Ralf Winkler- A. R. Penck in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

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A. R. Penck: ohne Titel, 1975 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Andreas Diesend

Ausstellungsbericht: Im Herbst schlug die Debatte um das Verschwinden der DDR-Kunst aus den Museen große Wellen. Marion Ackermann, Leiterin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, gab sich verwundert. Hie und da findet sich schließlich noch Zonenkunst in den Neuen Meistern. Und vollmundig kündigte sie eine Ausstellung über A. R. Penck für 2018 an. Bis Mitte Mai kann man sie im Residenzschloss besichtigen.

 

Eine Schau zu Penck war reine Pflicht. Denn er gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Künstler. Als Ralf Winkler in Dresden geboren, lebte und wirkte er in der Residenzstadt. Bis 1980, als er aus der DDR ausgebürgert wurde. Im Mai 2017 starb A. R. Penck.

Die große Ausstellung – findet sich in einem einzigen Raum. Im Studiolo im Residenzschloss. Wieder einmal erfährt man dieses Detail nicht auf der Internetseite der SKD. Lange Gesichter bei allen, die extra wegen Penck anreisen, sind vorprogrammiert.

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A. R. Penck: Fliegen wie ein Vogel, 1970 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Andreas Diesend

Immerhin eines haben die Ausstellungsmacher dazugelernt: Der Weg zu dem Räumchen ist sehr gut ausgeschildert. Koffer mit kostenlosen Postkarten zur Ausstellung und Kopien einer Penck-Grafik weisen den Weg.

Aus den drei Wänden des „Studiolo“ holen die Ausstellungsmacher das Beste heraus. Kleine Textchen von Penck, auch eine lakonische Autobiografie finden sich an der Wand. Dazu Druckgrafiken, Bleistiftzeichnungen und wenige Gemälde. Weitere Grafiken finden sich in einer Vitrine. Genial das Mobile aus Grafik-Kopien, das aus dem bisschen Ausstellungsfläche alles herausholt. Zudem ist es eine Remineszenz an die Zeit der DDR, als Werke des nonkonformen AR Penck nur mit Tricks und auf der Wäscheleine ins Museum kommen konnten.

Doch das reicht nicht. Wer A. R. Pencks Lebenslauf erfahren will, muss das eine ausliegende Buch lesen. Auch woher die ausgestellten Bilder stammen, erfährt der suchende Besucher nicht – man darf davon ausgehen, dass die normalerweise friedlich im Depot schlummern. Zwei Zeitungsfahnen stellen Presseartikel zu Penck zusammen. Plastiken fehlen komplett.

Fazit: Man kann das Räumchen schnell finden. Die Möglichkeiten, die es bietet, haben die Ausstellungsmacher voll ausgeschöpft. Die Schau ist in sich abgeschlossen und stimmig. Trotz allem ist es schon eine Blöße, die sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hier geben. Groß auf diese Ausstellung als Beitrag zur DDR-Kunst zu verweisen, ist peinlich.

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Ralf Winkler alias AR Penck © picture alliance / Stefan Hesse

Vor allem, wenn man sich noch an die Ausstellung in der Städtischen Galerie Dresden erinnert. Diese Institution hat nur ein Gebäude und darin nur eine Etage. Der Platz muss sorgsam genutzt werden. Und doch hat es die Galerie vor einigen Jahren geschafft, eine große A. R. Penck-Ausstellung auf die Beine zu stellen. Anlass war der Ankauf der Sammlung Schweinebraden. Jürgen Schweinebraden hatte sich auf Werke von A R Penck spezialisiert. Die Galerie räumte der Fülle der archaisch anmutenden Winkler-Werke den Platz ein, den sie benötigt. Der fehlt schmerzlich bei der gut konzipierten Penck-Ausstellung der SKD. Für sie braucht trotzdem niemand extra anreisen. Als „Beifang“ zum Museumsrundgang ist sie nett.

Übrigens: Zur gleichen Zeit bespielt Georg Baselitz das Kupferstichkabinett. Warum wird ihm so viel mehr Platz eingeräumt? Weil seine Werke heute teurer verkauft werden? Oder etwa doch, weil der sich noch vor dem Mauerbau von der DDR lossagte? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Geschrieben von Katrin Mai

Quellen: Wikipedia

sehr aufschlussreich ist das Interview der Ausstellungsmacherin Claudia Schnitzer von Deutschlandfunk Kultur

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