“Die Poesie des Unendlichen” (2015)

 © Wild Bunch

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Filmkritik: Die filmische Umsetzung von Biographien berühmter Mathematiker können spannend sein wie bei “A Beautiful Mind” (2001) und “The Imitation Game” (2014) oder emotional anrührend wie “Die Entdeckung der Unendlichkeit” (2014). Der neue Film “Die Poesie der Unendlichen” (OT: “The man who knew Infinity”, USA/GB/Indien, 2015) zeigt wunderbar die Freundschaft zweier kulturell verschiedener Mathematikern, aber schafft es leider nicht jede pathetische Klippe zu umschiffen und ein gewisses Gefühl von Länge zu vermeiden.

Der indische Mathematiker Srinivasa Ramanujan (1887-1920) entstammte einer Brahmanenfamilie und war ein mathematischer Autodidakt. Durch seine Abgeschiedenheit von den üblichen Gelehrtenkreisen entwickelte er neue Ansätze und konnte bekannte Theorien aus einer anderen Perspektive betrachten. Der britische Mathematiker G. H. (Godfrey Harold) Hardy (1877-1947) erkannte sein Talent und holte ihn nach Cambridge (Großbritannien). Er wurde dessen Mentor und kümmerte sich um die Beweisführung von Ramanujans Theorien. Beide Mathematiker sind noch heute bekannte Größen in der wissenschaftlichen Welt. Ramanujan, der bereits mit 32 Jahren starb, hinterließ das “verlorene Notizbuch”, was noch heute als Basis für Schwarze Löcher, String-Theorie etc. dient. Hardy hat sich dagegen einen Namen mit dem Aufsatz “A Mathematician’s Apology” (1940) gemacht, in dem er einen Einblick in die Welt der Mathematiker gibt.

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Der Film erzählt die Geschichte dieser beiden, befreundeten Mathematiker. Sie beginnt mit Srinivasa Ramanujan (Dev Patel), der 1913 in Indien eine Anstellung als Büroangestellter erhält. Bereits seit längerem beschäftigt er sich mit Mathematik und hält diese für einen direkten Link zu Gott. Sein Vorgesetzter Sir Francis Spring (Stephen Fry) erkennt sein Talent und stellt eine Verbindung zu dem Briten G.H. Hardy (Jeremy Irons) her. Dieser sieht ebenfalls die originellen Leistungen Ramanujans und holt ihn nach Cambridge um die nötige Beweise aufzustellen. Der Inder verlässt voller Neugier Frau und Land und wird in Großbritannien mit doktrinierten Vorstellungen, Krankheit und Krieg konfrontiert, gewinnt aber auch einen Freund.

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Der 1946 geborene, amerikanische Schriftsteller Robert Kanigel veröffentlichte 1991 die Biographie “The Man Who Knew Infinity: A Life of the Genius Ramanujan” (dt. Titel: “Der das Unendliche kannte”) und beschäftigt sich in dieser nicht nur mit dem Leben und Werk Ramanujans, sondern geht intensiv auf die Freundschaft der beiden Mathematiker ein. Auf diesem Buch basiert nun der aktuelle Film. Die Regie übernahm der Amerikaner Matthew Brown. “Die Poesie der Unendlichen” ist sein zweites Werk nach seinem Erstling “Ropewalk” (2000). Brown zeichnet sich auch für die Adaption in das Drehbuch verantwortlich. Er setzt den Fokus auf die Freundschaft der beiden Männer und deren unterschiedliche Welten. Der Film bewegt sich zwischen Indien und Großbritannien ständig hin und her. Während die Szenen in Cambridge einen gewissen Schwung besitzen und auch eine kleine Prise Humor, sind die Indien-Szenen zu pathetisch, dramatisch aufgeladen. Zwar ist in beiden Ländern das Zeitkolorit wunderbar eingefangen, doch erscheinen die Aufnahmen Ramunjans Heimat zu romantisch dargestellt. Das macht es schwer, das Interesse über die Länge aufrecht zu erhalten. Ähnlichkeiten gibt es auch bei der Figurenkonstellation. Während Jermey Irons (bekannt aus “Das Geisterhaus” (1993) und “Nachtzug nach Lissabon” (2013)) als Hardy Sympathieträger ist, findet man Dev Patel (bekannt aus “Slumdog Millionär” (2008) und “Best Exotic Marigold Hotel” (2011)) als Ramanujan sehr anstrengend. Wenn es dann noch zu wissenschaftlich wird, kann es passieren, dass man als Laie abschaltet. Patel verleiht der Figur wenig Rückgrat und man fragt sich wie er sich in dieser Welt behaupten konnte. Aber gerade die dargestellte Welt ist ein großer Pluspunkt neben der Darstellung Irons für den Film. Der einzigartige Drehort – das Trinity College – und die Authentiztät der Jahre ziehen den Betrachter in der Bann und es macht Spaß die Detailverliebhtheit, wie der Film ausgestattet wurde, zu betrachten. Doch leider reicht das nicht aus um den gesamten Film zu tragen, so ist “Die Poesie des Unendlichen” im Gesamten etwas blutarm und schafft es nicht eine konsequente Spannung aufzubauen.

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Fazit: Die Mathematiker-Biografie “Die Poesie des Unendlichen” schafft es wunderbar die frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts einzufangen. Doch leider kränkt er an seiner Figurenzeichnung von Ramanujan. Patel schafft es nicht den Charakter sympathisch und mit einer interessanrten Persönlichkeit darzustellen. Irons Spiel dagegen ist zwar ein Genuss, aber kann die Längen des Films nicht ausgleichen.

Bewertung: 5,5/10

Kinostart: 12.05.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von wildbunch

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