Im Theaterhaus Rudi: The Importance of Being Earnest

Aufführungsbericht: Die Laienspieltruppe „Eclectic Theatre“ bringt Oscar Wildes Komödie in englischer Originalsprache auf die Bühne. Die Dialoge sind rasant, Wildes Sprache geschliffen schön. Oscar Wilde selbst hielt „The Importance of Being Earnest“ für sein bestes Drama. Wer im Englischen nicht topfit ist, setzt sich besser so, dass er die Übertitel mitlesen kann.

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Langeweile im feinen Zwirn: Christoph Kunckel als Algernon (Algy). © Eclectic Theatre

England um 1900. Die saturierte Oberschicht langweilt sich gegenseitig. So ist der Londoner Algernon Moncrieff ganz froh, dass vor seiner Tante Augusta (herrlich streng: Luise Walter) und seiner Nichte Gwendolen noch ein alter Freund ins Haus geschneit kommt. John Worthing (Falk Iser) sucht Abwechslung, die er auf seinem abgelegenen Landgut vermisst. Zudem ist er verschossen in Gwendolen, was auf Gegenseitigkeit beruht. Doch nur, weil sich John in der Stadt Earnest nennt. Denn Gwendolen möchte nur einen Mann haben, der den wohlklingenden Namen Earnest trägt. Im Glauben, John täte das, verlobt sie sich heimlich mit ihm.

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Gwendolen (Charlotte Weidner) und ihr vermeintlicher Ernst (Falk Iser) © Eclectic Theatre

Algernon hatte vorher mit John über das Bunburysieren gesprochen. Bunbury ist Algernons erfundener Freund, der immer dann akut krank ist, wenn eine unangenehme Verabredung mit Verwandten ansteht. John verurteilt das – und macht es ähnlich. Er hat sich einen verruchten Bruder Earnest erfunden, um seinem Mündel Cecily (Paula Angermann) eine Ausrede präsentieren zu können, warum er schon wieder in die Stadt muss. Nachdem Algernon von Cecily erfahren hat, kommt was kommen muss. Neugierig fährt er zu Johns Landsitz, gibt sich als Earnest aus und beginnt eine Romanze mit Cecily. Die hat den gleichen Wahn, nur einen Mann namens Earnest heiraten zu wollen. Kaum haben sich die beiden heimlich verlobt, kommt John. Ihm auf den Fersen folgt Gwendolen.

Streit, Geschacher um Frauen und jede Menge Lügen der Männer folgen. Nach viel Verwirrung gibt es eine umfassende Auflösung und drei (ernsthaft!) Brautpaare. Die zur Zeit passenden Kostüme unterstreichen den Charakter ihrer Träger: Während Gwendolen im mondänen körperbetonten Kleid ihren Willen durchsetzt, ist die mitfühlende Cecily in ein weites Kleid mit Rüschen gehüllt. Algernon im farbigen Anzug kontrastiert mit dem seriösen Schwarz von John. Das Bühnenbild ist nicht üppig, aber klug ausgewählt, um die Szenen schön zu illustrieren und einen schnellen Umbau zu ermöglichen.

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Das ganze großartige Ensemble © Eclectic Theatre

Fazit: Dieses Theaterstück ist keine Gelegenheit zum Abschalten. Hier gibt es zwei Stunden kluge Unterhaltung, die Spaß macht und die eingerosteten Englischkenntnisse reaktiviert. Vor allem ist es ein wunderbares Vergnügen, mit Oscar Wildes ironisch funkelndem Blick das England um 1900 zu entdecken.

Geschrieben von Katrin Mai

Nachtrag: Just am 14.02. hatte das Kalenderblatt des Bayrischen Rundfunks Oscar Wilde und sein Theaterstück zum Thema. Laufzeit: 3:34 Minuten

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