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Filmkritik: Die deutsche Dokumentation „Das Ungesagte“ von Patricia Hector und Lothar Herzog, welche auf den 59. Hofer Filmtagen 2025 den GRANIT-Preis für den Besten Dokumentarfilm gewann, ist ein gelungener Film und zugleich ein Zeitzeugen-Dokument, das auch als Schulmaterial verwendet werden kann und für nachfolgende Generationen wertvoll ist.
Elf Zeitzeug:innen, zwischen 1920 und 1936 geboren, berichten über ihre Zeit im Nationalsozialismus. Alle von ihnen waren in jener Zeit Kinder oder Jugendliche. Neun von ihnen waren Mitbürger:innen, die mit dem Regime die Begeisterung, aber auch den Hass mitgetragen haben. Einige von ihnen wurden dann auch zum Kriegsdienst eingezogen. Zwei jüdische Männer erzählen davon, wie sie die Zeit und auch die Flucht erlebt haben. Die meisten von ihnen haben bisher nie über die Zeit gesprochen und konfrontieren sich mit diesen Interviews selbst mit den Themen und beginnen dadurch auch eine eigene Reflexion über ihre Rolle zu dieser Zeit.
Das Regie-Gespann Lothar Herzog und die Psychologin Patricia Hector hat elf Frauen und Männer interviewt, die mittlerweile alle um die 100 Jahre alt sind. Ausgehend von dem eigenen familiären Umfeld haben die beiden sich Gesprächspartner:innen gesucht, die als Kinder und Jugendliche den Nationalsozialismus erlebt haben. Dabei teilen sie ihre 143-minütige Dokumentation in vier Kapitel – Begeisterung, Hass, Krieg und Schweigen – auf. Im ersten Kapitel berichten neun der Interviewten von den schönen Momenten, wie ihr Leben aussah und welchen Einfluss die Politik darauf nahm. Ab dem zweiten Kapitel kommen auch zwei jüdische Männer zu Wort, der eine verwendet zu seinem Schutz ein Pseudonym. Das Kapitel erzählt vom Alltagsrassismus und Hass, der sich mit der Erziehung und dem alltäglichen Leben zu diesem Grauen ausweiten konnte. Dabei kommen die Interviewten immer wieder ins Stocken, reflektieren, wie weit sie es mitgetragen haben und ob sie sich hätten anders verhalten können. Danach geht es in die direkten Kriegsschilderungen über. Wie war es für die Männer an der Front, für diese Politik in den Krieg zu ziehen und wie nehmen sie das
rückblickend wahr? Im vierten Kapitel reden sie über die Zeit danach und wie sie selbst auch in Hinblick auf die nachfolgenden Generationen damit umgegangen sind. Mit diesem Film haben die beiden Regisseur:innen ein gelungenes Zeitdokument geschaffen. Die Sichtung ist intensiv, da die Interviews nur von wenigen Landschaftsaufnahmen unterbrochen werden. Die Gesprächspartner:innen wachsen einem schnell ans Herz, so dass man bei manchen Schilderungen nicht nur den Kopf schüttelt, sondern auch mitfühlen kann. Begleitend zu dem Film bieten die beiden Regisseur:innen auch Workshops und Schulauswertungen an.
Fazit: „Das Ungesagte“ ist ein Interview-Film, bei dem das Regie-Duo Lothar Herzog und Patricia Hector elf mittlerweile fast 100-jährige Zeitzeugen befragt hat. Diese erzählen von ihrer Zeit als Jugendliche und Kinder in der NS-Zeit, über die sie vorher kaum oder nie gesprochen haben. Sie schufen damit ein eindringliches und intensives Zeitdokument, das unter die Haut geht. Als Dokument für die Zukunft, um nachfolgende Generationen – auch in Anbetracht des aktuellen Rechtsrucks – aufzuklären, leistet dieser Film seinen Beitrag.
Bewertung: 7,5/10
Trailer zum Film „Das Ungesagte“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 59. Internationale Hofer Filmtage 2025
- Website des Dokumentarfilms „Das Ungesagte“
- Eintrag des Films „Das Ungesagte“ beim Verleih imFilm
- Marie-Dominique Wetzel, ‚Kampf gegen das Vergessen – der Film „Das Ungesagte“ lässt Zeitzeugen der NS-Zeit zu Wort kommen‘, swr.de, 2025
- Der Film „Das Ungesagte“ lässt Zeitzeugen der NS-Zeit zu Wort kommen, in: Podcast ‚SWR Kultur – Aktuelle Kulturbeiträge‘, 25.10.2025.