besonders aufgefallen ist mir auch die Musik – kannst Du mir etwas dazu erzählen?
Die beiden KomponistInnen, Maximilian Kremser und Fabiola Wörter studieren genau gegenüber von mir an der Hochschule für Musik und Theater München. Maxi war einer der ersten, denen ich das Drehbuch geschickt habe – sofort hat er angefangen, erste Tracks zu skizzieren, noch bevor der Dreh überhaupt losging. Nach einem Jahr leidenschaftlicher Arbeit an den unterschiedlichen Songs ist tatsächlich ein ganzes Album zum Film entstanden. Man kann es online streamen und auch auf Schallplatte kaufen.
Kannst Du mir mehr zu Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich mache eigentlich schon immer Filme – es ist zufällig mein natürlicher Zustand, das Filmemachen ist die Art und Weise, durch die ich die Welt am besten empfangen und gleichzeitig meine Stimme wieder hinauslassen kann. Begonnen hat das mit zehn oder elf Jahren auf dem iPod touch einer Schulfreundin. Bei jedem Treffen haben wir einen Film geschrieben, gedreht und geschnitten – also mehrmals die Woche. Sie hatte irgendwann keine Lust mehr darauf, und ich habe bis heute nicht damit aufgehört.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja. Sie sind geheim!! :-) Aber wenn ihr die Augen aufhaltet auf den Straßen Heidelbergs oder Münchens, vielleicht findet ihr uns ja etwas drehen. Und ich freue mich immer über Menschen, die von dieser Art des Filmemachens inspiriert sind und Teil davon sein möchten. Also, egal was Euer Hintergrund ist, zögert nicht, mir zu schreiben.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Neun Tage im August“