„Fabiu“ (2020)

Kurzfilm / Österreich / Fiktion / 2020

Filmkritik: Der österreichische Film „Fabiu“ von Stefan Langthaler, gesehen im Zuge der 31. Bamberger Kurzfilmtage 2021, erzählt eine berührende Geschichte vom Altern, Lieben und gibt zu dem noch Einblick in die häusliche Pflegepraxis und feierte auf dem letztjährigen 41. Filmfestival Max Ophüls Preis seine Weltpremiere. 

Der junge Ungar Fabiu (Kristóf Gellén) kommt alle Paar Wochen nach Österreich, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als häuslicher Pfleger zu verdienen. Dieses Mal kommt er zu Arthur (Günter Tolar), um dessen bettlägerige Frau Martha (Birgit Stimmer) zu betreuen. Mit Fabiu konfrontiert wird sich Arthur seiner tief verborgenen Gefühle bewusst, welche er all die Jahre versteckt hat.

Der Regisseur und Drehbuchschreiber Stefan Langthaler (*1987 in Wien) erzählt in seinem dritten Kurzfilm, ausgehend von einem persönlichen Alptraum, vom Altern, der Liebe und wie es sich anfühlt, wenn man jahrelang sich selbst geleugnet hat. Doch gleichzeitig ist es auch ein realistisches Portrait der häuslichen Pflege in Ländern wie Österreich und Deutschland, was auch Thema des Spielfilms „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ (2020) und des Kurzfilms „Marina“ (2018) ist. Mit klarem Blick fängt er die Arbeit des Pflegers ein und wie sich der Alltag auch durch eine (meist osteuropäische) Hilfskraft verändert. Doch nicht nur das. Langthaler thematisiert auch hier ein spätes, unbeholfenes Coming-out und damit schwingt eine große

Kristof Gellen und Guenter Tolar

Melancholie mit. Denn der alte Mann erkennt zu spät, was er wirklich will, oder gesteht es sich einfach zu spät ein. So ist der Film berührend und auf seine Weise auch sehr tragisch. Die Figurenzeichnung ist dabei realitätsnah und einfühlsam und auch bei dem einen eher schwer zu ertragenden Moment, findet der Regisseur den richtigen Zugang zu diesem Wendepunkt. Hinzu kommen authentische Dialoge und eine gelungene Bildsprache, welche die kleine Welt des Rentners und die kleinen Veränderungen durch Fabius Anwesenheit wunderbar einfangen. Im Gesamten ist der 30-minütige Film ein starker Beitrag zu den Themen Altern, Pflege sowie späte Liebe und besitzt genug Potential auch in einem Langfilm weitererzählt zu werden.

Fazit: „Fabiu“ ist ein 30-minütiger Spielfilm von Stefan Langthaler und vereint verschiedene Themen in seiner Geschichte. Er erzählt mit einem gelungenen Cast und stimmig arrangierten Bildern eine Geschichte vom Altern, dem Fehlen von Liebe und der häuslichen Pflege. Der Regisseur vereint das alles mühelos in einer berührenden Geschichte und ist somit sehr empfehlenswert.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Fabiu“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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