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Interview: Im Gespräch mit den beiden Filmschaffenden Saladin Dellers, der vor allem als Schauspieler u.a. in „Solo Show“ bisher gearbeitet hat, und Kim Culetto konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Dreieck“ erfahren, der auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 seine Weltpremiere feierte, erfahren, was sie zu dem Film inspiriert hat und wie es für Saladin war, auch auf dem Regie-Stuhl Platz zu nehmen.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden und wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?
Saladin: Tatsächlich beruht das Drehbuch auf wahren Begebenheiten und fand seinen Ursprung in der Verarbeitung einer genau solchen Dreiecks-Beziehungskonstellation. Ich habe mich damals gefragt, wie es wäre, tatsächlich bei dem Mann meiner Freundin aufzutauchen und die Dinge einmal wirklich zu klären.
Was ich im realen Leben nicht mache, mich nicht traue oder schlicht einfach nicht dazu komme, verlagere ich in meine künstlerische Arbeit – für mich ist sie genau dafür auch da. Aus dieser persönlichen Verarbeitung und dem anfänglichen Erzählen einer schlichten Dreiecksbeziehung-Konstellation wurde im Verlauf der Auseinandersetzung jedoch schnell mehr.
Kim: Ich habe zu diesem Zeitpunkt privat auch polyamore Erfahrungen gesammelt, weshalb mich Saladins Drehbuch und die Auseinandersetzung mit dem Thema sehr angesprochen hat. Mich hat vor allem interessiert, wie man emotionale Unsicherheiten, Besitzansprüche und verletzte Eitelkeiten filmisch erfahrbar machen kann, ohne vorschnell zu urteilen. Für mich war es spannend, diesen Zwischenraum zu untersuchen, dort, wo Ideale von Offenheit auf sehr menschliche Verletzlichkeit treffen.
Saladin, war Dir von Anfang an klar, dass Du eine der Hauptrollen selbst spielen wirst? Und wie kam Ilja Baumeier zu dem Projekt dazu?
Saladin: Mir war von Anfang an klar, dass ich selbst spielen werde. Das hat auch eine gewisse Tradition im Trio von Kim Culetto, Ilja Baumeier und mir – so sind schon einige Kurzfilme entstanden. Meistens hat entweder Ilja oder ich das Drehbuch geschrieben, Kim führte Regie, und wir beide haben gespielt.
Da ich mich aber auch im Bereich Regie weiterentwickeln und ausprobieren wollte, wie es ist, am Set diese Doppelfunktion zu haben, war mir schnell klar, dass ich das probieren möchte.
Es war auch ein Experimentierfeld, da ich gleichzeitig in der Entwicklung eines Langspielfilms bin, den ich auf ähnliche Weise für mich geschrieben habe – mit der Frage, ob ich mir vorstellen kann, die Regie abzugeben oder nicht.
Warum habt ihr euch dazu entschieden, die Frau beinahe ganz außen vor zu lassen?
Saladin: Die Frau war am Anfang sogar gar nicht im Film präsent – nicht einmal mit ihrer Stimme. In der Entwicklungsphase habe ich dazu ein Feedback bekommen, das mich aufwachen ließ. Ich habe gemerkt: Ich kann und darf diese Geschichte nicht so erzählen – als privilegierter heterosexueller Cis-Mann eine Geschichte über zwei Männer zu schreiben, die sich über eine Frau streiten.
So wurde genau dieses Thema zum Kernthema. Ich musste und wollte die Frau auftauchen lassen. Gleichzeitig wollte ich aber nicht plötzlich das „gute Beispiel“ sein, sondern ehrlich bleiben: Ich wollte den Reflexionsprozess ehrlich und auch ein Stück weit verspielt offenlegen. Meine Figur sollte im Verlauf des Films selbst merken und checken, dass es so nicht okay ist, diese Geschichte zu erzählen.
Was lag Euch visuell am Herzen?
Saladin: Ich hatte von Anfang an eine sehr markante, fast schon ikonografische Vision des Projekts. Eher überhöhte Farbkonzepte, kombiniert mit dem Einsatz von abstrakten Farbtemperaturwechseln innerhalb der Szenen. Die visuelle Ebene sollte die emotionale Spannung mittragen – nicht naturalistisch, sondern bewusst gesetzt.
Kim: Diese starke Vision von Saladin haben wir zusammen mit dem DOP Andreas Eisenach vor Ort und im Schnitt sowie im Color Grading in der Post konsequent weitergedacht und verdichtet. Gerade in der Montage und der Farbgestaltung haben wir bewusst mit Rhythmus, Kontrasten und Temperaturwechseln gearbeitet, um die emotionale Spannung nicht nur sichtbar, sondern spürbar zu machen.
Saladin, du warst auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis auch als Schauspieler in „Solo Show“ zu sehen. Auch da spielst Du eine sehr offene Person. Was hat Dich an der Rolle gereizt?
Saladin: Zuallererst hat mich das Drehbuch von „Solo Show“ sehr überzeugt. Es ist mit einer beiläufigen Präzision geschrieben, mit einem Humor, der im Abgang etwas weh tut, und mit schillernden Figuren. Zudem mag ich es schon immer, Grenzen in der künstlerischen Arbeit auszutesten und ihnen näherzukommen. Diese Offenheit der Figur war keine Pose, sondern hatte Risse – und genau das hat mich gereizt.
Könnt ihr beide mir noch kurz erzählen, wie ihr zum Film gekommen seid?
Saladin: Schauspiel war schon immer Teil meines Lebens – durch Kindertheaterkurse und später im Jugendclub. Zudem habe ich sehr früh mit meiner Schwester angefangen, Kurzfilme selbst zu drehen und zu schreiben.
Den Start in die Professionalität, zumindest im Schauspiel, durfte ich ebenfalls sehr früh erleben – durch meine Hauptrolle im Kinofilm „Silberwald“ von Christine Repond. Ab da war für mich klar, dass ich das weiterverfolgen möchte.
Kim: Film war für mich schon seit meiner Kindheit eine große Faszination, dieses Gefühl, dass Bilder mehr sagen können als Worte, hat mich nie losgelassen. Anfang Zwanzig gab es für mich dann kein Zurück mehr: Ich wusste, dass ich Geschichten nicht nur konsumieren, sondern selbst erzählen will. Seitdem ist Film für mich nicht nur Beruf, sondern eine konsequente Entscheidung fürs Leben geworden.
Sind bereits neue Projekte – gemeinsam oder allein – geplant?
Saladin: Ich habe auf jeden Fall zwei weitere Stoffe in Entwicklung. Das eine ist – wie schon erwähnt – mein Debüt-Langspielfilm, mit dem ich aktuell mit Produktionsfirmen im Gespräch bin. Zudem absolviere ich gerade die Masterclass Story Academy in Schweden, und im Zuge dessen arbeite ich ebenfalls an einer Stoffentwicklung. Konkrete gemeinsame Produktionen sind noch nicht geplant, aber wir sprechen aktuell ganz lose über neue Ideen.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Dreieck“




