„True“ (2004)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2004

Filmkritik: Nachdem Tom Tykwer bereits mit Filmen wie „Lola rennt“ (1998) Erfolge gefeiert hat, kehrte er für den Compilation-Film „Paris, je t’aime“ (2006) noch einmal zum Medium Kurzfilm zurück. Er schuf mit seinem Beitrag – „True“ – einen zehnminütigen Kurzfilm, der zeigt, dass man auch in kürzester Zeit eine große Liebesgeschichte erzählen kann.

Als der blinde Thomas (Melchior Beslon) einen Anruf von seiner Freundin Francine (Natalie Portman) erhält, spult sich in seinem Kopf ihre gesamte Liebesgeschichte ab und er stellt sich die Frage, wie es so weit kommen konnte.

Natalie Portman und Melchior Beslon

Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Tom Tykwer (*1965) war zu diesem Zeitpunkt schon mit Filmen wie „Lola rennt“ (1998) und „Heaven“ (2002) zu Ansehen gekommen, welches er mit späteren Werken wie „Das Parfüm“ (2006) und „Cloud Atlas“ (2012) noch festigte. Der Regisseur hat seine Laufbahn 1990 mit Kurzfilmen wie „Because“ begonnen und kehrte mit „True“ zu dieser Erzählform zurück. Als ein Teil der Kompilation „Paris, je t’aime“ (2006) hatte er zur Realisierung seines Kurzfilms nur wenig finanziellen Spielraum und vier Drehtage, doch dafür waren die künstlerischen Freiheiten umso größer. Entstanden sind zwei Varianten des Films – die kürzere siebenminütige Fassung kam in die Kompilation. Der zehnminütige Film erschien später als Vorfilm des Films „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (2004) und ist Bestandteil der Tom-Tykwer-DVD-Box und wurde auf den Bamberger Kurzfilmtagen in der Sonderreihe ‚Jeder fängt mal kurz an‘ gezeigt wurde. „True“ erzählt die Geschichte zweier Liebender, die alle Hoch und Tiefs einer Beziehung erleben.

Melchior Beslon

 Doch der Inhalt macht nicht den Reiz aus, sondern die Auskostung der Stilmittel, die ein Kurzfilm bietet. Hier wird im schnellen Rhythmus etwas skizziert, was nicht linear sein muss, mit Wiederholungen (in verschiedenen Kontexten) gearbeitet und Elemente absichtlich ausgespart. Trotzdem bekommt man als Zuschauer ein Gefühl für die beiden Figuren, die hervorragend von Natalie Portman und Melchior Beslon dargestellt wurden. Tykwer, der auch das Drehbuch geschrieben hat, erweckt die beiden Figuren zum Leben und macht die Schnelllebigkeit einer Beziehung spürbar. Der Rhythmus, die Geschichte, die Bilderflut und die gute darstellerische Leistung schufen einen Film, der in der Kürze der Zeit eine schöne Liebesgeschichte erzählt, die den Kern von Beziehungen verstanden hat.

Fazit: Tom Tykwers „True“ ist nicht nur ein Teil des Films „Paris, je t’aime“, sondern kann als eigenständiger Kurzfilm verstanden werden, der eine fast klassische Beziehungsgeschichte erzählt, dabei aber gekonnt, mit dem Mut zur Lücke und einem schnellen Erzähltempo das Medium Kurzfilm für sich ausnutzt und so ein absolutes sehenswertes Kleinod darstellt.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „True“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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