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Filmkritik: Der Eröffnungsfilm der 75. Berlinale 2025, eine Jubiläumsausgabe unter neuer Festivalleitung, war der deutsche Spielfilm „Das Licht“ (OT: „The Light“, Deutschland, 2025) von Tom Tykwer. Damit kehrt der Regisseur von Filmen wie „Lola rennt“ (1998) und „Cloud Atlas“ (2012) nach zehnjähriger Abstinenz zum Kino zurück und erzählt ein groß angelegtes, in Berlin angesiedeltes Gesellschaftsporträt.
Die fünfköpfige Familie Engels wohnt mitten in Berlin. Alle vier Familienmitglieder leben dabei nur noch aneinander vorbei und haben alle mit ihren Problemen zu kämpfen. Der Vater Tim (Lars Eidinger) arbeitet viel in einer PR-Agentur, die das Green Washing für Firmen betreibt, die Mutter Milena (Nicolette Krebitz) hat in Kenia ein Theaterprojekt ins Leben gerufen und ist dort auch viel vor Ort. Da ist auch ihr drittes Kind – Dio (Elyas Eldridge) – aus einer Affäre mit einem kenianischen Ingenieur entstanden. Die beiden anderen Kinder sind die Zwillinge Frieda (Elke Biesendorfer) und Jon (Julius Gause). Frieda schlägt sich im Drogenrausch die Nächte um die Ohren und ihr Bruder verbringt diese in einem VR-Spiel und verliebt sich dort. Die Familie wird aber durch die neue Haushälterin Farrah (Tala Al-Deen) aus ihrem Alltagstrott gerissen. Die aus Syrien geflüchtete Ärztin hilft allen Familienmitgliedern, sich zu öffnen und zu verändern. Sie selbst hat auch ein Päckchen zu tragen und dafür braucht wiederum sie die Engels.
Der elfte Spielfilm des deutschen Regisseurs Tom Tykwer, der sich im letzten Jahrzehnt vor allem durch die Serie „Babylon Berlin“ (2017-2025) einen Namen gemacht hat, spendiert der Berlinale wieder einmal (zuletzt 1999) einen deutschen Eröffnungsfilm. Nach einem eigenen Drehbuch erzählt Tykwer eine Geschichte aus dem heutigen Berlin und bringt in den 162 Spielminuten viele Geschichten zusammen. Die Bandbreite der Figuren erlaubt auch eine große Bandbreite an Themen, Sorgen und Nöten von heute. Jedes der Familienmitglieder Engels hat seinen eigenen Problemrucksack gepackt. So findet man Themen wie digitalisiertes Sozialleben, Demonstrationen für den Klimaschutz, Sexualität und Glück in langlebigen Beziehungen, Greenwashing durch Firmen, schwierige Finanzierungen von Kulturprojekten und das fehlende familiäre Miteinander mit ernsthaften Interesse im Film wider. Mit der neuen Haushälterin Farrah, die aus Syrien mit ihrer Familie geflüchtet ist, kommen weitere Aspekte wie Einwanderungspolitik, Flucht, Trauer und Integration in Deutschland hinzu. Obwohl diese Themenvielfalt schon für zwei Filme reichen würde, kommt noch ein weiterer Aspekt um das titelgebende Licht hinzu. Hier driftet der Film ins Esoterische ab und hat auch inszenatorisch seine größten Schwächen. Doch die anderen Aspekte, die direkt aus dem Leben gegriffen sind und viel mit den eigenen Lebensrealitäten zu tun haben, funktionieren dagegen umso besser. Zudem ist der Film eine schöne Hommage an die Energie und den Eigenwillen von Berlin. Tykwer fängt diese Stadt mit all ihrer unterschiedlichen Architektur und Lebensorten wunderbar ein. Der Dauerregen verleiht der Stadt etwas Überhöhtes und erdet auch gleichzeitig.
Der Film ist auf inszenatorische Weise in vielerlei Hinsicht spannend. Nicht nur die treffenden Szenen aus Berlin zwischen Authentizität und magischem Realismus sind sehr stimmig, sondern auch die fünf Musical- und Tanzeinlagen der Familie Engels. Diese beschäftigen sich mit den Wünschen der einzelnen Personen und finden dafür je eine eigene Art der Filmsprache. Das gibt dem Film immer eine andere Stimmung, in dem ansonsten stark dialoglastigen Kino. Auch der Wechsel der verschiedenen Spielorte und die dazugehörigen Drohnenfahrten sind sehr gut auf die Geschichte und ihre Protagonist:innen abgestimmt. Alle Rollen sind dabei hervorragend besetzt: Lars Eidinger und Nicolette Krebitz schaffen es, das Gefühlschaos der beiden Eheleute sehr gut auf die Leinwand zu bannen. Abgerundet von ansonsten eher unbekannteren Darsteller:innen u.a. Tala Al-Deen in ihrer ersten Filmrolle als Farrah ist das Ensemble sehr gut besetzt.
Fazit: „Das Licht“ ist der neueste Spielfilm des international agierenden deutschen Regisseurs Tom Tykwer, der mit seinem mehr als zweistündigen Film die zahlreichen Krisen der Zeit anhand einer Familie einfängt. Dabei streckt er seine Fühler in viele Richtungen aus und greift dabei auch mal daneben. Doch die gelungene Inszenierung samt seiner Liebeserklärung an Berlin, Tanznummern und einem tollen Ensemble machen den neuesten Film sehenswert und lädt auch zu Diskussionen ein.
Bewertung: 7/10
Kinostart: 20. März 2025
Trailer zum Film „Das Licht“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Special Gala‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Das Licht“
- Tom Tykwer zum Berlinale-Eröffnungsfilm „Das Licht“, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur Studio 9, 13.02.2025.
- Susanne Burg: Vollbild – Live von der 75. Berlinale. Die ganze Sendung, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur – Vollbild, 15.02.2025.
- Barbara Schweizerhof: Das Licht, in EPD Film, Ausgabe 3/25, S.51.
- Anke Leweke: Berlinale wird mit Tom Tykwers Film „Licht“ eröffnet: Bericht vom Auftakt, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur – Fazit, 13.02.2025.
- Tom Tykwer zu seinem neuen Film „Das Licht“, in: Podcast Radio 3 – Film Aktuell, 13.02.2025.
- 75. Berlinale eröffnet mit „Das Licht“ von Tom Tykwer, in: Podcast Radio 3 – Film Aktuell, 14.02.2025.
- Rüdiger Suchsland: Das Licht – Tom Tykwers neuem Film wurde die Berlinale eröffnet, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur – Kultur heute, 14.02.2025.


