“What the Waters left Behind” (2017)

Filmkritik: Im Horrorgenre kommt es oft zu Wiederholungen und Variationen verschiedener Subgenre und Geschichten. So verwundert es nicht, dass der argentinische “What the Water left behind” (OT: “Los Olvidados”, Argentinien & Neuseeland, 2017) bekannte Themen zitiert, aufgreift und hier eine weitere Variation der Hinterwäldler-Geschichte präsentiert. Doch krankt es bei der Geschichte, welche definitiv ein interessantes Setting besitzt, an einer souveränen Ausarbeitung der Geschichte selbst.

Unter der Führung des Regisseurs Nacho (Victorie d’Alessandro) macht sich eine Filmcrew zusammen mit der Augenzeugin Carla (Victoria Maurette) auf nach Epecuén, einer Stadt, welche im Jahr 1985 versunken ist und als argentinisches Atlantis nun langsam wieder auftaucht. Doch auf dem Ruhm bringenden Dokumentarfilm, der hier entstehen soll, liegt von an Anfang ein Fluch und nach den ersten Problemen stellt sich schnell heraus, dass die Stadt nicht komplett verlassen ist und deren Einwohner nichts gutes im Schilde führen.

Die beiden Brüder Luciano und Nicolás Onetti, welche auch bereits in ihren früheren Filmen, wie “Francesca” (2015), eine Vorliebe für ältere Horrorfilme und große Vorbilder gezeigt haben, bleiben sich in dieser Hinsicht treu. Der Film mit dem schön klingenden Namen “What the water left behind”, geschrieben von den beiden Brüdern und Carlos Goitia, ist eine große Hommage an Hinterwäldler-Filme á la “The Texas Chainsaw Massacre” (1974). Während mit dem Original von Tobe Hopper dieses Subgenre begonnen hat, erinnert die Optik eher an Michael Bays Neuauflage von 2003. Doch besonders nahe dran ist der argentinische Spielfilm an dem Horrorklassiker “The Hills have Eyes” (Original: 1977, Neuauflage: 2006) und seinen derangierten Hinterwäldlern in der Einöde New Mexicos. Dabei ist die Grundlage für die Geschichte, welche sich auf eine wahre Tatsache bezieht, mehr als spannend. Eine untergegangene Stadt wird vom Wasser wieder freigegeben und bietet so einen dystopischen, aber schönen Lost-Place-Rahmen für die Geschichte. Doch schnell wird klar, dass hier zu wenig Eigenkreativität drin steckt und mehr auf Optik und Effekte geachtet wurde. Denn die Charaktere sind sehr schlampig und vor allem rein oberflächlich ausgearbeitet, so dass den Zuschauern deren Schicksal von der ersten Minute an egal ist. Auch ihr Verhalten (im Vorfeld und in Gefahrensituationen) ist abstoßend bis dumm, so dass alles, was im weiteren Verlauf passiert (und dafür lässt sich der Film anfänglich recht viel Zeit) uninteressant ist und als reine Grundlage für eine Gewaltorgie herhalten muss, welche von Klischees nur so trieft. Hier wäre mehr rauszuholen gewesen, auch wenn man gerne zitiert, sollte man darüber hinaus nicht die Story- und Charakterentwicklung vergessen.

Rein optisch kann sich der Film sehen lassen. Vor allem die Locations – es wurde vor Ort in Epecuén gedreht – besitzen etwas faszinierendes. Doch die Umgebung nutzen die Filmemacher nur wenig aus, so spielt sich das meiste in einem dunklen Gebäude und auf staubigen Straßen ab. Auch bei den Effekten und Ekelszenen, inklusive einer obligatorischen Vergewaltigung, kann sich der Film rein visuell sehen lassen. Freunde von Gore-Effekten werden ihre Freude an diesen Szenen haben, aber um dieses Fan-Publikum komplett anzusprechen, gibt es wiederum zu wenige Szenen dieser Art. Zwar beschäftigt sich die zweite Hälfte des Films mit diesen Grausamkeiten, aber durch die versuchte Charakterisierung der Täter und eine unnötige Aufklärungsszene wird auch dieser Teil unnötig in die Länge gezogen. Trotz einiger gelungener visueller Punkte – die Schauspieler stechen zu keiner Zeit heraus – ist der Film vor allem auf narrativer Ebene nicht gelungen und kann dem Horror-Subgenre nichts hinzufügen. Man ist verlockt zu sagen, man sei förmlich gesättigt von hinterwäldlerischen Kannibalen.

Fazit: Der argentinische Spielfilm “What the Waters left behind” von den Onetti-Brüder Luciano und Nicolás unterscheidet sich handwerklich und storytechnisch wenig von seinen amerikanischen Vorbildern. Das spricht einerseits für eine souveräne Umsetzung, sagt aber gleichzeitig, dass es standardisierte Kost ist mit vielen Klischees und Stereotypen ist. Das Filmvergnügen ist sehr eingeschränkt, da die Wendungen nicht überraschen und die Charaktere den Zuschauer nicht interessieren. So wird der Film “What the Water left behind” außer von Genre-Fans wenig Beachtung finden.

Bewertung: 4/10

DVD-Start: 16. November 2018

Der Trailer zum Film “What the Waters left Behind”

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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