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Filmkritik: Der Kurzfilm „Lina“ von Remo Rauscher, der auf dem 68. DOK Leipzig 2025 seine Deutsche Premiere feierte, ist, verbunden mit einem weiterführenden Projekt, ein Animationsfilm über das Thema Sternenkinder.
Jede vierte Mutter verliert ein Kind. Die noch ungeborenen oder früh verstorbenen Kinder werden Sternenkinder genannt. Mit dem Verlust müssen die Betroffenen meist alleine zurechtkommen, da dies zu den Themen gehört, über die kaum jemand öffentlich oder laut spricht. Hier berichten zwanzig trauernde Personen von ihrem verstorbenen Kind, den Erfahrungen und wie sie seitdem damit leben.
Der österreichische Filmemacher Remo Rauscher hat durch ein befreundetes Paar einen solchen Verlust hautnah miterlebt. An das verstorbene Kind wird auch mit dem Titel gedacht. Von dieser Erfahrung ausgehend beschäftigte er sich weiter mit dem Thema und rief das Projekt Lina ins Leben. Er startete einen Aufruf und traf auf Menschen, die bereit waren, darüber zu sprechen. Die Interviews mit 20 Gesprächspartner:innen gibt es online auch in voller Länge zu hören. Aus diesen schnitt er einen 30-minütigen Kurzfilm zusammen, bei dem die Eltern, Mütter wie Väter, von ihren Erfahrungen berichten. Eingekürzt aber gleichzeitig verdichtet ist der Film keine leichte Kost und kann zutiefst berühren. Die anonym erzählten Geschichten werden durch Animationen untermalt. Dabei hält Rauscher die Bilder einfach und ruhig. Sie sind assoziativ und mit farblich unaufgeregt gehalten und lassen den Worten den größeren Raum. Der Film bietet einen guten Einstieg in das Thema, lädt ein, sich damit mehr zu beschäftigen und sollte unbedingt mit anderen Menschen, die vielleicht auch so etwas erlebt haben, geteilt werden. So ist das Projekt auch nicht damit am Ende, sondern bietet sich als Material für Selbsthilfegruppen und andere Einsatzgebiete an.
Fazit: „Lina“ ist ein Kurzfilm von Remo Rauscher, der sich als Animationsfilm mit Interviews aus dem Off mit dem Thema Sternenkinder, mit dem Verlust der Eltern und ihrer Trauer beschäftigt. Die assoziativen Bilder unterstützen dabei das Gesprochene. Der Film schafft so in der Kürze der Zeit, die Betrachter:innen tief zu berühren und gibt einen Einstieg in ein Thema, über das gesellschaftlich vermieden wird, zu sprechen.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Kurzfilm „Lina“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 68. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2025 – Katalog
- Doreen Kaltenecker, ‚Neun Fragen an Remo Rauscher‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des „Projekt Lina“ auf der Website des Regisseurs Remo Rauscher
- Eintrag des „Projekt LINA*“ beim Verein Anima Plus PLUS
- DOK Spotters, ‚“Auch bei mir war die Arbeit sehr emotional”‘, dok-spotters.de, 2025