„Garnelius“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der 49-minütige Film „Garnelius“ von Julia Ketelhut, welcher auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 als Bester Mittellanger Film ausgezeichnet wurde, erzählt mit magischem Realismus von Wende-Verlierern, deren Kindern, familiären Gefügen und einem Ei.

Der 17-jährige Karl (Emil von Schönfels) lebt seit 2007 zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater Werner (Peter Koburg) und seinem jüngeren Bruder David (Otto Karl Herzog) in einer Ostberliner Plattenbauwohnung. Diese verlassen sie nur selten und auch viele andere Wünsche können aufgrund der knappen Kasse nicht erfüllt werden. Karl spürt immer mehr eine Entfremdung zu seinem Vater. Nach dessen Geburtstag passiert etwas, was alles durcheinander wirft. Karl hat ein Ei gelegt und muss jetzt die Verantwortung dafür übernehmen.

Emil von Schönfels

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Julia Ketelhut erzählt eine Geschichte von einem Wendeverlierer-Vater und seinen zwei Söhnen. In den ersten Filmminuten hält sie ihr Leben in der kleinen Plattenbauwohnung fest. Sie zeigt dabei das eingespielte Nebeneinanderher-Leben und fängt damit auch eine gewisse Melancholie und ein Gefühl von Eingesperrtsein ein. Man spürt die Ohnmacht, ihr Leben zu ändern, welche sich über die Figuren gelegt hat. Auch die Geburtstagsfeier zeigt wenig Freude. Als dann etwas Eigenartiges passiert, verändert sich Karls Verhalten. Statt dass ihm alles egal ist, muss er plötzlich Verantwortung übernehmen. Er muss sich um das seltsame Wesen, das Ketelhut aus einem eigenen Traum hat, kümmern. Dadurch ändert sich auch der Blick auf seinen Vater. Der mittellange Film ist dabei sehr realitätsnah inszeniert und das Spiel aller Darsteller ist authentisch und transportiert, trotz weniger Worte, die Gefühle aller Figuren und somit auch die über allem liegende Schwermütigkeit, die nur durch wenige humorvolle Momente abgeschwächt wird. 

Emil von Schönfels und Peter Koburg

Fazit: „Garnelius“ ist ein 49-minütiger Film von Julia Ketelhut. Darin erzählt sie von einem Vater und seinen Söhnen und einem seltsamen Wesen, das den Blick und die Dynamik des familiären Zusammenseins durcheinander bringt. der Regisseurin ist ein eindringlicher Film zwischen harter Realität und magischem Realismus gelungen, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

Bewertung: 7/10

Der Film „Garnelius“ läuft auf dem Achtung Berlin Festival (2.-.9. April 2025)

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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