„Operette für zwei schwule Tenöre“ (Comödie Dresden)

musikalische Komödie von Johannes Kram & Florian Ludwig / Termine bis einschließlich 27.04.2025 / Eintritt ab 23 Euro

Theaterkritik: Comödien-Intendant Christian Kühn bewies schon mehrmals seinen Mut, wenn es um die Vielfältigkeit in der Programmplanung geht. Man erinnere sich an die Transfigur Bibi Botoxberg in „Alter Schwede“ oder an Joana in „Santa Maria“ welcher sich im Verlaufe des Stücks als schwuler Mann herausstellte. Queere Inhalte im Theater sind für eine Stadt wie Dresden leider, trotz des „Carte Blanche“, immer noch alles andere als „normal“. Und nun bringt uns die Comödie, mit ihrer ersten Premiere im Jahre 2025 gleich mal ein ganzes Stück um schwule Charaktere und queeres Leben. Herausgekommen ist dabei nicht weniger, als ein mit Preisen ausgezeichnetes Highlights des noch jungen Jahres.

Es geht um den Grafiker Tobi und den Krankenpfleger Jan. Sie haben sich bei einem Schützenfest kennengelernt. Tobi ist aus Berlin und zieht zu Jan aufs Dorf. Die Zukunft auf dem Land stellt sich Tobi dabei romantisch vor, mit eigenem Häuschen und Garten, sowie selbstgemachter Konfitüre. Doch das Dorfleben ist nicht das, was sich der Großstädter in seinen Gedanken so vorstellt und Jan, der dieses Leben schon seit seiner Geburt führt, will eigentlich nur noch raus. Doch wie kann er das mit der Liebe zu seinem Tobi vereinen?

Die Geschichte ist herzallerliebst und spricht sicher nicht wenigen aus der Seele. Dabei muss man gar nicht queer sein, um schnell ein Verständnis für beide Charaktere in diesem Stück aufbringen zu können. Denn mit einigen Abstrichen kann die Story so auch auf jeden Menschen in einer Beziehung umgeschrieben werden. Johannes Kram hat sein Stück so geschrieben, dass es nicht nur von der Community verstanden und nachvollzogen werden kann, sondern auch von der ganz typischen Hete auf der Straße. Dabei bleibt sein Stück auch vergleichsweise sanft in der Erzählweise. Themen wie schwuler Sex oder wilde Romantik zwischen zwei Männern werden zwar angesprochen aber sind letztlich nur ein Teil eines großen Ganzen.

Das Ungewöhnliche und eigentlich Herausragende ist die Herangehensweise der Inszenierung. „Operette für zwei Schwule Tenöre“ ist nämlich, wie es der Name schon sagt, eine Operette und damit ein Genre des Musiktheaters, das schon lange als ausgestorben gilt. Auch wenn Operetten heute noch aufgeführt werden, so sind es in der Regel doch nur ältere Stoffe wie z. Bsp. „Im weißen Rössl“, die noch Theaterluft schnuppern. Hier haben wir nun also eine ganz frische Operette aus dem Jahre 2021. Die Handlung ist dabei eine Mischung aus Erzählung durch die beiden Hauptfiguren und operettenhaftem Gesang und Tanz, bei dem eine 3-köpfige Company Tobi und Jan unterstützen. Von schwungvoll heiteren, ja gerade zu frechen Songs bis zu tief bewegenden Liedern ist dabei alles dabei, was das Repertoire einer Operette hergibt.

Vorgeführt von insgesamt 5 Darstellern, denen man die Lust am Spielen und am Gesang nur zu deutlich anmerkt. In der Premierenbesetzung sind das Ricardo Frenzel Baudisch, Torben Rose, Aniello Saggiomo, Jonas Heinle und Simon Lausberg. Allesamt haben sie das Stück schon mehrfach am BKA in Berlin gespielt, dem Haus aus dem diese Operette ursprünglich stammt. Einige von ihnen sogar schon in jeder einzelnen Rolle.

Fazit: „Operette für zwei Schwule Tenöre“ ist zurecht mit dem „Deutschen Musicaltheaterpreis“ in der Kategorie „Beste Liedtexte“ ausgezeichnet worden. Ein Stück, das mit einer wunderbar queeren Geschichte für Verständnis wirbt, mit pointiertem Humor zum Lachen bringt und mit grandiosen Operettenszenen begeistert. Dabei so lockerleicht inszeniert ist, dass es eigentlich jeden abholen müsste, egal auf welcher Seite des Ufers man schwimmt. Wenn am Ende gar eine Träne vor Rührung kullert weiß man Bescheid, dass man gerade ganz großes Theater vor sich gehabt hat. So wie hier geschehen.

geschrieben von David Hilbert

 

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