Sechs Fragen an Edoardo Ranaboldo

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Edoardo Ranaboldo konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Rebrand“ erfahren, der im Genre-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 lief, wie die Kameraarbeit ein Teil des Films ist, ob die Effekte handgemacht sind und ob man mehr von der Geschichte in einem Langfilm sehen wird.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden? Wie weit bist Du selbst mit Sozialen Medien verbunden?

Ich habe einen Beitrag mit dem Titel „Abandoned“ geschrieben, und „Rebrand“ war im Grunde genommen mein Proof-of-Concept, um einige der Themen und Techniken des größeren Projekts aufzugreifen. Außerdem habe ich Angst vor maskierten Männern und vor Camping – und man soll ja schließlich über das schreiben, was einem Angst macht! In den Sozialen Medien bin ich so aktiv, wie es beruflich nötig ist. Privat und generell finde ich das Ganze eher nervig und versuche, mich so weit wie möglich davon fernzuhalten.

Wo und wie lange habt ihr gedreht?

Wir haben drei Tage lang im nördlichen Teil des Bundesstaates New York gedreht.

Die Kameraarbeit ist für deinen Short elementar. Kannst Du mir mehr über das Konzept erzählen?

Ich glaube, Found-Footage-Filme haben oft einen schlechten Ruf. Die Leute gehen davon aus, dass es sich um verwackelte Aufnahmen handelt, die durch den Wald laufen, aber in Wirklichkeit ist die Vorstellung, dass Kameras in einer Welt, in der Unterhaltungselektronik von so hoher Qualität ist, Teil der Handlung sind, sehr spannend und eröffnet viele Möglichkeiten. Moderne Actionkameras und DSLRs [Anm. d. Red. Digitale Spiegelreflexkameras] liefern unglaubliche Bilder, und wir wollten ein Konzept verfolgen, bei dem die Figuren – sowohl die Bösewichte als auch die Helden – geschickt mit ihnen umgehen. Dass die Figuren selbst etwas schaffen wollten, das schön (und erschreckend) und spannend aussieht. Wir haben beim Schreiben die Kameraführung im Blick behalten, um diese Dinge realistisch umzusetzen.

Was lag euch darüber hinaus visuell am Herzen? Sind die Effekte alle handgemacht?

Die Requisiten waren wirklich wichtig, vor allem die Utensilien, die die Mörder mitbrachten, um ihren „Dreh“ zu filmen und zu organisieren. Ich persönlich liebe die Produktionsordner, die meine Produktionsdesignerin Violet Morrison angefertigt hat. Auch die Spezialeffekte waren unverzichtbar. Wir hatten eine brillante Künstlerin, Isabelle Izel, die alles von Hand gefertigt hat. Ehrlich gesagt mussten wir bei einigen ihrer Kreationen ziemlich schnell wegschneiden, um nicht zu explizit zu werden, aber natürlich folgt der Film der Devise „Zeigen statt erzählen“. Es gibt nur sehr wenig VFX – hauptsächlich den Mündungsblitz am Ende, aber selbst dort ist das gesamte Blut echt.

Deine Darsteller:innen spielen sehr gut – kannst Du mir zur Besetzung sagen?

So gut wie alle, die ich gecastet habe, kannte ich bereits von früheren Projekten oder hatte sie schon einmal in anderen Filmen gesehen. Es gibt so viele Szenen, die im Grunde wie Theater wirken, in denen die Crew nirgends zu sehen ist, weil so viele Kameras im Einsatz sind – daher war eine großartige Besetzung unerlässlich. Ich habe die Rolle der Jess, unserer „Final Girl“ bzw. „Scream Queen“, um Eleanor Lougee-Heimer herum geschrieben; ohne ihre Mischung aus Heldentum und Schrecken würde der Film auseinanderfallen. Letztendlich habe ich ihnen nur sehr wenige Anweisungen gegeben – es lag ganz in ihren Händen.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich bin in Turin geboren und mit meiner Familie nach New York gezogen, als ich drei Jahre alt war. Seitdem lebe ich dort. Obwohl ich Filme schon immer geliebt habe, ging ich die Sache mit dem Filmemachen sehr methodisch an, da mir bewusst war, dass dieser Weg kein leichter sein würde und enormes Engagement erfordern würde. Ich hatte das Glück, im Alter von 19 Jahren einen Sommer lang bei zwei jungen Indie-Filmemachern, Jason Merrin und Rachel Liu, ein Praktikum zu absolvieren. Sie brachten mir die Grundlagen des Filmemachens bei und halfen mir, meinen allerersten Kurzfilm zu drehen. Während meines Studiums drehte ich weiter Kurzfilme und arbeitete im folgenden Sommer als unbezahlter Regisseur und Produktionsassistent für einen Low-Budget-Horrorfilm namens „Daniel Isn’t Real“. Dort verliebte ich mich in die Arbeit am Set und habe es nie bereut. Ich drehte weiterhin Kurzfilme und arbeitete als Produktionsassistent, um meine Rechnungen zu bezahlen, bis ich schließlich durch Musikvideos und Werbespots genug Geld verdiente, um in den letzten Jahren hauptberuflich als Regisseur zu arbeiten.

Hast Du noch andere Projekte am Start?

Ja, und wir arbeiten gerade daran! Der Film heißt „Abandoned“ und spielt in New York City (wo ich aufgewachsen bin) und in Italien (wo ich geboren wurde). Wir planen, im Herbst zu drehen!

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Rebrand


Interview: In a conversation with director Edoardo Ranaboldo, we learned more about his short film “Rebrand”, which was screened in the genre program at the 26th Landshut Short Film Festival in 2026, how the cinematography is an integral part of the film, whether the effects were created by hand and whether we’ll see more of the story in a feature-length film.

How did the idea for your short film come about? How active are you on social media yourself?

I wrote a feature called Abandoned and this essentially was what I came up for as a proof of concept to capture some of the themes and techniques of the longer project. Also, I’m scared of masked men and camping and you’re supposed to write about what scares you! I’m as active as I need to be on social media to keep up professionally. Socially and in general I kind of hate it and try to stay off it as much as possible

Where and for how long did you film?

We shot in Upstate New York for three days.

The cinematography in your short is essential to make your film work. Can you tell me more about the concept?

I think found footage can get a bad rap. People assume it’s going to be a shaky camera running through the woods, but in reality the notion of cameras being diegetic in a world where consumer tech is of such high quality is very exciting and opens up many possibilities. Modern action cameras and DSLR’s look incredible and we wanted to lean into a concept where the characters, both the villains and heroes were adept at using them. That the characters themselves wanted to make something that looked beautiful (and horrifying), and exciting. We wrote with the cinematography in mind to achieve those things realistically.

What else was important to you visually? Are all the effects handmade?

The prop elements were really important, especially the tools the killers brought in order to film and organize their “shoot.” I personally love the production binders my production designer Violet Morrison made. The SFX was essential too. We had a brilliant artist Isabelle Izel who made everything by hand. Frankly, we had to cut away pretty fast from some of her creations to not be overly graphic but obviously the film is in a show not tell mentality. There’s very little VFX – primarily the muzzle flash at the end, but even there all the blood is practical.

Your actors and actresses perform very well. Can you tell me about the casting?

Pretty much everyone I cast I had already worked with or seen in something else. There are so many scenes that essentially just play out as theater, where the crew is nowhere to be seen because there are so many cameras, so a great cast was essential. I wrote the part of Jess, our final girl/Scream queen around Eleanor Lougee-Heimer, the film would fall apart without her equal parts heroism and terror. At the end of the day I gave very few notes to them, it was in their hands.

Can you tell me a little more about yourself and how you got into filmmaking?

I was born in Torino and moved to NYC when I was three with my family. Have been there ever since. While I’d always loved movies I approached starting to make them very methodically, aware that if I were to choose that path it wouldn’t be an easy one and would demand immense dedication. I was lucky enough to intern with two young indie filmmakers, Jason Merrin and Rachel Liu over the course of a summer when I was 19. They taught me the basics of filmmaking and helped me make my first short film ever. I kept making them while I was in college and the following summer worked as an unpaid director and production assistant for a low budget horror feature called Daniel Isn’t Real. There, I fell in love with being on sets and never looked back. Kept making shorts and working as a PA to pay the bills until eventually music videos and commercials began earning me enough money to become a full time director over the last few years.

Do you have any other projects in the works?

Yes and we’re working on it right now! It’s called „Abandoned“ and takes place between NYC (where I grew up), and Italy (where I was born). We plan to shoot in the fall!

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Rebrand

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