„Antiviral“ (2012)

Filmkritik: Der kanadisch-französische Spielfilm „Antiviral” (OT: „Antiviral“, Kanada/Frankreich, 2012) von Brandon Cronenberg erschien vor sechs Jahren in Frankreich und Kanada und kann jetzt auch für die deutschen Heimkinos erworben werden. Er erzählt in ruhigen Bildern von einer dystopischen Zukunft, in der sich ein lukrativer Handel mit Krankenheiten etabliert hat. In der Hauptrolle kann man hier den mittlerweile etablierten Schauspieler Caleb Landry Jones in einer frühen Rolle sehen.

Die Lucas Clinic bietet ihren Kunden für teures Geld an, ihnen die Krankheiten ihrer geliebten Stars zu spritzen. Dadurch fühlen sich die Menschen ihren Idolen näher. Besonders beliebt ist Hannah Geist (Sarah Gadon), aus deren DNA auch Fleisch hergestellt wird, was sich ebenfalls rasend verkauft. Syd March (Caleb Landry Jones) arbeitet in der Lucas Clinic und verkauft die Krankenheiten überzeugend. Als kleinen Nebenverdienst, injiziert er sich die Krankheiten selbst, um sie später zu extrahieren und zu verkaufen. Als er die Chance hat, den neuesten Virus von Hannah zu bekommen, weiß er noch nicht, dass es sich diesmal um einen tödlichen handelt.

Der kanadische Film, welcher bereits 2012 realisiert wurde, ist die erste Langfilmarbeit von Brandon Cronenberg. Er ist Sohn des bekannten David Cronenberg, welcher mit Filmen wie „Die Fliege“ (1986), „eXistenZ“ (1999) und als letzten Film „Maps to the Stars“ (2014) die Sphären des Horrorfilms erweitert hat. Auch Cronenberg junior, welcher auch das Drehbuch zu diesem Film geschrieben hat, wandelt auf ähnlichen Wegen und schafft mit seiner abstrusen Anfangsidee eine neue Welt. Entstanden ist die Idee sozusagen im Fiebertraum und durch eine Jimmy Kimmel Show, in der sich die Fans freuten, dass Sarah Michelle Gellar sie möglicherweise ansteckte. Daraus formte er eine düstere Dystopie, welche nicht weit entfernt ist von der jetzigen Zeit und unserer Gesellschaft. Die Botschaft des Films ist nicht schwer zu verstehen. Interessant ist aber, dass sich Cronenberg dafür entscheidet keine typische Geschichte mit einer erwartbaren Wandlung des Haupthelden herbeizuführen. Seine Figur des Syd March ist weder sympathisch noch böse. Er ist kein Antiheld, sondern einfach nur der Kernpunkt des Films. Es gibt hier trotz des schlechten Systems, in dem er agiert, kein Umdenken oder Reue. Das macht die Geschichte befremdlich, weil keine Besserung in Sicht ist. So wird sie auch in einem entspannten Tempo erzählt. Deren eine oder andere Wendung man nicht versteht oder gar vorhersieht. Der Film bindet den Zuschauer nicht mit Action oder großen Gefühlen an sich, sondern mit der Aufforderung des Ertragens und Mitdenkens.

Brandon Cronenberg wählt für seine Dystopie einen klassischen Zukunftslook. Eine Welt, die zwischen starken Kontrasten lebt. In der die reiche Seite, sich vor allem mit der Farbe Weiß, glatten Oberflächen und steriler Sauberkeit umgibt. Dies steht oft im starken Kontrast zu dem Leiden der Protagonisten, welches intensiv eingefangen wird. Den Irrsinn sich freiwillig Krankheiten zu spritzen, gibt dieser Film ein Gesicht. Doch arbeitet er dabei nicht mit Übertreibungen, sondern fängt fast dokumentarisch die Handlungen ein. Auch bekommt man nicht das Gefühl, dass sich die Kamera auf die Seite seiner Hauptfigur schlägt, sondern sie bleibt meist distanziert. Caleb Laundry Jones (*1989), welchen man jetzt immer häufiger in Filmen wie „Get Out“ (2017) oder „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (2017) zu Gesicht bekommt, spielt den Syd mit der richtigen distanzierten Ambivalenz. Er lässt nicht zu, zu ergründen, warum er sich ständig diesen Strapazen aussetzt und was ihn schlussendlich immer wieder dazu bewegt. Der Regisseur und so auch sein Darsteller vermeiden eine mit Antworten befriedigende oder bemitleidenswerte Charakterdarstellung. An seiner Seite kann man in kurzen Auftritten als sterbenden Promi Sarah Gadon sehen, welche wir durch Filme wie „Enemy“ (2013) und „Belle“ (2013) ins Herz geschlossen haben. Im Gesamten bietet die formale Ausgestaltung und die Wahl der Darsteller das perfekte Gewand für diese Dystopie und vermittelt ein deprimierendes Bild, wie es vielleicht wirklich mal sein könnte.

Fazit: Der kanadische Spielfilm „Antiviral“ mit Caleb Laundry Jones in der Hauptrolle, aus der Hand von Brandon Cronenberg, Sohn des berühmten Regisseurs, schafft eine dystopische Zukunftsvision, wo Leiden besonders lukrativ geworden ist und die Promibesessenheit noch weiter zugenommen hat. Mit den kritischen Untertönen und einem klaren Look, der sich aufs Wesentliche beschränkt, schafft er ein Gesellschaftsportrait, das trotz Science-Fiction-Elementen, nah an der unseren Welt dran ist und erst garnicht versucht Gut-und-Böse-Bilder zu schaffen. Das macht „Antiviral“ zu einem Zukunftsdrama mit wenigen Stereotypen und ohne Pathos und somit zu einer ungewohnten Seherfahrung.

Bewertung: 7/10

DVD-Start: 19.10.2018

Trailer zum Film „Antiviral“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Antiviral“ (2012)

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