„F20“ (2018)

Filmkritik: Auf dem 28. Cottbuser Filmfestival lief der kroatische Genre-Beitrag „F20“ (OT: „F20“, Kroatien, 2018) von Arsen Anton Ostojić. Man merkt dem Film, der mit wenigen Mitteln gestemmt wurde, die Freude am Genre und die Spiellust an, und bietet so einen der unterhaltsamsten und leichtfüßigen Beiträge des Cottbuser Festivals des Osteuropäischen Films.

Eigentlich möchte sich Martina (Romina Tonkovic) lieber mit ihrer besten Freundin Irena (Lana Ujevic) auf einer Beach Party vergnügen. Doch stattdessen muss sie in der Pizzeria ihres Vaters (Mladen Vulic) aushelfen und liefert jeden Tag Pizza aus. Bei einem dieser Botengänge lernt sie Filip (Filip Mayer) kennen. Sie findet den zurückgezogenen jungen Mann süß und lockt ihn aus seinem Schneckenhaus raus, so dass sich Filip immer mehr öffnet und irgendwann auch sein Wesen offenbart.

Der erfolgreiche kroatische Regisseur Arsen Anton Ostojić (*1965), der bisher mit seinen Dramen international viel Aufmerksamkeit bekam, schuf mit „F20“ einen Genrefilm, den bestimmt viele, die sein Werk kennen, nicht erwartet hätten. Mit eigenen finanziellen Mitteln, denen seiner Partner und mit der Gewissheit, dass ein Genrefilm, von denen es in Kroatien wirklich nur wenige gibt, keine Chance im Kino hat, schufen sie diesen Thriller. Der Drehbuchautor Hrvoje Sadaric schrieb ein Script, das sich ohne weiteres mit amerikanischen Filmen vergleichen kann. Auf der Grundlage einer realen Krankheit, die, wie sich später durch wahre Ereignisse auch herausstellte, auch in solchen extremen Bahnen verlaufen kann, wurde eine klassische Thriller-Geschichte entworfen. In einer defragmentierten Struktur, welche mit Rückblenden arbeitet, erzählt der Film anfänglich eine Liebesgeschichte zwischen einem schüchternen Nerd und einer aufmüpfigen jungen Dame. Doch von Anfang an ist klar, durch das Verhör, was den Rahmen bildet, dass hier etwas nicht stimmt. So verbindet der Film geschickt Coming-of-Age-, Liebesgeschichte und Thriller miteinander und nimmt den Zuschauer mit auf einen wilden Ritt, bei dem es Überraschungen gibt, aber auch klassische Wendungen, wie sie für das Genre angemessen sind.

Wenn man weiß, dass es sich hier um einen privat finanzierten Film handelt, erstaunt es umso mehr, dass er äußerst souverän umgesetzt wurde. Die Gestaltung des Thrillers, samt Location-Wahl, den Effekten, dem einen oder anderen Bezug zu Computerspielen und die Rückblendenstruktur machen den Film zu einem überzeugenden Genre-Werk. Besonders gelungen ist es, wie der Film mit schnellen Schnitten und Einstellungen Fahrt aufnimmt. Er zeigt, auch wenn das Geld knapp ist, dass Leidenschaft ein wichtiger Faktor ist, um etwas treffsicher zu gestalten. Hinzu kommen die hervorragenden Jungdarsteller Filip Mayer, Romina Tonkovic und Lana Ujevic. Sie alle spielen ihre Rollen wunderbar und überzeugen auf ganzer Länge, obwohl sie bisher noch keine Erfahrungen im Filmbusiness gesammelt haben. Vor allem Filip schafft es, die zwei Gesichter seiner Figur fantastisch darzustellen. So ist die Wandlung des Hauptcharakters dann doch überraschender als gedacht. Abgerundet wird das ganze von einer stimmigen Musikuntermalung, die „F20“ zu einem überzeugenden Gesamtwerk macht, das mit seiner souveränen Inszenierung und mit seiner packenden Geschichte das Publikum wunderbar unterhalten kann. Es bleibt zu hoffen, dass der Film in Europa das Publikum bekommt, was ihm in Kroatien verwehrt blieb.

Fazit: Der Spielfilm „F20“ von Arsen Anton Ostojić ist eine souveräne Genregeschichte. Angesiedelt im Thrillerbereich mit Einschlägen aus Lovestorys, Coming-of-Age-Geschichten und Horrorfilm gibt der Film Gas und erzählt eine klassische Geschichte mit stimmigen Bildern und hervorragenden Schauspielern. Er zeigt, dass auch Kroatien Genrefilme liefern kann, die genauso gut unterhalten können, wie die großen Brüder aus Amerika.

Bewertung: 8/10

Trailer des Films „F20“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

4 Gedanken zu “„F20“ (2018)

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