„Marina“ (2018)

Kurzfilm / Deutschland / Dokumentarfilm / 2018

Filmkritik: Gleich zwei Preise bekam der deutsche Dokumentarfilm „Marina“ auf dem 61. DOK Leipzig verliehen. Er wurde nicht nur als ‚Bester Nationaler Kurzfilm‘ ausgezeichnet, sondern erhielt auch den ‚Healthy Workplaces Film Award‘ von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Realisiert hat ihn die Theatergruppe werkgruppe2, nachdem sie sich mit dem Schicksal vieler osteuropäischer Frauen beschäftigt hatten.

Marina, dargestellt von der in Dresden lebenden rumänischen Schauspielerin Gina Călinoiu, erzählt von ihrem Leben als häusliche Pflegekraft in Deutschland. Dabei berichtet sie von ihren Patienten und den Menschen die dahinter stecken, dem unterschwelligen Fremdenhass und, wie es sich anfühlt (fast immer) allein in Deutschland zu sein.

Das Theaterkollektiv werkgruppe2, bestehend aus Silke Merzhäuser (Dramaturgie und Produktion), Insa Rudolph (Musik) und Julia Roesler (Regie) hat sich mit dem Thema der Arbeitsmigration von Osten nach Westen auseinandergesetzt. So wurden sie auf das Schicksal der Frauen aufmerksam, die hier in Deutschland die Heimpflege von alten Menschen übernehmen. Im Gesamten interviewten sie 20 Frauen und transkribierten diese als einheitlichen Monolog-Text für „Marina“. So steht die Figur der Marina nicht nur für eine Person, sondern für einen ganzen Arbeitssektor, welcher für viele in Deutschland unsichtbar ist und dessen Arbeit menschlich und finanziell nicht anerkannt wird. Der Film schafft es eindrücklich wiederzugeben, wie sich die Frauen hier fühlen und, dass ihr Leben, geprägt von oft unangenehmer Arbeit, nur darauf ausgerichtet ist, sich um ihre Familie in der Heimat zu kümmern. Um die Anonymität der Interviewten zu wahren und den Frauen trotzdem ein Gesicht zu geben, wählte die werkgruppe2 die Schauspielerin Gina Călinoiu, welche am Schauspielhaus Dresden tätig ist und mit der sie schon zwei andere Projekte realisiert hatten. In einer beinahe theaterhaften Inszenierung zusammen mit Gerd Peiser als Pflegefall, erzählt die Darstellerin berührend und mit fast stoischer Mine die Geschichte der Frauen. Der Film besitzt dadurch etwas Artifizielles und ist nicht klassisch dokumentarisch, aber trotzdem enthält er nur Wahres, das den Zuschauer bewegt und einnimmt.

Fazit: Der Kurzfilm „Marina“, der mit zwei Preisen auf dem 61. DOK Leipzig ausgezeichnet wurde, erzählt durch eine Schauspielerin die Geschichte all jener Frauen, die unter schlechten Bedingungen in Deutschland die häusliche Pflege übernehmen. Das gibt dem Dokumentar-Kurzfilm der werkgruppe2 einen besonderen Look, erzählt trotzdem ungeschönt viel Wahres und berührt mit seiner Offenheit.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Marina“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Marina“ (2018)

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