Sechs Fragen an Lucía G. Romero

Doreen Kaltenecker
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© Aina Quintana

Interview: Im Gespräch mit der spanischen Regisseurin Lucía G. Romero konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Close to September“ (OT: „Casi septiembre“) erfahren, der seine Weltpremiere im Rahmen des ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 75. Berlinale feierte. Sie erzählt von dem Ausgangspunkt der Geschichte, wo sie gedreht haben und was ihr visuell am Herzen lag.

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir mehr zu dem Ausgangspunkt Deiner Geschichte erzählen?

Ich wollte einen Film darüber machen, wie es dazu kommt, dass man als Kind verlassen und vernachlässigt wird und als Erwachsener in der Liebe unfähig ist. Wie können wir uns in der Liebe zurechtfinden, wenn alles, was wir kennen, Chaos ist? Was ist stärker, Liebe oder Angst? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, lange bevor ich anfing, über Alejandra zu schreiben, das Mädchen, das an einem Ort lebt, an dem alles vorübergehend ist und niemand jemals bleibt.

Ana Barja und Isabel Rico

Wo und wie lange habt ihr dreht?

Wir haben an mehreren Orten an der Costa Brava in Katalonien gedreht. Lloret de Mar, Malgrat de Mar, Blanes… Wir hatten das Glück, elf Tage lang drehen zu können.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Visuell war es wichtig, das Sommer Camping-Tourismus-Universum des Jahres 2013 zu porträtieren. Ich wollte eine schöne, idyllische Landschaft darstellen, die im Kontrast zur Dekadenz derjenigen steht, die nicht im Urlaub sind, sondern irgendwie feststecken. Außerdem wollte ich die Realität aus der Sicht von Alejandra zeigen, daher war diese Art von Subjektivität wichtig, vor allem, wenn Amara im Bild war.

Dein Film lebt sehr von dem authentischen Spiel seiner Darstellerinnen – nach welchen Kriterien hast Du diese ausgesucht?

Ich hatte bereits zuvor mit Ana gearbeitet und die Rolle mit ihr im Hinterkopf geschrieben. Ich suche bei Schauspielern immer nach einem Gefühl der Rohheit und Leichtigkeit, und das habe ich bei Salim, Isa und Mar gefunden. Bei den Kindern fällt es mir leichter, die Darbietungen zu glauben, weil sie noch nicht zu sehr durch Schauspielunterricht oder Theorie konditioniert sind.

Ich finde die Geschichte hat Potential für einen Langfilm. Hast Du mit dem Gedanken gespielt?

Ich würde auf jeden Fall gerne mehr von diesem Universum erforschen. Zurzeit entwickle ich meinen ersten Spielfilm, der auf ähnlichen Themen basiert wie „Cura Sana“, meinem ersten Kurzfilm. Danach, wer weiß. ;)

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist? 

Lucía G. Romero, Regisseurin von „Close to September“

Ich war immer ein sehr fantasievolles Kind. Wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich sehen, dass das Erfinden von Geschichten für mich der Ort war, an dem ich die Außenwelt ausblenden und sicher und glücklich sein konnte. Es war eine Art von Flucht. Dann beschloss ich, dass ich Schauspielerin werden wollte, aber bald wurde mir klar, dass mein Platz hinter der Kamera war. Aber es war immer mein Traum, Filme zu machen.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Close to September


Interview: In our conversation with Spanish director Lucía G. Romero, we were able to find out more about her short film „Close to September“ (OT: „Casi septiembre“), which celebrated its world premiere as part of the ‚Berlinale Shorts‚ program of the 75th Berlinale. She talks about the starting point of the story, where they filmed and what was visually important to her.

Can you tell me more about the starting point of your story?

I wanted to make a film about how being abandoned and neglected as a kid leads to being severely incapable romantically as an adult. How can we navigate love when all we’ve known is chaos? What is stronger, love or fear? Those questions were on my mind way before starting to write about Alejandra, the girl who lives in a place where everything is temporary, and nobody ever stays.

Where and for how long did you shoot?

We shot in multiple places in Costa Brava, Catalonia. Lloret de Mar, Malgrat de Mar, Blanes… We were lucky enough to shoot for 11 days.

What was important to you visually?

Visually it was important to portray the summer 2013 camping touristic universe. I wanted to portray a beautiful idyllic landscape, contrasting with the decadence of those who are not there on vacation, in contrast are kind of stuck. Also, I wanted to see the reality as seen by Alejandra, so that type of subjectivity was important, especially when Amara was in the picture.

Your film lives from the authentic acting of its actresses – what criteria did you use to select them?

I had already worked with Ana previously and wrote the character with her in mind. I always look for a sense of rawness and effortlessness to performances in actors and that was what I found in Salim, Isa and Mar. For the kids it is easier for me to believe the performances because they are not already too conditioned by acting classes or theory yet.

I think the story has potential for a feature-length film. Have you thought about that?

I definitely would love to explore more of that universe. Right now I am developing my first feature and it’s based on similar themes than the ones in „Cura Sana“, my first short film. After that, who knows ;)

Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?

I was always a very imaginative kid. I think now looking back, I can see that for me creating stories was where I could quiet the outside world and be safe and happy. Kind of like a form of escapism. Then I decided that I wanted to be an actress, but soon I realized that my place was behind the camera. But it was always movies I dreamt of making.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Close to September

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