„Die Delegation“ (2018)

Filmkritik: Der albanische Film „Die Delegation“ (OT: „Delegacioni“, AT: „The Delegation“, Albanien, Frankreich, Griechenland, Kosovo, 2018) ist Kammerspiel und Roadmovie zugleich. Regisseur Bujar Alimani nahm die Zuschauer auf dem 28. Filmfestival Cottbus mit auf eine Reise in die Vergangenheit des Landes, welche in vielerlei Hinsicht viel Aktuelles enthält.

Der Professor (Viktor Zhusti) wurde vor langer Zeit als Dissident eingesperrt. Als aber 1990 die Regierung in Albanien wechselt und ein Besuch aus dem Westen erwartet wird, soll der Professor schnellstmöglich in die Hauptstadt Tirana geschafft werden, um ein gutes Bild zu vermitteln. So wird er mit dem Auto von dem Parteifunktionär Spiro (Ndriçim Xhepa) und dem Milizionär Asslan (Xhevdet Feri) abgeholt. Als sie eine Autopanne haben, spitzt sich die Situation immer weiter zu.

Ab 1944 baute Enver Hoxha in Albanien eine kommunistische Diktatur aus, in der es u.a. verboten war, eine Religion auszuüben. Als er 1985 starb, wurde Ramiz Alia als Nachfolger eingesetzt, doch bereits 1990 wurde die Diktatur, welche für die Isolation des Landes verantwortlich war, gestürzt. In den folgenden Jahren ging es dann immer weiter voran, so dass sich das Land zu der parlamentarischen Republik entwickeln konnte, die es jetzt ist. Das Jahr 1990 war eine spannende Zeit, in der die Öffnung zum Westen begann, aber die alten Strukturen sich weiterhin halten wollten. All das verarbeitet der albanische Regisseur Bujar Alimani (*1969), welcher mit seinem Spielfilmdebüt „Amnesty“ international bekannt geworden ist, in dem Film „Die Delegation“ auf subtile Art und Weise. Das Drehbuch dazu hat Artan Minarolli (1958-2015) bereits vor einigen Jahren geschrieben. Der Film erzählt die Geschichte des politischen Wandels aus einer engen Perspektive. Ein jahrelang eingesperrter Dissident soll, um den Ruf des Landes zu retten, an einer Maskerade in der Hauptstadt Tirana teilnehmen, doch das ist nur der Motor. Der eigentliche Film findet fast nur in dem Auto statt, welches mit sehr unterschiedlichen Charakteren besetzt ist. So schaukelt sich die Situation fast unmerklich hoch, wird aber immer wieder von Komik durchbrochen, so dass man als Zuschauer lange Zeit nicht weiß, ob es sich um eine Komödie oder ein Drama handelt. Diese Konstellation ist ein Sinnbild für den auseinanderbrechenden Staat und zeigt das ganze politische Spiel auf kleinster Ebene. Das ist äußerst raffiniert und lässt auch nicht die Menschen außen vor, die weniger Ahnung von albanischer Geschichte haben. Zugleich ist der historische Film aktuell. Wenn auch nicht spezifisch, zeigt er auf wunderbare Weise, wo die Übel in manch einem politischen System schlummern.

Team des Films „Die Delegation“ auf dem 28. FFC

Perfekt abgestimmt zu seiner Geschichte bedient sich der Regisseur Alimani einer passenden Bildsprache. Einerseits begrenzt er den Handlungsspielraum aller Protagonisten auf ein Auto, wo alle unterschiedlichen Ideologien und Ziele aufeinandertreffen und so die Situation verschärfen. Im Gegensatz dazu steht die umgebende Landschaft. Die albanischen Berge strahlen Harmonie und Frieden aus. Auch das Licht ist meistens warm und so entschärft die Natur die Situation, so dass man über die Wendungen, welche kommen, dann doch mehr überrascht ist. Die enorme Weite und Majestät der Natur lässt die menschlichen Auseinandersetzungen um so kleiner wirken. Diese Wirkung wird mit einer ruhigen Kameraarbeit und sparsam dosierten Musikeinsatz untermalt. Hinzu kommt der wunderbar ausgewählte Cast. Viktor Zhusti als Professor schafft es, sich mit viel Witz und Ironie, in diese wahnwitzige Situation einzufügen und lässt in Nuancen Hoffnung durchschimmern. Die anderen drei Mitfahrer werden souverän von Ndriçim Xhepa, Xhevdet Feri und Richard Sammel gespielt. Sie lassen ihre Figuren trotz mancher stereotypischen Anwandlung nie klischeehaft erscheinen. So tragen der Cast und die Bildsprache wesentlich dazu bei, die Geschichte des Films „Die Delegation“ zu untermauern und durch diese enge Perspektive die Geschichte eines politischen Machtwechsels auf ungewöhnliche und unaufgeregte Art zu erzählen.

Fazit: Der albanische Spielfilm „Die Delegation“ von Bujar Alimani zeigt, wie ein politischer Film auch aussehen kann. Auf eine kleine Gruppe begrenzt und in einem ungewöhnlichen Rahmen verpackt beschäftigt sich der Film mit dem politischen Wandel der 90er Jahre seines Landes. Dabei reicht die kleine Gruppe aus, um die gesamte Spannbreite abzudecken. Hinzu kommt eine leichte und souveräne Erzählart, die den Spielfilm zu einer überzeugenden, klugen Polit-Farce macht.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Die Delegation“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Die Delegation“ (2018)

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