„Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von François Lelord (2014)

191 Seiten / Piper Verlag / 8,99 €

Buchkritik: Der Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ (OT: „Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur“) von François Lelord wurde im Jahr seiner Erscheinung 2002 begeistert vom Publikum in Frankreich aufgenommen und konnte auch viele Leser in anderen Ländern begeistern. Dementsprechend hielt er sich nicht nur wochenlang in der Spiegel-Bestseller-Liste, sondern bekam auch eine gleichnamige Verfilmung mit Simon Pegg in der Hauptrolle und wurde mit sieben weiteren Büchern fortgesetzt.

Hector ist seit Jahren Psychiater und behandelt vor allem Menschen aus der wohlhabenden Schicht. Nach und nach schleicht sich bei ihm ein Gefühl des Unbehagens ein, denn er kann seinen Patienten nicht dauerhaft helfen. Also macht sich Hector auf die Suche nach dem Glück. Dafür geht er auf eine Weltreise und besucht Bekannte, Fremde und Wissenschaftler, um die Glücksformel zu finden.

Das 2014 erschienene Buch „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ wurde vom Publikum international (vor allem in seinem Stammland) hoch gelobt. Es versprach all denen, die danach suchen, eine Formel für das Glück. Doch der Autor François Lelord, 1953 in Frankreich geboren, liefert das natürlich nicht, sondern schafft nur eine Bühne für sein Alter Ego. Selbst studierter Psychologe und Freund von Reisen, schafft er mit Hector ein Abbild und den angeblichen Helden seines Buchs. Doch dieser bleibt über die ganze Zeit des Buches unsympathisch. Er ist nämlich nicht nur ein notorischer Fremdgänger, sondern dümmlich naiv und stellenweise auch sehr nervig. So ist man gelangweilt von den Schicksalsschlägen der Figur, auch wenn die ein oder andere Nebengeschichte interessant ist. Doch auch diese werden nur zu klischeehaft umrissen, so dass man gut und gerne jede davon in eine bestimmte Schublade stecken kann und es auch schon bestimmt häufig gelesen oder gesehen hat. Dieses Buch bietet keine Lösung, keinen Trost, sondern vor allem billige Kaffeesatz-Weisheiten.

Hinzu kommt die gewählte Erzählform und die Sprache des Autors. Möglicherweise, da er das Schreiben nicht erlernt hat, dachte er sich, dass er aus der Not eine Tugend macht und den Leser auf eine direkte, aber sehr plumpe Art anspricht. Dabei fühlt man sich als erwachsener Leser heruntergesetzt, da Lelord es bevorzugt, mit diesem wie mit einem Kleinkind zu reden. Er verwendet dabei viele Wiederholungen, einfache Sätze und erklärt, wo es keine Erklärungen bedarf. Hinzu kommt die Weglassung von konkreten Ländern und Städten. Wahrlich kann man sich die entsprechenden Länder denken, aber dieser Kniff verursacht zusätzlich, dass man sich bevormundet fühlt. Das schafft keine Universalität, wie vielleicht angedacht, sondern man fühlt sich ein Stück hinter ins Licht geführt. Im Gesamten ist der übertrieben verehrte Roman sprachlich und inhaltlich eine große Enttäuschung. So dass man sich lieber den Film anschauen sollte, auch wenn die Lektüre des dünnen Buches nicht viel Zeit beansprucht.

Fazit: Der Roman „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von François Lelord ist inhaltlich klischeehafte Unterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur, welche einem nicht mal ansatzweise das Glück erklären kann. Hinzu kommt eine anstrengende, sprachliche Bevormundung, welche dem Leser zu wenig zutraut. So ist das Buch, welches wirklich sieben Nachfolger erhielt und oft hoch gelobt wurde, bis auf einzelne Passagen nicht lesenswert und bietet auch nichts Neues.

Bewertung: 2/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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