Sieben Fragen an Florian Moses Bayer

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur und Drehbuchautor Florian Moses Bayer („Steh auf Du Sau“) konnten wir mehr seinen Kurzfilm „Die gemeinen Kleinigkeiten“, der auf dem 47. Filmfestival Max OphülsPreis 2026 gleich zwei Preise (Bester Kurzfilm und Publikumspreis) gewinnen konnte, erfahren. Er erzählt, wie seine eigenen Erfahrungen die Geschichte inspiriert haben, was ihm visuell wichtig war und ob es schwierig war, den Hauptdarsteller Michael Bauer zu finden.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden? 

Die Geschichte von Josef hat schon einige Parallelen zu meinem Leben: wie werde ich als übergewichtiger Mensch von der Gesellschaft wahrgenommen und wie werde ich von dieser behandelt. Der Ursprung meiner Idee waren sicher die „Weight Watchers“, bei denen ich als Jugendlicher selbst war. Diese Situationen dort haben mir keine Ruhe gelassen, ich erinnere mich bis heute gut an das Gefühl von damals.

Wie viele eigene Erlebnisse stecken darin und wie kam das Hobby der RC-Rennbahn dazu?

Michael Bauer und Nancy Mensah-Offei

Ich würde sagen, dass der Film ein Sammelsurium aus meinem Leben ist, teilweise Erlebnisse aus meiner Jugend, aber auch aus der Gegenwart. Die RC-Rennbahn ist für mich ein Ort der Träume, jeder Mensch will als Kind Feuerwehrfrau oder Präsidentin werden und Josef wollte Rennfahrer werden, das lebt er im Film nun aus, zumindest ein wenig.

 Du erzählst Deine Geschichte als Komödie – warum hast Du Dich dafür entschieden?

Ich habe den Film immer nicht als reine Komödie gesehen, sondern als eine Dramakomödie: die Situationen, in denen sich Josef befindet, sind immer Grenzüberschreitungen. Und wir können dann oft nicht anders als zu lachen, um uns zu schützen, weil der Moment so unangenehm ist. Aber hätte ich daraus ein reines Drama gemacht, wären die Menschen mit einem schlechten Gefühl aus dem Kino gegangen und das wollte ich nicht. 

Was lag Dir visuell am Herzen?

Michael Bauer

Caroline Liebhart und ich haben in der Vorbereitung lange überlegt, was für ein Format wir wählen, schließlich haben wir uns für 4:3 entschieden, weil es eine Enge erzählt, in der sich unsere Hauptfigur befindet. In fast allen Situationen haben wir die Figuren für sich selbst stehen lassen, sodass jede Figur für sich selbst bleibt. Außer bei den Szenen mit Aluna gibt es die Verbindung, weil sie sich gegenseitig unterstützen. Grundsätzlich war es uns wichtig, dass wir Josef nicht beobachten, sondern ihn begleiten: immer nahe an ihm dran. 

 Deine Besetzung ist großartig – nach welchen Kriterien hast Du Deine Rollen besetzt?

Durch mein Schauspielstudium habe ich ein recht gutes Gespür dafür bekommen, was sich echt anfühlt und was nicht. Das ist mir immer das Wichtigste bei Schauspielerinnen und Schauspielern. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Zuhören nicht zu spielen, sondern wirklich auf das Gesagte zu reagieren. Bei einigen Figuren hatte ich schon beim Schreiben im Kopf wen ich gerne besetzen würde wie zum Beispiel Nancy Mensah-Offei und Susi Stach, die dann auch zugesagt haben. Zusammen mit Elena Wolf haben wir dann die anderen Rollen mit den großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt. Vor „Die gemeinen Kleinigkeiten“ habe ich noch nicht mit einem Laiendarsteller zusammengearbeitet. Das Schwierigste war, die Figur des Josef zu besetzen, weil es gar nicht so viele übergewichtige Schauspieler gibt, wie ich vermutet habe. Ich war dann auf einer Geburtstagsfeier und ein Freund zeigt mir ein Insta-Video von einem Typen und meint, der schaut aus wie ich. Das war der „heidelbeerhugo“ also Michael Bauer. Ich habe ihm dann geschrieben und er hat mir dann auch gleich zurückgeschrieben und hat gemeint das macht er. Es war seine erste Filmrolle und wir haben schon sehr viel Zeit miteinander verbracht und über die Themen und Situationen gesprochen.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Musiker Monobrother?

Oliver Dietze

47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 – Preisverleihung:
Max Ophüls Preis: Publikumspreis Kurzfilm: „Die gemeinen Kleinigkeiten“ von Florian Moses Bayer
Max Ophüls Preis: Bester Kurzfilm: „Die gemeinen Kleinigkeiten“ von Florian Moses Bayer
Foto: Oliver Dietze

Ich kenne Monobrother schon lange (er mich noch nicht so lange haha), aber ich finde, er ist einer der größten Poeten der Gegenwart. Seine Texte und Musik sprechen mir aus der Seele und er spricht meine Weltanschauung genauso aus wie ich sie sehe. Ich habe ihm dann einfach das Drehbuch geschickt. Ich war sehr aufgeregt, ob es ihm gefallen wird und ob er sich auf eine Rolle einlassen wird. Aber auch er hat nach einem Treffen zugesagt. Das war schon extrem toll.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich bin schon seit einiger Zeit im Schreibprozess meines Kinolangfilm Debüts mit Drehbuchautorin Magdalena Steiner. Es werden auch hier Themen aus meinem Leben verhandelt und auf tragisch-komische Art verarbeitet. Ausgehend von einem Mikrokosmos schauen wir auf die gegenwärtige Gesellschaft. 

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Die gemeinen Kleinigkeiten

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