„Lesbian Space Princess“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der australische Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ von Emma Hough Hobbs und Leela Varghese feierte auf der 75. Berlinale 2025 seine Weltpremiere und konnte u.a. den Teddy Award gewinnen. Dieser weltweit erste offizielle LGBTIQ-Filmpreis, der seit 1987 verliehen wird, ging zurecht an diese quirlige, bunte und mit vielen Anspielungen versehene Geschichte einer jungen, queeren Frau.

Saira (gesprochen von Shabana Azeez) ist die Tochter der Königin des Planeten Clitopolis. Doch statt in die Fußstapfen ihrer Mütter zu treten, scheut sie sich vor dieser Rolle, denn dafür ist sie einfach zu unsicher und introvertiert. Hinzu kommt, dass sich ihre coole, draufgängerische Freundin Kiki (Bernie Van Tiel) von ihr getrennt hat und sie gar nicht anders kann, als in ihrem Elend zu versinken. Doch als Kiki von den ‚Straight White Maliens‘ entführt wird, sieht sie die Möglichkeit, Kiki zurückzugewinnen. Auf ihrem Reise durch den Weltraum, um ihre Ex-Freundin zu retten, stellen sich ihr viele Gefahren und Überraschungen in den Weg, aber sie gewinnt auch mit der ehemaligen Popgroup-Sängerin Willow (Gemma Chua-Tran) eine Gefährtin. 

Der australische Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ gehörte zu den Festivallieblingen der letztjährigen Berlinale und konnte nicht nur den Teddy-Award gewinnen, sondern erhielt auch den 2. Platz des Publikumpreises in der Sektion ‚Panorama‘. Den australischen Animationsfilm kennt man vor allem durch Adam Elliot und seine Stop-Motion-Arbeiten wie „Memoiren einer Schnecke“ (2024). Die beiden Regisseurinnen Emma Hough Hobbs und Leela Varghese entschieden sich für 2D-Zeichnungen und schufen auch damit den ersten langen Animationsfilm aus Südaustralien. Ihr Debütfilm nach einem gemeinsamen Drehbuch basiert auf eigene Erfahrungen, der Popkultur und dem Willen, mit vielen üblen Klischees und Verhaltensmustern aufzuräumen. Dafür stehen im Film auch die Gegenspieler – die Straight White Maliens (eine Wortschöpfung aus Außerirdischen und heterosexuellen, weißen Männern). Gesprochen von dem Comedy-Trio Aunty Donna sorgen sie für sehr unterhaltsame Szenen. Diese Stereotypen bekommen hier gehörig ihr Fett ab, aber auch die anderen Figuren werden sehr ambivalent dargestellt. Es ist wunderbar, dass Varhesse und Hobbs eben nicht in ähnliche Stereotypen-Fallen tappen oder versuchen andere Aspekte zu verklären. Die Figuren sind vielschichtig und es gibt hier kein Schwarz-Weiß. Zwar steht das Publikum auf der Seite von Saira, aber andererseits kann man auch verstehen, warum sie verlassen wurde. Mühelos und spielerisch bauen die Regisseurinnen einen ganzen Kanon von Themen ein, der gerade für junge Menschen viele Anknüpfungspunkte bietet. Das Humorlevel bleibt dabei hoch, auch wenn man womöglich nicht jeden Witz versteht, da diese auch stark in der australischen Gesellschaft verankert sind. Doch das Gros der vielen Anspielungen und Zitaten sowie der Humor sind universell und über Ländergrenzen hinweg verständlich. Auch besitzt der Film trotz positiver Energie und einer gelungenen Botschaft kein klassisches Happy End, was zeigt, dass der Film trotz aller Übertreibungen und fantastischen Elementen im Hier und Jetzt verankert ist.

Inszeniert ist der Film als bunte und queere Space Opera, die vom realen (Beziehungs-)Leben ausgehend ihre Sci-Fi-Welt entfaltet. Fest im Genre verhaftet, gibt es hier alles was dazugehört: verschiedene Planeten, Raumschiffaction und das Entdecken neuer Welten. Klassische Antagonisten, zwielichtige und doppelzüngige Figuren sowie Love Interests bereichern die Figurenvielfalt. Die Animationen sind dabei sehr bunt, flächig und fangen perfekt den Vibe des Films ein. Die Nähe zum japanischen Animé („Sailor Moon“) wie zur westlich geprägten Popkultur und Serien wie „Rick & Morty“ (seit 2013) sind klar erkennbar. So gibt es auch mehrere „Twilight“-Referenzen, da eine der Regisseurinnen selbst ein großer Fan davon ist. Die Musik, die Synchronisation und der schnelle Schnitt passen sich alle wunderbar an die Story an. 

Fazit: „Lesbian Space Princess“ ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Animationsfilm aus Australien der beiden Filmemacherinnen Emma Hough Hobbs und Leela Varghese. Mit bunten Bildern, vielen popkulturellen Anspielungen und einer großen Erzählwelt schufen sie eine queere Sci-Fi-Abenteuer-Geschichte mit viel Energie, Humor und Herz.

Bewertung: 4/5

Kinostart: 22. Januar 2026

Trailer zum Film „Lesbian Space Princess“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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