„Müll auf dem Mars“ (2018)

Filmkritik: Das 28. Cottbuser Filmfestival wartete mit außergewöhnlichen Science-Fiction-Filmen auf. Darunter waren Lazar Bodrozas „Ederlezi Rising“ und die tschechische Komödie „Müll auf dem Mars“ (OT: „Trash on Mars“, Tschechische Republik, 2018). Der Regisseur Benjamin Tuček nutzte eine einmalige Gelegenheit und schuf gleichzeitig ein bitterböses, wenn ein etwas überstrapazierendes Gesellschaftsportrait.

Eine Gruppe von tschechischen Forschern bricht zusammen zu einer Mars-Mission auf. Angeführt werden sie von dem russischen Oligarchen Tomina (Tomás Jerábek), der die Mission finanziert und seine Freundin (Halka Tresnáková) auf dem Mars heiraten möchte. Doch durch seine utopischen Vorstellungen von der Mission und sein schlechtes Haushalten mit den Vorräten eckt er oft mit dem Ingenieur (Petr Prokop) und dem Kommandanten (Jirí Havelka) an. Da kann auch die Psychologin (Tereza Nvotová) nicht helfen, da sie sich gleichzeitig um Vendy (Petra Nesvacilová) kümmern muss, welche davon überzeugt ist in einer Reality-Show zu sein und zudem noch den von Comics etwas durcheinander gebrachten Roboter Bot (Ondřej Doule) verführt. Mit der Zeit geraten die Teammitglieder immer mehr aneinander und scheinen ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.

Der tschechische Regisseur Benjamin Tuček (*1972) hat sich mit der Politsatire „Kancelář Blaník“ einen Namen gemacht. Als nächstes Thema wollte er sich kritisch mit dem Kolonialisierungsverhalten der Menschen auseinandersetzen. Vor allem interessierte ihn, welche Auswirkungen es hätte, wenn die Menschheit dieses Bestreben auf den Weltraum ausdehnen würde. Zusammen mit der Theatertruppe Vosto5, die auf bissigen Witz und Improvisation spezialisiert ist, ging er das Projekt an. Für den Film „Müll auf den Mars“ bekamen sie die einmalige Gelegenheit als erstes Filmteam überhaupt in einem Mars-Simulator in der Wüste von Utah (USA) zu drehen. Ermöglicht wurde das durch den Systemingenieur und Weltallarchitekten Dr. Ondřej Doule, der auch gleich die Rolle des Roboter Bot Übernahm. Die kleine Truppe bestehend aus sieben Schauspielern und sechs Crew-Mitglieder hatte exakt 20 Tage Zeit, um vor Ort zu drehen. Dadurch bedingt wählten sie einen dokumentarischen Ansatz und arbeiteten mit der Ästhetik von Realityshows. Das kommt der Station zugute und vermittelt einen echten Eindruck davon, wie eine Mars-Expedition abseits der geschönten Hollywood-Bilder aussehen könnte.

Mit einem kleinen Budget, aber einem außergewöhnlichen Setting bekam die tschechische Theatertruppe eine wunderbare Gelegenheit. Anfänglich wissen sie das auch gut zu nutzen, doch mit der Zeit verliert sich der rote Faden immer mehr in überstrapazierenden Jokes. Dieser Humor, der kritisch den Finger auf viele menschliche Probleme legt und zeigen will, dass es eine Katastrophe wäre, wenn sich der Mensch auch noch im Weltall breit macht, geht nicht hundertprozentig auf. Es fehlt dem Film an starken Persönlichkeiten, die auch eine positive Linie vertreten. Stattdessen schuf Tuček, der auch das Drehbuch schrieb, eine Welt voller Egoisten, die ohne Rücksicht handeln. So besteht der 85-minütige Film vor allem aus unreflektiertem Handeln, welches mit viel übertriebenen Humor unterlegt ist. Das funktioniert als Kritik stellenweise gut, lässt aber etwas Erzählrhythmus und ein Fortschreiten vermissen. So erscheint die Geschichte zu wenig ausgereift und verspielt die Chance, mehr aus der einmaligen Möglichkeit zu machen.

Fazit: Der tschechische Spielfilm „Müll auf dem Mars“ von Benjamin Tuček ist eine Gesellschaftssatire auf das menschliche Verhalten und was passieren würde, wenn der Mensch sich im Weltall weiter ausbreiten würde. Dafür bekamen sie die Gelegenheit in einer amerikanischen Simulations-Station zu drehen. Daraus entstand ein Film, maßgeblich von der Theatergruppe Vosto5, geprägt von viel bissigen Witz und Improvisation. Dafür verliert der Film leider seinen roten Faden und driftet zu sehr ins Übertriebene ab, was den Film unnötig anstrengend und unfokussiert macht. Doch als bissige Satire auf eine zu egoistische Gesellschaft funktioniert der Film  trotzdem gut, solange man keinen klassischen Science-Fiction-Film erwartet.

Bewertung: 6/10

Trailer zum Film „Müll auf dem Mars“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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