„Spielerinnen“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Vor beinahe 30 Jahren begann die Dokumentarfilmerin Aysun Bademsoy in dem Kurzfilm „Mädchen am Ball“ (1995) die Spielerinnen eines Berliner Mädchen-Fußball-Club filmisch zu porträtieren. Auf dem 67. DOK Leipzig 2024 feierte der vierte Film, der sich den Porträtierten widmet, seine Weltpremiere und kommt nun in die Kinos: „Spielerinnen“ (ET: „Game Changers“, Deutschland, 2024).

Die Fußballerinnen der türkisch-Kreuzberger Mädchenmannschaft Ağrı Spor sind mittlerweile alle um die 50 Jahre alt. Den Sport haben sie an den Nagel gehängt und sich selbst ein eigenbestimmtes Leben aufgebaut. Sei es mit dem Betreiben eines Hochzeitssaals oder einer Karriere als Boxerin. Sie selbst nehmen sich weiterhin als Deutsch-Türken wahr und haben das auch an ihre Kinder weitergegeben. Selin, die Tochter von Türkan, stellt sich dabei genau die gleichen Fragen nach Identität und Religiosität wie damals ihre Mütter. Wie und wie viel hat sich das Leben in Deutschland, die Integration und das Gefühl dazuzugehören in den letzten 30 Jahren verändert? Dieser Frage spürt Bademsoy nach.

Die deutsch-türkische Filmemacherin Aysun Bademsoy, die sich mit Dokumentationen wie „Spuren – Die Opfer des NSU“ einen Namen gemacht hat und mit Christian Petzold verheiratet ist, porträtiert seit den 90er Jahren deutsch-türkische Frauen. Begonnen hat alles mit dem 44-minütigen Kurzfilm „Mädchen am Ball“, in dem sie zum ersten Mal die erste türkische Frauenfußballmannschaft außerhalb der Türkei im Verein Agrispor in Berlin porträtierte. Viele der jungen Frauen sind damals mit ihrem Familien nach Berlin gekommen und fühlen sich mit beiden Ländern verbunden. Mit den Dokumentationen „Nach dem Spiel“ (1997) und „Ich gehe jetzt rein“ (2008) begleitet sie die jungen Frauen über die Jahre weiter. Jetzt, 30 Jahre später, kehrt sie wieder zu ihnen zurück. Mittlerweile spielen sie alle keinen Fußball mehr, haben sich aber ein Leben aufgebaut, Karrieren verfolgt und Kinder bekommen. Bademsoy befragt nun in ihrer 86-minütigen Dokumentation nicht nur die Mütter, wie sich ihr Leben verändert hat, sondern auch die Töchter. Dabei geht es weiterhin um Themen wie Identität, Religion und Liebe. Der Film gibt Einblicke in die deutsch-türkische Gemeinschaft in Deutschland, schließt einen großen zeitlichen Rahmen der Entwicklung mit ein und zeigt auf, was sich in den neuen Generationen verändert hat, aber auch, was gleich geblieben ist. Durch ihre freundschaftliche, langjährige Verbindung besteht eine große Nähe zu den Portraitierten, die sich dadurch auch ungezwungen verhalten und öffnen. Dazu passt auch der dokumentarische Stil, der aus Alltagsbeobachtungen und vor allem Gesprächen mit den Frauen besteht.

Fazit: „Spielerinnen“ ist eine Dokumentation von Aysun Bademsoy, die darin eine Gruppe von Frauen porträtiert, welche die Regisseurin bereits vor 30 Jahren kennengelernt und gefilmt hat. Bademsoy fängt das Leben der Deutsch-Türk:innen ein, spannt, auch wenn man die vorhergehenden Filme nicht kennt, einen weiten Bogen und schenkt interessante Einblicke in die Gemeinschaft und wie sich das Leben in Deutschland für deutsch-türkische Frauen verändert hat.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 29. Mai 2025

Trailer zum Film „Spielerinnen“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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