- „London“ (2026) - 15. Oktober 2026
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Filmkritik: Der österreichische Spielfilm „London“ von Sebastian Brameshuber, der seine Weltpremiere auf der 76. Berlinale 2026 feierte, ist ein doku-fiktionales Roadmovie, der sich durch Begegnungen auf ruhige Weise mit dem Menschsein beschäftigt.
Bobby (Bobby Sommer) pendelt regelmäßig zwischen Wien und Salzburg hin und her, um seinen im Krankenhaus liegenden Freund zu besuchen. Um Kosten zu sparen und auch etwas die Monotonie der Fahrten aufzulockern, nimmt er regelmäßig Mitfahrer:innen auf seinen dreistündigen Autofahrten mit.
Der österreichische Filmemacher Sebastian Brameshuber schrieb für seinen ersten Spielfilm, der mit dokumentarischen Elementen durchsetzt ist, das Drehbuch selbst. Der Film beschränkt sich dabei bis auf wenige Szenen auf das Innere des Autos während der Autofahrten des Protagonisten zwischen den beiden Städten. Bobby, der mit einer tiefen Melancholie und viel Sympathie von Bobby Sommer dargestellt wird, trifft dabei auf Mitfahrer:innen, mit denen er sich über diverse Themen unterhält. Manchmal bleiben die Gespräche sehr oberflächlich oder auch ein bisschen skurril (u.a. die Episode mit dem Brückenliebhaber), aber gleichzeitig schneidet der Film auch viele gesellschaftsrelevante Themen an. So spricht er über den Wehrdienst, das Queersein im Balkan oder wie sich Österreich aus der Sicht eines Einwanderers anfühlt. Auch erfährt man immer ein Stückchen mehr von Bobby selbst, seinem Leben, was ihm das titelgebende London bedeutet, das Älterwerden und das Zurückblicken auf ein gelebtes Leben.
Zwischen den Menschen entsteht eine unverbindliche Nähe und das Setting könnte dafür nicht passender sein. Die 300 km lange Strecke unterscheidet sich wenig von anderen Autobahnen. Die Raststätten- und Straßen-Architektur und die wenige Natur, die man von der Straße aus sehen kann, kann man an vielen Orten finden und spiegelt die Anonymität zwischen den Mitreisenden, die sich trotzdem einander anvertrauen, wieder. Auch fängt Brameshuber wunderbar das Gefühl ein, regelmäßig und nicht aus einem schönen Anlass heraus unterwegs zu sein. Die Farbpalette ist dabei gedeckt zwischen Grau- und Blautönen und die Kameraarbeit unaufdringlich, aber nah an den Gesprächspartner:innen. Das passt auch zu der Art, wie Bobby die Menschen aussprechen lässt und ein sanftes Gespräch mit Momenten des Nachdenkens führt. Diese Atmosphäre ist durchsetzt mit einem gewissen Gefühl der Schwermut, das den Rhythmus des Films bestimmt und so eignet sich der Film nicht für Freunde des schnellen Erzählens, die von einem Roadmovie etwas anderes erwarten.
Fazit: „London“ ist der erste Spielfilm von Sebastian Brameshuber, der darin eine Geschichte des Unterwegsseins durch verschiedene Begegnungen erzählt. In seiner unaufgeregten Inszenierung und mit seinem gut ausgewählten Hauptdarsteller sowie klar dokumentarischen Einschlägen schafft der Film es, viele relevante, gesellschaftliche Themen anzusprechen und auf beinahe kontemplative Weise sich den Figuren zu nähern und ihre Gefühle auf das Reisen zu übertragen.
Bewertung: 4/5
Trailer zum Film „London“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Eintrag des Films „London“ bei der Berlinale
- Rouven Linnarz, ‚London‘, film-rezensionen.de, 2026
- Eintrag des Films „London“ beim Österreichischen Filminstitut
- Sara Pizza, ‚Dokufiktionaler Berlinale-Film „London“: Das erzählte Leben‘, taz.de, 2026
- Dietmar Kanthak: London, in: EPD Film, Ausgabe 10/26, S.65.


