Staatsschauspiel Dresden: “Drei Männer im Schnee”

© Staatsschauspiel Dresden

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Bühnenkritik: Schon im letzten Jahr feierte das Stück “Drei Männer im Schnee” von Erich Kästner unter der Regie von Peter Jordan und Leonhard Koppelmann seine Premiere. Mit leicht veränderter Besetzung wird es nun ab November 2016 aufgeführt.

Der Millionär Eduard Tobler (Ahmad Mesgarha), der so gern an die Menschheit glauben möchte, nimmt unter dem Pseudonym Schulze an einem Preisausschreiben teil und gewinnt einen Urlaub in dem alpinen Grandhotel Bruckbeuren. Seine Tochter Hilde (Paula Skorupa) und seine Hausdame Frau Kunkel (Anna-Katharina Muck) können ihn nicht davon abbringen in dem vornehmen Hotel als armer Schlucker einzuchecken, um das Verhalten vor allem der Angestellten zu beobachten. Dabei kommt es wie es kommen muss, doch zusätzlich findet er in dem anderen und ebenfalls mittellosen Gewinner des Preisausschreibens Dr. Fritz Hagedorn (Thomas Eisen) einen Freund und wird insgeheim von seinem als reichen Reeder Kesselhuth getarnten Diener Johann (Matthias Luckey) unterstützt.

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Der deutsche Autor Erich Kästner musste sich als Angestellter einer Zeitung viel mit Preisausschreiben auseinandersetzen. Vermutlich entstand so zuerst seine Idee für die Geschichte ”Inferno im Hotel” (1927). Diese bitterböse Geschichte wandelte er dann später in die Komödie “Drei Männer im Schnee” um, welche 1934 im Schweizer Exil veröffentlicht wurde. Diese nun harmlose Verwechslungskomödie schafft es auch unter einem Pseudonym auf die deutschen Bühnen des Nationalsozialismus und konnte bis 1945 riesige Erfolge verzeichnen.

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Zwar schimmerten bei der Komödie auch kritische Töne durch, aber diese tarnen sich hervorragend hinter dem Vexierspiel. Dies lässt sich problemlos auch über die Adaption des Staatsschauspiels Dresden sagen. Die Geschichte entfaltet sich bekannt und typisch. Sie ist stets auf Witz und gute Laune aus, obwohl manches davon überhaupt zu ernst wäre, um darüber zu scherzen. So hangelt sich die Geschichte von einem Witz zum nächsten Kalauer und nimmt sich keine Zeit für die ruhigen und kritischen Töne. Das Stück besitzt dadurch ein gutes Tempo, aber macht es den Zuschauern nicht leicht, Sympathien aufzubauen, da jegliche Tiefe nicht vorhanden ist oder für Gags verbraucht wird. Die Charaktere, freilich gut gespielt, sind Abziehfiguren von Stereotypen. Die Schauspieler machen ihre Sachen dabei aber sehr gut. Nur gibt das Buch ihnen zu enge Korsetts vor, um zu überraschen oder sich überhaupt zu entfalten. Heraus sticht dabei vor allem das Dreiergespann der drei Männer, die gut miteinander harmonieren und in ihrer Darstellung die Figuren perfekt verkörpern. Die Schauspielerin Anna-Katharina Muck hat im Ensemble das härteste Schicksal gezogen. Bekam sie doch drei der unangenehmsten Rollen zugeteilt (u.a. die nymphomanische Reichengattin und den diskriminierenden Hoteldirektor). So waren ihre Auftritte, gezeichnet von Klischees, besonders anstrengend. 

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Das Theaterstück wird von einigen Musikeinlagen untermalt. Dafür wurden teils bekannte Lieder meist aus der Zeit der 30er-50er Jahre gewählt, die sich gut ins Gefüge integrieren. Unterstützt von Akkordeon und Posaune sind die Gesangseinlagen stimmig und versuchen vor allem wieder gute Laune zu verbreiten. Bei dem Großteil des Publikums funktioniert das auch. Die Zuschauer, die zum großen Teil aus älteren Menschen bestanden, konnten dem Humor, dem Gesang und der Wohlfühlgeschichte viel abgewinnen und sehr gut lachen. Doch Menschen, die etwas mehr Tiefe erwarten, sind hier leider fehl am Platz. So hängt das Wohlwollen bei diesem Stück stark davon ab, was man erwartet und wie man unterhalten werden möchte.

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Fazit: Die Komödie “Drei Männer im Schnee” von Erich Kästner wurde von dem Ensemble des Staatsschauspiels auf formaler Ebene hervorragend adaptiert. Optisch und schauspielerisch kann es sich sehen lassen. Auch die Lieder wurden gut eingebunden. Doch stört der extrem platte Humor, der sich auf vielen Klischees ausruht und mit der Zeit immer enervierender wird. Das schmälert ungemein den Gesamteindruck und gibt dem Stück eine unglaubliche Länge.

Bewertung; 2/5

Premiere am 05.12.2015 im Kleinen Haus des Staatsschauspiel Dresden

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Programmheft 168 des Staatsschauspiel Dresden zur Inszenierung “Drei Männer im Schnee”

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