„Lapso“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Brasilien / Fiktion / 2024

Filmkritik: Der brasilianische Kurzfilm „Lapso“ von Caroline Cavalcanti, der u.a. auf der 74. Berlinale 2024 und im ‚Jugend‘-Programm des 37. Filmfest Dresden 2025 lief, ist eine Coming-of-Age-Geschichte von zwei jungen Menschen, die jede auf ihre Weise ein Päckchen zu tragen haben.

Juliano (Juan Queiroz) hat mal wieder Mist gebaut und wird als jugendlicher Straftäter zu Sozialstunden in der Bibliothek verurteilt. Dort lernt er Bel (Beatriz Oliveira) kennen, die aufgrund einer Hörbehinderung nur in Gebärdensprache kommuniziert. Die beiden freunden sich an, kommen sich näher und streifen gemeinsam durch die Außenbezirke ihres Wohnorts Belo Horizonte. 

Die Geschichte zweier Außenseiter-Jugendlichen, die sich finden und verlieben, ist ein gängiger Stoff in den Coming-of-Age-Erzählungen. Trotzdem wirkt der Kurzfilm von Caroline Cavalcanti, die auch das Drehbuch schrieb, erfrischend und nicht altbacken. Das liegt zum einen an ihrem realitätsnahen Ansatz, der den Spielort – eine Großstadt in Brasiliens Süden – genauso authentisch einfängt wie die Annäherung der beiden. Auch die Charakterisierung der beiden Figuren geht tiefer als in ähnlichen Stoffen. Außerdem baut sie ein Thema ein, das ihr als schwerhörige Filmemacherin am Herzen liegt: Vor und hinter der Kamera spielt das Thema Inklusion eine wichtige Rolle. So arbeiteten am Set mehrere Menschen mit Hörbehinderungen.

Beatriz Oliveira und Juan Queiroz

In der Geschichte stellt die Hörbehinderung nur eine Beeinträchtigung für die Protagonistin dar, weil ihr Umfeld sich nicht auf sie einstellt. Das macht sie wütend und diese Wut ist ein Anknüpfungspunkt mit Juliano, der im Gegenteil zu vielen anderen sofort die Gebärdensprache erlernt, um mit ihr auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Man hätte sich sogar gewünscht, dass der Film noch mehr aus ihrer Perspektive erzählen würde. Die beiden werden mit einem hohen Authentizitätsgrad von den brasilianischen Darsteller:innen Beatriz Oliveira und Juan Queiroz gespielt. Der Film gibt diesen jungen Talenten so die Möglichkeit, ihr schauspielerisches Können zu zeigen.

Fazit: „Lapso“ ist ein Kurzfilm der brasilianischen Regisseurin und Drehbuchautorin Caroline Cavalcanti, die darin eine klassische Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Doch mit ihrem persönlichen Fokus und dem Wert-Legen auf Inklusion sowie einem realistischen Inszenierungsansatz gelingt ihr ein Kurzfilm, der lange im Gedächtnis bleibt.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „Lapso“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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