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Kurzfilm / Schweiz / Fiktion / 2025
Filmkritik: Der Schweizer Kurzfilm „1:10“ von Sinan Taner lief im Kurzfilm-Wettbewerb des 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 und erzählt eine Geschichte von einer scheinbar harmlosen Auseinandersetzung zwischen zwei Jungen, die sich auf ihre Väter ausweitet.
Es ist Sporttag an einer Primarschule in der Schweiz. Schulkinder und Familien kommen dafür zusammen, stellen sich in langen Schlangen beim Catering an, beobachten sportliche Ereignisse und tauschen sich untereinander aus. Doch der Streit zweier Jungs schwappt auf einmal auf die Väter über, deren verbale Auseinandersetzung ins Gewalttätige zu kippen scheint. Wie gehen die Anwesenden damit um?
Der Schweizer Filmemacher Sinan Taner hat das Drehbuch nach eigenen Erfahrungen verfasst. Er selbst war der Junge im Streit und bis heute hat ihn nicht losgelassen, wie sich das damals auf die Väter übertragen hat und in welcher schnellen Eskalation der Streit ausartete. Mit dem Streit im Film wird nicht nur der Konflikt der Söhne verhandelt, sondern es schwappt gleich ins Bedrohliche, Rassistische und Beleidigende über. Der Film beschäftigt sich dabei weniger damit, wie es dazu kommen kann, dass diese toxische Männlichkeit hier eskaliert. Vielmehr interessiert Taner, wie das von der Umgebung aufgenommen wird und wie schnell sich ein geordnetes
Treffen in einem öffentlichen Raum in Chaos verwandeln kann. Das wird auch von den vielen Nebengeschichten, die teilweise zeitgleich im Bild erzählt werden, unterstützt. So ist die Plünderung der Catering-Coupons ein treffendes Bild, wie schnell sich so eine chaotische Situation ausbreiten kann. Sinan Taner entschied sich, seine Geschichte auf dem Hof aus der Vogelperspektive zu erzählen. Das ist eine reizvolle Perspektive, da sie das Gewusel der Menschen aus einem anderen Sicht zeigt, bei der man als Publikum selbst bestimmt, worauf man sich konzentriert und entdeckt auf diese Weise möglicherweise nicht gleich die zentrale Auseinandersetzung. Auch zeigt es, dass der einzelne Mensch nur ein Teil einer großen Gemeinschaft ist, dessen Dynamiken aber auch schnell ins Negative umschlagen können.
Fazit: „1:10“ ist ein Kurzfilm von Sinan Taner, der darin von einer Auseinandersetzung bei einem schulischen Zusammenkommen erzählt. Durch einige Nebenhandlungen und einen klaren Blick auf das Zwischenmenschliche schafft er es, viele Themen mühelos einzubauen und inszeniert alles mit einem starken Schauspielfokus und einer gelungenen Kameraarbeit.
Bewertung: 8,5/10
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Kurzfilm‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Sinan Taner‘, testkammer.com, 2025
- Website des Regisseurs Sinan Taner
- Rowena Raths und Tina Tishev, ‚Diplomfilm mit «Special Mention» ausgezeichnet‘, zhdk.ch, 2024
- Eintrag des Kurzfilms „1:10“ bei Swiss Films
- Carl Rolshoven, ‚SR-Mediathek.de: 1:10 (KF)‘, sr-mediathek.de, 2025