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Filmkritik: Der norwegische Spielfilm „Oslo-Stories: Träume“ ( OT: „Drømmer“, Norwegen, 2024) ist der Abschluss einer Filmtrilogie von Dag Johan Haugerud, deren Teile nun alle in den Kinos starten. Der letzte Spielfilm feierte seine internationale Premiere auf der 75. Berlinale 2025 und konnte neben zwei weiteren Preisen den Hauptpreis – den Goldener Bär – Bester Film – gewinnen.
Die 16-jährige Johanne (Ella Øverbye) verliebt sich unsterblich in ihre Französisch-Lehrerin Johanna (Selome Emnetu). Ihre Erlebnisse und ihre Wünsche bringt sie ein Jahr später zu Papier. Sie überlegt, den 95-seitigen Text zu veröffentlichen. Unsicher, ob der Text oder auch die Geschichte dafür überhaupt geeignet sind, gibt sie ihrer Großmutter Karin (Anne Marit Jacobsen), selbst Dichterin, den Text zu lesen. Auch die Mutter Kristin (Ane Dahl Torp) wird mit einbezogen und gemeinsam überlegen sie, wie sie mit diesem kleinen literarischen Juwel, aber auch der dahinter stehenden Romanze umgehen.
In diesem Jahr gewann eine Dramödie aus Norwegen den Hauptpreis der Berlinale. Der dritte Teil einer Trilogie erscheint nun beinah zeitgleich zusammen mit den beiden anderen Filmen „Oslo Stories: Liebe“ und „Oslo Stories: Sehnsucht“ in den Kinos. In allen drei Filmen beschäftigt sich der Regisseur und Drehbuchautor Dag Johan Haugerud mit menschlichen Beziehungen und Sexualität. Bei ihm stehen die Menschen, queer oder heterosexuell, mit allen ihren Träumen und Wünschen im Zentrum der Geschichte. Dabei verlagert er den Schwerpunkt – sichtbar auch im Titel – in den einzelnen Filmen immer etwas, wobei aber natürlich alle Themen Hand in Hand gehen. In „Oslo Stories: Träume“ beschäftigt er sich mit den Liebesfantasien einer jungen Frau. Was dabei Wirklichkeit ist und was sie nur erdacht hat, bleibt unklar. Stattdessen konzentriert sich Haugerud auf seine junge Hauptdarstellerin, ihre Gefühle und wie sie ein Jahr später darüber spricht. Auch verlässt der Film ihre Perspektive und wir erfahren, wie ihre Mutter und Großmutter, stellvertretend für je eine andere Generation, auf diese Geschichte reagieren und was davon in ihnen resoniert.
All das erzählt der Film vor allem über Dialoge und ein Voice-Over. Wir erleben die Menschen in ihrem Alltag und wie sie über das Thema sprechen. Nur wenige Rückblenden visualisieren die Geschichte von Joanne. Doch auf Schauwerte kommt es hier nicht vordergründig an. Der Regisseur fängt trotzdem seine Geschichte in schönen Farben, ansprechenden Bildern und mit norwegischem Charme ein. So ist der dialoglastige Film auch visuell ansprechend. Dass der Film, wie der bereits in den Kinos angelaufene „Oslo-Stories: Liebe“ so gut funktioniert, liegt auch an seinem fantastischen Ensemble. Die norwegischen Darstellerinnen fühlen ihren Rollen mit viel Leben, Herz und Beherztheit aus, so dass man ganz unweigerlich an ihren Lippen hängt und ihnen durch ihren Alltag folgt.
Fazit: „Oslo Stories: Träume“ ist der dritte Teil der „Oslo Stories“-Trilogie von Dag Johan Haugerud, der sich darin mit der Vielfältigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen und mit Wünschen und Träumen von Liebe beschäftigt. In diesem Spielfilm verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Wunsch und fängt so wunderbar die menschliche Sehnsucht ein.
Bewertung: 8/10
Kinostart war am 8. Mai 2025
Trailer zum Film „Dreams (Sex Love)“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Dreams (Sex Love)“
- Anke Leweke: Berlinale-Kritik: „Yunan“ und „Dreams (Love Sex)“, in: Podcast Deutschlandfunk Kultur – Fazit, 19.02.2025.
- Berlinale-Wettbewerb: „Drommer“ und „Mother’s Baby“, in Podcast: Radio 3 – RBB – Film aktuell, 19.02.2025.
- Manuel Oberhollenzer, ‚Oslo Stories: Träume (Filmkritik) | UNCUT-Movies‘, uncut.at, 2025