“Nur Gott kann mich richten” (2017)

Poster zum Film "Nur Gott kann mich richten"

© Constantin Film Verleih GmbH

Filmkritik: Der in Hamburg geborene Regisseur Özgür Yildirim hat sich bereits mit seinen vorhergehenden Film “Chiko” (2008), seinem Debütfilm, dem deutschen Gangstermilieu zugewandt. Mit seinem vierten Spielfilm “Nur Gott kann mich richten” (Deutschland, 2017) kehrt er dahin zurück und zeigt ungeschönt die Realität zwischen Knast, Drogen und Verbrechen.

Der Kleinkriminelle Ricky (Moritz Bleibtreu) will anständig werden, nachdem er aus dem Knast entlassen wurde. Er will von dem Frankfurter Milieu, zusammen mit seinen an Alzheimer erkrankten Vater (Peter Simonischek), weit weg, am besten auf die spanische Insel Cabrera. Dafür muss er noch ein letztes Ding drehen, welches ihm sein Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) vermittelt. Zusammen mit seinem Bruder Rafael (Edin Hasanović), dessen Freundin (Franziska Wulf) schwanger ist, scheinen sie den Deal sauber über die Bühne zu bekommen, bis ihnen die von einem persönlichen Schicksal geplagte Polizistin Diana (Birgit Minichmayr) dazwischenfunkt.

© Constantin Film Verleih GmbH

Der Regisseur Özgür Yildirim (*1979) hatte große Lust, zu seinem Anfängen zurückzukehren. Er wollte eine Milieustudie, welche echt ist und menschliche Figuren bietet, die alles nur tun, um zu überleben. So ist sein neuester Film “Nur Gott kann mich richten” (der Titel wurde von dem Tupac Song “Only God can judge me” übernommen) eine indirekte Weiterentwicklung seines Erstlingswerks “Chiko” (2008). Dabei verlagert er seine Handlung von Hamburg nach Frankfurt am Main. Zudem legte er die Geschichte breiter aus, indem er von drei unterschiedlichen Schicksalen berichtet, die durch Ängste, Sorgen und kriminelle Handlungen zusammengeschweißt werden. Die Rechnung Yildirims geht soweit auf, dass der Film eine Milieustudie ist. Doch was man dort sieht, ist von Einfältigkeit gelenkt. Ob dies nun der Realität entspricht sei dahingestellt. Doch für einen Film ist es nicht genug. Die Taten und Wendungen sind zu vorhersehbar, zu anstrengend und können keine Spannung oder Interesse erzeugen.

© Constantin Film Verleih GmbH

Gedreht wurde der Film in den dreckigen Straßen von Frankfurt. Dafür suchten sie die richtigen Locations und wurden dort auch gut fündig. Es sollte alles echt und nicht gestellt aussehen. So lässt sich auch die Wahl von Profis und Laiendarsteller erklären. Neben bekannten Gesichter wie Moritz Bleibtreu (Lola rennt” (1998), “Das Experiment” (2001) und “Es war einmal in Deutschland” (2017)), Birgit Minichmayr (“Das weiße Band” (2009) und “Gnade” (2012)) und Peter Simonischek (“Smaragdgrün” (2016) und “Toni Erdmann” (2016)) sind auch viele Laiendarsteller eingesetzt worden, welche sich gut in die Kulisse fügen. Doch im Gesamten ist das Spiel aller Darsteller zu hölzern und sie geben den Figuren nicht nur keine Sympathien, sondern lassen sie mit ihren vorprogrammierten Handlungen ohne Verstand dumm aussehen. So bleibt der Ansatz einer Milieustudie bemerkenswert an dem Film. Er schafft es mit den richtigen Locations und der passenden Musikuntermalung ein stimmiges Bild zu zeichnen. Doch darüber hinaus krankt es an der zu plakativen Story und der schlechten Ausarbeitung der Figuren, deren Schicksal einem einfach egal ist.

© Constantin Film Verleih GmbH

Fazit: Das Milieu-Drama “Nur Gott kann mich richten” von Özgür Yildirim taugt als Einblick in das kriminelle Milieu Deutschlands, doch schafft der Film es nicht, darauf eine spannende Geschichte aufzubauen. Trotz hochkarätiger Besetzung bleiben die Figuren zu flach, die Handlungen zu einfältig und die Wendungen zu plakativ. Das macht den Film sehr anstrengend und lässt jegliche Spannung vermissen.

Bewertung: 4,5/10

Kinostart: 25. Januar 2018, DVD-Start: 30. August 2018

Der Trailer zum Film “Nur Gott kann mich richten”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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