„Schaubudensommer“ (2017, Scheune, Dresden)

6.-16. Juni 2017, Scheune, Dresden

© Schaubude Dresden e.V.

Festivalbericht: Auch in diesem Jahr fand bei schönstem Sommerwetter wieder der Schaubudensommer elf Tage lang auf dem Gelände des Veranstaltungshauses ‘Scheune’ statt. Die Besucher bekamen dabei viel Vertrautes, aber natürlich auch einiges Neues geboten.

In den gut zwei Wochen konnten die Besucher auf dem Gelände umher wandern, schlemmen und an circa 8 verschiedenen Orten (meistens Zelte) über 35 Shows besuchen. Alle paar Tage wechselten die Shows und Attraktionen. Dabei traf man auf vertraute Kleinkünstler wie Annamateur und Michael Hatzius und seiner Echse, welche auch bereits auf dem Schaubudensommer 2016 zu Gast waren. Welche Shows man sich dann doch genauer ansieht, ist meistens dem Zufall überlassen. Welche Schlange ist die kürzeste? Welche Show beginnt als Nächste? Oder besser noch, wo mag ich die Sitzgelegenheiten am liebsten? So bilden sich schnell vor allen Shows lange Schlangen und Geduld ist hier gefragt. Leider lernt man dabei auch die unschönen Seiten von Menschen kennen, die alles dafür tun noch einen richtig guten Platz (was auch immer das bedeutet) zu bekommen. Spannend wird es dann, wenn der Vorhang gelüftet wird. Hat man sich für das Richtige entschieden? 

An einem Donnerstag konnten die gewillten Zuschauer gleich zwei angenehme Shows besuchen. Die spanischen Herren von PuntMoc unterhielten mit einer stark körperlichen Slapstick-Nummer ohne Worte und mit der Echse und seinem menschlichen Begleiter Michael Hatzius konnte man auch nichts falsch machen. Letzterer bot in diesem Jahr eine treffsichere Show zum Thema Flüchtlingskrise, welche den ganzen Saal zum Tränchen lachen brachte. Doch der größte Spaß auf dem Schaubudensommer ist das Festival an sich. Jedes Jahr lassen sich die Festivalmacher um den Leiter Helmut Raeder etwas Neues einfallen, wie sie das Areal gestalten. Dabei gibt es immer wiederkehrende Elemente, aber trotzdem entsteht jedes Jahr etwas Neues. Die individuelle, sehr neustadt-typische Gestaltung lädt zum Verweilen und Menschen-schauen ein, da sich hier in der Neustadt jeder Menschenschlag wiederfindet. So kann man die Holzspielzeug-Eltern bei ihrer kulturellen Erziehung beobachten und aufgebrezelte Frauen in High-Heels durch den Sand stöckeln sehen.

Die Atmosphäre lädt jedes Jahr zum längeren Verweilen und Wiederkommen ein, so dass die einzelnen Kleinkunst-Shows wie Beiwerk wirken. Im Gesamten war die Zeit auf dem Schaubudensommer 2017 wieder sehr angenehm. Sofern man eine Schwäche für Individualität, Hipstertum und Kleinkunst hegt, ist man auf diesem Festival sehr gut aufgehoben.

Bewertung: 3/5

 

geschrieben von Doreen Matthei

Fotografien von Michael Kaltenecker

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