„Anna und die Apokalypse“ (2018)

Filmkritik: Es gibt leider nicht viele Filme, die sich in das Subgenre Horror-Musical einordnen lassen. Neben der großartigen „Buffy“-Folge ‚Once more, with feeling‘ stechen Filme wie „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ (2007), „Der kleine Horrorladen“ (1986) und der großartige „Rocky Horror Picture Show“ (1975) hervor. Mit „Anna und die Apokalypse“ (OT: „Anna and the Apocalypse“, Großbritannien/USA, 2018) bekommt jetzt auch endlich der Zombiefilm sein eigenes Musical.

Êlla Hunt

Anna (Ella Hunt) hasst die Kleinstadt Little Haven, in der sie lebt, und spart Geld für eine längere Reise. Das Leben wird ihr nicht gerade leicht gemacht durch den tyrannischen Direktor Savage (Paul Kaye), den Angeber Nick (Ben Wiggins), mit dem sie einst liiert war, und die Tatsache, dass ihr Vater Tony (Mark Benton) der Hausmeister der Schule ist. Doch ihre Clique, bestehend aus ihrem besten Freund John (Malcolm Cumming) und dem Pärchen Chris (Christopher Leveaux) und Lisa (Marli Siu) geben ihr Halt. Auch als zur Weihnachtszeit auf einmal eine Zombie-Epidemie die Stadt heimsucht, halten sie zusammen, bekommen von der toughen Einzelgängerin Steph (Sarah Swire) Unterstützung und versuchen aus dem Alptraum zu entkommen.

Ella Hunt

Im Jahr 2011 erschloss sich der Kurzfilm „Zombie Musical“ eine ganz eigene Fan-Gemeinde. Doch der Regisseur Ryan McHenry verstarb 2015 an Knochenkrebs und konnte so die Langfilmvariante seines Stoffes nicht mehr selbst umsetzen. Der britische Regisseur John McPhail übernahm den Stoff und widmete sein Regiedebüt dem verstorbenen Filmemacher. Er baut dabei die Geschichte zu einer weihnachtlichen Coming-of-Age-Story mit sympathischen Charakteren und knallharter Zombieaktion aus. Dabei vernachlässigte er keine der Komponenten, führte die Charaktere mit ihren Eigenarten, die sich zwar in einem stereotypischen Gerüst bewegen, gut ein und entwickelte seine Geschichte mit einer klassischen Spannungskurve. Diese weist zwar typischen Klischees und Wendungen auf, aber kann mit ihrer letzten Konsequenz – welche Charaktere sie dem Filmtod schenkt – wirklich überraschen und sogar bewegen. Schnell bindet man sich auch emotional an die bunte Highschool-Truppe und wird so mit Witz, Gefühl und Spannung durch den Film geleitet.

Malcolm Cumming und Ella Hunt

Gelungen ist der Film auch auf formaler Ebene aufgrund seiner Mischung aus Horror, Komödie und High-School-Musical. Der Horror entfaltet sich durch klassische Elemente: Schreckmomente gepaart mit Todesopfern, deren Verluste schmerzen, und ordentliche Splattereffekte zeigen die Liebe zum Horrorgenre. Hinzu kommen die amüsanten Aspekte, die in den besten Momenten an den großartigen „Shawn of the Dead“ (2004) von Edgar Wright erinnern, aber mit der Zeit eher der ernsteren Auslegung des Stoffes weichen und die Zuschauer bei all den Verlusten nur noch ab und zu zum Schmunzeln bringen. Genauso gelungen ist die Musical-Auslegung: Die Songs sind genauso seicht und recht einfach gehalten, wie man es aus diesem Genre kennt. Sie erzählen von typischen jugendlichen Problemen und werden dabei mit dem Zombiestoff durchwebt. Die passenden Choreografien schuf die Schauspielerin Sarah Swire (die Darstellerin der resoluten Steph) selbst und passt sie dabei stimmig den Songs und der Geschichte an.

Ella Hunt

Liebenswert wird der Film aber nicht nur durch seinen Musicalanteil, sondern vor allem auch durch den wunderbar zusammengestellten Cast. Allen voran die bezaubernde Hauptdarstellerin Ella Hunt, welche mit der richtigen Mischung aus Sympathie und jugendlichem Trotz die Zuschauer für sich einnimmt. An ihrer Seite wurden mit John und Steph zwei tolle Nebencharaktere geschaffen, die wunderbar stimmig von den beiden Schauspielern Malcolm Cumming und Sarah Swire eingefangen wurden. Im Gesamten ist der Film bis in die Nebenrollen gut besetzt, besitzt seichte, aber passende Popsongs, welche auch im Ohr bleiben, und bewegt sich zusätzlich souverän durch die verschiedenen Genres. Diese Mischung funktioniert so gut, dass man sich mehr Filme dieses Subgenre wünscht.

Fazit. Der Spielfilm „Anna und die Apokalypse“ ist ein wunderbares Mash-Up von Zombie-Horror und Highschool-Musical. Dabei begeistert er mit seiner souveränen Umsetzung, den eingängigen Songs, den leichtfüßigen Choreographien, einem wunderbaren Cast und schafft es gleichzeitig anständiger Zombiehorror und gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte zu sein.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 6. Dezember 2018 / DVD-Start: 12. April 2019

Trailer zum Film „Anna und die Apokalypse“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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