Sechs Fragen an Jonna Nilsson

Interview: Die Regisseurin Jonna Nilsson erzählt uns im Gespräch mehr über die Entstehung ihres Horror-Kurzfilms „Drip Drop“, von der Angst vor Wasser, die wohl jeder hat und von den Vorteilen als Frau in dem von Männer dominierten Horrorgenre.

Ich hatte das Vergnügen Deinen Film „Drip Drop“ auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival zu sehen. Der Film ist spannend und unheimlich. Wie ist das Drehbuch dazu entstanden? Hast Du Angst vor Wasser?

Das Drehbuch wurde von meinem Produzenten geschrieben und begann mit einem Wassertropfen, der zu einer riesigen „Blase“ heranwächst, welche eine Frau verschlingt. Die Faszination lag darin, Wasser als „Ding“ mit eigenem Verstand und eigener Agenda zu erforschen. Die Drehbuchanfangsidee wuchs und erweiterte sich zu diesen Blutegel-Kreaturen mit einer Vorliebe für Menschen. Es ist auch in den Nachrichten zu sehen, die sie am Abend schaut, es ist weltweit verbreitet.

Ich selbst glaube, dass wir alle eine gewisse Angst vor dunklem Wasser, Ertrinken, offenem Meer und so weiter haben.

Wie verliefen die Dreharbeiten? Was hat die meiste Zeit in Anspruch genommen?

Wir drehten „Drip Drop“ bei Einbruch der Dunkelheit und für mich persönlich war es am schwierigsten, von meiner sechzehn Monate alten Tochter getrennten zu sein – und die Moskitos, die brachten mich auch fast um.

Die Dreharbeiten verliefen größtenteils wie geplant. In der letzten Nacht mussten wir einige Szenen killen und neu schreiben, aber die schwierigste Herausforderung war überhaupt nicht das Shooting, es war die Animation der Wasserwesen. Die Szenen mit den Kreaturen mussten Markierungen an den Wänden haben oder dort, wo sie sein sollten, und die Schauspielerin musste so spielen, als ob sie dort wären. Das war spannend und eine Herausforderung zugleich.  Die anschließende Arbeit mit dem Animator hat lange gedauert. Wir mussten die gleiche Vision davon haben, wie das Monster aussah. Als Referenz dienten uns Skizzen, die ich gemacht habe, andere Filme, Bilder und YouTube-Clips. Größe, Farbe, Bewegung, Aussehen, Timing und so weiter – es dauerte viel mehr Zeit und Arbeit, als jeder von uns erwartet hatte.

Der Kurzfilm würde sich auch wunderbar als Anfang für einen Langfilm anbieten. Schon mal drüber nachgedacht?

Du bist tatsächlich nicht die Erste, die den Film gesehen hat und nach einem zukünftigen Langfilm gefragt hat. Zur Zeit haben wir keine Pläne dafür.

Kannst Du mir ein bisschen mehr von Dir erzählen? Warst Du schon immer ein Horrorfilmfan?

Horror war neben Drama schon immer meine Lieblingsgenre. Sicher zu Hause zu sitzen und Angst zu bekommen ist fantastisch, es ist eine unserer primären Emotionen, Angst zu bekommen, und ich glaube, wir könnten von Zeit zu Zeit vom Pumpen des Adrenalins profitieren, zumindest ich. Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Spielfilm – einem Drama – aber ich würde in der Zwischenzeit gerne Horror machen.

Seit Drip Drop habe ich ein weiteres Kind bekommen und mit zwei kleinen Kindern hat das Filmemachen weniger Priorität und bewegt sich natürlich langsamer.

Hast Du das Gefühl, dass der Horrorfilm immer noch ein eher männerdominiertes Gebiet ist?

Ich glaube fest daran, dass das Horrorgenre viel männlicher dominiert ist, aber das hat auch Vorteile für die Frauen im Genre bei der Beantragung von Fördermitteln. Je weniger Frauen, desto größer die Chancen, finanziert zu werden.

Ich hoffe und denke, dass dieses Genre bald viele weibliche Drehbuchautoren und Regisseure haben wird, wenn man an Mary Shelleys Frankenstein denkt, die bis heute eine der berühmtesten und gruseligsten Geschichten geschrieben hat.

Wie wird es bei Dir weitergehen – bleibst Du dem Genre treu?

Ich werde sicherlich wieder Horror machen und hoffentlich in Zukunft auch als Langfilm.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Drip Drop“


Interview: Director Jonna Nilsson tells us more about the creation of her horror short film „Drip Drop“, about the fear of water that everyone has and about the horror genre dominated by men, which also brings its advantages.

I had the pleasure to see your film „Drip Drop“ at the 19th Landshut Short Film Festival. It was both exciting and scary. How was the script written? Are you afraid of water?

The script is actually written by my producer and started as a drip of water, growing into a huge „bubble“ swallowing a woman. The fascination was in exploring water as a „thing“ with its own mind and agenda. The script grew and expanded into these leech looking creatures with a taste for humans. It’s also seen on the news she’s watching during the evening, its gone viral around the world.

Myself, I do believe we are all afraid to some extent of dark waters, drowning, open sea and so on.

How did the shooting go? What took the most time?

We shot Drip Drop during nightfall and personally what was hardest was being away from my sixteen month old daughter – and the mosquitos, they were also killing me.

The shooting went for the most part as planned. The last night we ended up having to kill some scenes and rewrite some, but the hardest challenge was not at all the shooting, it was the animation of the water creatures. The scenes that included the creatures had to have markers on the walls or where they were supposed to be, and the actress had to perform as if they were there. That was both exciting and a challenge. The work afterwards with the animator took a long time. We had to have the same vision of what the monster looked like. As reference we used sketches that I made, other movies, pictures and YouTube clips. Size, color, movement, appearance, timing and so on – it took far more time and work than anyone of us had counted on.

The short film would also be a wonderful start for a feature-length film. Have you ever thought about that?

You are actually not the first that saw it and asked about a future feature. For the time of asking we don’t have any plans for that.

Can you tell me a little bit more about yourself? Have you always been a horror film fan?

Horror-movies along with dramas has always been my favorite genres. Sitting safely at home and getting scared is fantastic, its one of our primary emotions to get scared and I do believe we from time to time could benefit from having adrenaline pump, at least I do. I have been working on a feature for some time – a drama – but would absolutely love to do horror in the meanwhile.

Since Drip Drop I have had another child and with two small children the movie making has been taking less of a priority and of course moves at a slower pace.

Do you have the feeling that the horror genre is still a more male-dominated field?

I absolutely believe the horror genre is much more male dominated, but that also has its benefits for women in the field when applying for funding. Less women, the greater the chances to get financed.

I hope and think this genre soon has many female script writers and directors, thinking of Mary Shelleys Frankenstein who wrote one of the most famous and scariest stories to this day.

What will happen with you – will you stay true to the genre?

I most certainly will do horror again and hopefully as a feature in the future.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Drip Drop“

Ein Gedanke zu “Sechs Fragen an Jonna Nilsson

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.