„Island of the Hungry Ghosts“ (2018)

Kurzfilm / Deutschland, UK, Australien / Dokumentation / 2018

Filmkritik: Auf dem 61. DOK Leipzig 2018 lief der außergewöhnliche, australische Dokumentarfilm „Island of the Hungry Ghosts“ (OT: „Island of the Hungry Ghosts“, Deutschland/Australien/UK, 2018) von Gabrielle Brady. Mit Bildern voller Schönheit und Ehrlichkeit sowie mit einer beobachtenden Kamera erzählt der Film über die Flüchtlingsbewegung aus einem anderen Teil der Welt.

Auf der Weihnachtsinsel, 2500 km vor Australien, sind die Krabben die Ureinwohner. Diese wandern jedes Jahr zum Strand. Doch seit 2001 gibt es noch eine andere Bewegung auf der 135 km² großen Insel im indischen Ozean. Sie dient als Auffanglager für Flüchtlinge, welche Asyl auf dem Festland beantragen. Poh Lin, welche schon seit einigen Jahren auf der Insel lebt, kümmert sich als psychologische Betreuerin um die Flüchtlinge. Doch nach und nach spürt sie die Erschöpfung und denkt über einen Neuanfang nach.

Die australische Dokumentarfilmerin Gabrielle Brady wählte für ihren Dokumentarfilm eine stark narrative Art der Erzählweise. Durch ihre Freundschaft mit Poh Lin (sie ist auch die Patentante ihrer Tochter) wurde sie auf das Thema der Flüchtlingsauffangsstation auf der Weihnachtsinsel aufmerksam. Gleichzeitig lernte sie die fast unberührte Natur samt ihrer nahezu einmaligen Krabbenpopulation kennen und brachte das in ihrem Film zusammen. So ist ein Film entstanden, der nicht nur seinen Teil zur Flüchtlings-Debatte beiträgt, sondern sich auch die Zeit nimmt, die Weihnachtsinsel mit ihren ursprünglichen Einwohnern zu portraitieren. So schafft sie es, eine dokumentarische Geschichte zu erzählen, welche eine enorme Kraft besitzt. Dabei wechselt sie zwischen geskripteten Dialogen von Poh Lin und ihrer Familie, heimlich gefilmten Aufnahmen aus dem Flüchtlingslager bei der psychologischen Behandlung und wunderschönen Naturaufnahmen. Dadurch erhält der Film einen stark narrativen Charakter, wie man es von fiktionalen Stoffen kennt, und kann auch auf jegliche, für Dokumentarfilme ansonsten typische, Interviewstruktur verzichten. Die Botschaft wird auch auf diese Weise wunderbar vermittelt und bietet einen Einblick in ein kleines Stückchen der Welt, welche exemplarisch für den falschen Umgang mit Flüchtlingen steht. Der Film ist ein warmherziger Appell für ein Umdenken und dass es ein Handeln vieler erfordert, um etwas zu bewegen. Doch diese Botschaft vermittelt Brady nicht aggressiv, sondern unterschwellig mit einer privaten Geschichte im Vordergrund und Bildern, die teilweise im scharfen Kontrast zueinander stehen.

Fazit: Der Dokumentarfilm „Island of the Hungry Ghosts“ erzählt aus einem sehr intimen Blickwinkel heraus von dem australischen Flüchtlings-Auffanglager auf der Weihnachtsinsel. Dabei wählt die Regisseurin Gabriele Brady einen privaten Ansatz, öffnet aber ihre Geschichte hin zu den Themen Heimat und Immigration und gibt Einblicke in einen abgeschiedenen Fleck Erde. Gleichzeitig fordert sie subtil zum Umdenken und Handeln auf und besticht mit ihrer fast fiktionalen Erzählstruktur, welche genauso auf einfühlsame Szenenbeobachtungen setzt wie auf kontrastreiche Filmaufnahmen.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „Island of the Hungry Ghosts“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.