„Manche mögen’s falsch“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die deutsche Dokumentation „Manche mögen’s falsch“ des versierten Dokumentarfilmers Stanislaw Mucha erzählt von der südchinesischen Künstler-Stadt Dafen, wie und welche Kunst dort produziert wird und begibt sich so auf die Spurensuche nach den Begriffen Originalität, Kopie und Fälschung und wie die Grenzen doch verschwimmen können.

In der Nähe der chinesischen Großstadt Shenzhen liegt Dafen, ein Ort, der sich darauf spezialisiert hat, Ölgemälde anzufertigen. Die dort arbeitenden und lebenden Familien – meist ist das Atelier auch ihre Wohnung – stellen Kopien berühmter Gemälde her, oft ohne das Original und dessen Tragweite oder Bedeutung zu kennen. Dabei haben sie sich oft auf bestimmte Künstler oder Motive spezialisiert. Auf Wunsch werden auch direkt Fälschungen angefertigt, aber vor allem lebt das Geschäft von günstigen Kopien. Die Maler:innen sind aber auch so talentiert, dass sie  eigene Kunstwerke erschaffen, doch ihr Hauptgeschäft sind die zehn Millionen Bilder, die hier pro Jahr hergestellt werden.

Der in Polen geborene Filmemacher Stanislaw Mucha, bekannt für Dokumentationen, wie „Absolut Warhola“ (2001) und „Wettermacher“ (2022), wurde durch einen Fälschungsfall aus Deutschland, bei dem jemand eine angebliche Ikone von Andrej Rubljow (1360-1430) verkaufen wollte, auf die Idee gebracht. Der Streit darüber eskalierte und faszinierte den Filmemacher so, dass er begann, sich mit dem Thema zu beschäftigen. So gelangte er nach Dafen, einen Ort, in dem tausende von Maler:innen ihr eigenes Atelier haben oder in einer Manufaktur im Akkord arbeiten. Dabei fertigen sie Massenwaren genauso wie Auftragsarbeiten an. Sie verkaufen diese im Internet, aber auch direkt vor Ort. Mucha hat sich mit einigen von ihnen unterhalten, blickt ihnen bei ihrer Arbeit über die Schulter und lässt sie auch mit einem gewissen Stolz ihre Werke präsentieren. Dabei stromert das Publikum zusammen mit Mucha durch die Gassen der Stadt und schaut in vielen Ateliers vorbei. Er fängt die Stimmung, die Lebensbedingungen und auch die Leidenschaft fürs Malen wunderbar ein. Wie nebenbei stellt er aber auch Fragen nach den Definitionen von Original, Kopie und Fälschung. Der Film regt an, sich mit diesen Begriffen zu beschäftigen. Wie nehmen wir Kunst wahr, was bestimmt ihren Wert und ab wann ist man Maler:in und wann ist man Künstler:in? Das alles erzählt er schwungvoll mit einem persönlichen, selbst angesprochenen Kommentar, was, wie auch die sympathischen Interviewpartner:innen, dem Film viel Leichtigkeit verleiht.

Fazit: „Manche mögen ‚ falsch“ ist eine Dokumentation von Stanislaw Mucha, die das Publikum ins chinesische Dafen entführt, welche davon lebt, dass dort über 1000 Maler tagtäglich unzählige Kunstkopien herstellen. Der Regisseur Stanislaw Mucha blickt sich dort um, unterhält sich mit den Maler:innen und lässt sie ihre Werke präsentieren. Das alles ist schwungvoll und ansprechend eingefangen, so dass sich die weiterführenden Fragen nach Kunst und Originalität unaufdringlich einschleichen und der Film zudem sehr gut unterhalten kann.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „Manche mögen’s falsch“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • 59. Internationale Hofer Filmtage 2025 – Katalog
  • Eintrag des Films „Manche mögen’s falsch“ beim Distributor W-film

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