“Vor der Morgenröte” (2016)

 © X Verleih

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Filmkritik: Die deutsche Schauspielerin Maria Schrader (*1965) erzählt in ihrem zweiten Spielfilm, “Vor der Morgenröte” (AT: “Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika”, AT/DE/FR, 2016), die Exilgeschichte des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) als einzelne, für sich stehende Episoden. Sie schuf dabei ein Werk, das sich vor allem an Kenner und Fans von Zweig richtet.

Der Schriftsteller Stefan Zweig (Josef Hader) ist in Deutschland zu Ruhm gekommen, doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten entschließt er sich bereits 1934 das Land zu verlassen. Seine Wege führen ihn daraufhin nach Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York und schlussendlich in das kleine Dorf Petrópolis in Brasilien. In dieser Zeit muss er als berühmter Exilant oft Stellung beziehen, Flüchtigen die nötige Hilfe zukommen lassen und versuch sich mit seiner zweiten Ehefrau Lotte (Aenne Schwarz) ein neues Leben in seiner Wahlheimat Brasilien aufzubauen.

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Maria Schrader, bekannt als Schauspielerin für Filme wie “Aimée und Jaguar” (1999) und “Rosenstraße” (2003), erzählt in ihrem zweiten Film “Vor der Morgenröte” (ihr Debüt als Regisseurin war “Liebesleben” (2007)) in sechs tableauartigen Episoden von dem Exilleben Zweigs. Dieser ist ganzen Generationen durch seine Bücher wie “Brennendes Geheimnis” (1911), “Brief einer Unbekannten” (1922), “Schachnovelle” (1942) und “Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers” (1942) bekannt. Zusammen mit Jan Schomburg (bekannt für “Über uns das All” (2011) und “Vergiss mein Ich” (2014)) schrieb Schrader das Drehbuch zu dem Film. In jeder der sechs Episoden steht ein spezielles Anliegen im Fokus. Im Gesamten geht es den Autoren um die Darstellung eines Europas in dunklen Seiten aus einer nicht-europäischen Sicht. So behandelt sie Themen wie die Haltung des Schriftstellers zu Deutschland, sein Verhalten während des Krieges und seine Suche nach einer geistigen Heimat. Dabei gehen Schrader und Schomburg davon aus, dass die Zuschauer eine gute Vorbildung bezüglich Stefan Zweig besitzen. Dazu reicht es auch nicht aus, nur Werke des Autors zu kennen, sondern man muss ebenfalls ein Überblick über sein Leben haben. Der Film stellt keine Personen vor oder geht gar auf Hintergründe ein, sondern zeigt nur exemplarische Ausschnitte aus seinen letzten Lebensjahren. Viel muss sich der unbedarfte Zuschauer versuchen zu erschließen, was dem Film wiederrum nicht gut tut. Durch die unklaren Zusammenhänge wird der Film nicht vor Längen bewahrt. Goldrichtig hat er es aber dagegen auf formaler Ebene gemacht. Gedreht wurde im Jahr 2005 in Halle und Umgebung, sowie Berlin, Sao Tomé und Lissabon. Auch die Ausstattung und Gestaltung der Bilder kann sich sehen lassen. Dabei erkennt man, dass es den Filmemachern stets um Detailgetreue und Authentizität gegangen ist. Liebevoll arrangiert und ausgestattet ist der Film bildertechnisch absolut sehenswert. Aber auch hier gibt es Schwächen. Besonders in der Ausgestaltung des letzten Wohnsitzes wurde etwas geschludert. Wahre Fans erkennen, dass das letzte Heim der Zweigs, was immer noch zu besichtigen ist, nicht der filmischen Darstellung entspricht. Ansonsten merkt man dem Film seine akribischen Recherchen immer an und so wird er zum besten Schulmeister-Kino. Unbedingt zu erwähnen ist die Hauptrollenbesetzung mit Josef Hader. Auf den ersten Blick mutet die Besetzung des österreichischen Schauspielers seltsam an. Man kennt ihn vor allem aus Filmen wie “Komm, süßer Tod” (2000) und “Der Knochenmann” (2009) und verortet ihn so in einem anderen Umfeld. Doch die Figur des Stefan Zweigs spielt er exzellent. Sein Gesicht spricht in manchen Szenen Bände und er gibt dem Autor ein überzeugendes Profil. Im Gesamten aber werden Zuschauer, die durch den Film einen guten Eindruck über Zweig bekommen wollen, enttäuscht werden, aber Freunde des Autors oder der eine oder andere, der sich dadurch angespornt fühlt, die Bücher zu lesen, werden etwas aus dem Film mitnehmen können.

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Fazit: Der Spielfilm “Vor der Morgenröte” befasst sich mit den letzten acht Jahren von Stefan Zweig, dem bekannten österreichischen Autor. Diese nur episodenhaften Abrisse seiner Exiljahre setzen gelungen Fokuspunkte und überzeugt mit Ausstattung und Schauspieler, jedoch muss sich der Zuschauer auf einen Film einlassen, der nichts erklärt und viel Vorwissen voraussetzt.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 02.06.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Constantin Film

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