- „Sleep Tight“ (2025) - 2. Mai 2026
- Sieben Fragen an Rafa Dengra Oliver - 1. Mai 2026
- „Imago“ (2024) - 1. Mai 2026
Filmkritik: Der deutsche Spielfilm „Der Kuss des Grashüpfers“ (Deutschland/Luxemburg/Italien, 2025) von Elmar Imanov feierte seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale 2025 in der Sektion ‚Forum‘ und gehörte zu den eigenwilligsten Filmen, die man in diesem Jahr im Programm des Festivals fand. Jetzt startet der Spielfilm in den Kinos.
Bernard (Lenn Kudrjawizki) lebt in einer sterilen Welt. Sein Beruf, seine Tagesabläufe und seine Wohnung sind geordnet und kalt. Allein seine Mitbewohnerin – das Schaf Fietse – bringt Wärme in sein Leben. Um mit der Krankheit seines Vater Carlos (Michael Hanemann) besser umgehen zu können, flüchtet er von Zeit zu Zeit in surreale Welten, wo er auf andere Menschen, Grashüpfer und Chaos trifft. Diese Welt zieht ihn immer mehr in ihren Bann.
Der zweite Spielfilm des aus Aserbaidschan stammenden deutschen Regisseurs Elmar Imanov, für den er auch das Drehbuch geschrieben hat, ist ein surrealer Film, der sich in einem eher störrischen Gewand mit Themen wie Verlust, Trauer und dem Bedürfnis nach Nähe beschäftigt. Diese Themen ziehen sich als roter Faden durch den gesamten Film. In kleinen Begegnungen und Episoden beschäftigt sich Imanov mit den verschiedenen Formen des Miteinanders. Welche Bedeutung
haben Beziehungen und familiäre Bande? Wie gehen wir mit Verlust und Trauer um? Wo findet man Halt? Doch all das wird nicht klar ausgesprochen, sondern in einem surrealen Gewand verpackt. Immer wieder reißen uns seltsame Begegnungen, die Liebe zu Tieren oder andere Begebenheiten aus dem Drama-Themenkanon. Was ist Realität? Was findet im Unterbewusstsein statt? Leider wird dies zu schwammig inszeniert und vor allem fehlt es den Menschen – insbesondere der Hauptfigur Bernhard – an Wärme, Sympathie oder Nachvollziehbarkeit, an die das Publikum anknüpfen kann. Doch so kühl wie die Figuren sind – das sehr artifizielle, beinahe hölzerne Spiel der Schauspieler:innen unterstreicht das Ganze nochmal – so ist auch die gesamte Inszenierung geprägt von Kühle und Härte. Die Welt scheint beinahe kein Tageslicht mehr zu besitzen, alles Interieur ist schwarz und entmenschlicht von Details, das Licht ist kalt und so fügt sich das Spiel der Darstellerinnen gut in eine Welt ein, die
einen nicht willkommen heißt. Das mag aufgrund der Schwere der Themen seine Berechtigung haben, lässt die Zuschauenden aber nicht an die Figuren heran. So kommt der Film zu lang und zu langatmig daher, denn eilig hat es Imanov mit seinen Bildern nie. Hoch anzurechnen ist dem Film aber, dass er als deutscher Film den Weg übers Genre geht – eine filmische Gattung, die immer noch eher stiefmütterlich behandelt wird. So sollte man seinen Weg als Regisseur im Auge behalten und gespannt sein, welche Geschichte und in welchem Gewand er sie als nächstes erzählen wird.
Fazit: „Der Kuss des Grashüpfers“ ist der zweite Spielfilm des aus Aserbaidschanisch stammenden deutschen Regisseurs Elmar Imanov. Sein Drama ist ein Film über zwischenmenschliche Bindungen, Gefühle und die Suche nach Nähe. Doch dies inszeniert er zum einen sehr kühl und zum anderen mit starken surrealen Elementen. Dies lässt ein Näher-Herankommen an die Figuren nicht zu, so dass man hier etwas zu distanziert auf das menschliche Miteinander schaut und dabei unweigerlich Gefühle von Länge entstehen.
Bewertung: 5,5/10
Kinostart war am 21. August 2025
Streaming: unbekannt
Trailer zum Film „Der Kuss des Grashüpfers“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Forum‘)
- Lutz Granert, ‚Kritik zu Der Kuss des Grashüpfers: Schafe sind die besseren Mitbewohner‘, filmstarts.de, 2025