„Die Größte Schau der Welt“ (1952)

1953 / 25. Oscarverleihung / 5 Nominierungen / 2 Auszeichnungen

Filmkritik: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdankte Hollywood dem Regisseur Cecil B. DeMille viele groß angelegte Spektakelfilme, die vom Publikum geliebt, aber nicht unbedingt von den Kritikern geschätzt wurden. So gingen der Regisseur und seine Filme jahrelang meist leer aus und erst bei der 25. Oscarverleihung 1953 bekam er den Oscar für den ‘Besten Film’, wenn auch nicht für die ‘Beste Regie’ zugesprochen. Sein Zirkusspektakel „Die Größte Schau der Welt“ (OT: „The Greatest Show on Earth“, USA, 1952) setzte sich damit gegen die starken Konkurrenten „Ivanhoe“, „Moulin Rouge“, „Der Sieger“ und vor allem „12 Uhr Mittags“ durch.

Das größte Zirkusunternehmen der Welt, Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus, startet von seinem Winterquartier in Florida auf seine Zirkustournee quer durch Amerika. Der Manager Brad Baden (Charlton Heston) macht sich Sorgen um seine Sponsoren und so engagiert er den Trapezkünstler ‘Der große Sebastian’ (Cornel Wilde). Das erzürnt zwar seine Freundin Holly (Betty Hutton), die gehofft hat, selbst in der Hauptmangege auftreten zu dürfen. Zwischen den Trapezkünstlern entbrennt bald ein einnahmeträchtiger Konkurrenzkampf, der sie nicht nur zu Hochleistungen antreibt sondern auch näher zusammenrückt. Während die Tournee immer weiter geht, kommt es zu diversen Scharmützeln und als eine Tragödie passiert, muss auch der Clown Buttons (James Stewart) sein stets unter einer Maske verhülltes Gesicht offenbaren.

© Paramount Pictures

Der amerikanische Regisseur Cecil B. DeMille (1881-1959) zeichnete sich von Anfang an mit seinen Werken wie „Samson & Delilah“ (1949) und „Die 10 Gebote“ (1956) als Mann der großen Filme aus. Dabei war er dafür bekannt, dass er eine Vielzahl von sittlichen Verfehlungen stets mit einem biblischen Abgang zusammenbrachte. Zudem legte er immer viel Wert auf Massenszenen, die perfekt durchchoreographiert waren. In 45 Jahren als Filmemacher hat er als Regisseur 75 Filme realisiert und bekam nur für „Größte Schau der Welt“ einen Oscar zugesprochen und das auch nur als Produzent. Später erhielt er noch zwei Oscars für sein Lebenswerk. Die Liebe vom Publikum war ihm stets sicher, aber nicht die von den Kritikern, so dass der Film heute noch als schlechtester ‘Bester Film’-Gewinner gilt.  

© Paramount Pictures

Der Zirkus, mit seiner Erzählform, passte hervorragend zu Cecil B. DeMilles Liebe für große Spektakel. Als dieser zufällig erfuhr, dass sich David O. Selznick (Produzent von Paramount Studios, u.a. verantwortlich für „Rebecca“ (1940) von Alfred Hitchcock) die Rechte sicherte, das damals größte Zirkusunternehmen Ringling Brothers & Barnum & Bailey zu filmen und mit diesem einen Film zu realisieren, war er sofort mit an Bord. Für DeMille war der Zirkus die perfekte Unterhaltungsform, welche er sich auch so für sein Kino erträumte. So wollte er diese beiden Formen in einem Film, halbdokumentarisch, ergänzt durch eine hollywoodtaugliche Geschichte, auf . Er schuf damit einen Film, der heute noch heute als der größte Zirkusfilm aller Zeiten bekannt ist. Um dies zu realisieren, ging er mit den Zirkus drei Jahre lang auf Tournee. Zuerst machte er sich einen Eindruck von dem Wanderleben und erarbeitete sich danach peu a peu die Idee, wie der Film aussehen könnte. Das Drehbuch schrieben die drei Autoren Fredric M. Frank (1911-1977), Theodore St. John (1906-1956) und Frank Cavett (1905-1973), welche dafür den zweiten Oscar, welche dieser Film gewinnen konnte, erhielten. Sie bekamen den Oscar für die ‘Beste Originalgeschichte’, welcher nur zwischen 1929 und 1957 vergeben wurde. Der 152-minütige Film lässt sich dabei viel Zeit, das Zirkusleben in all seiner Pracht mit vielen besonderen Gestalten zu zeigen. In das Zentrum rückt er eine seltsame Ménage à trois des Managers und der beiden Trapezkünstler. Zudem erzählt er ein paar weitere Liebesgeschichte am Rande und baut ein Mysterium um den Clown Buttons auf. All diese Story-Elemente sind typische Versatzstücke und die Dialoge sind wahrlich nicht ausgefeilt, schaffen aber, wenn man sich drauf einlässt, gut zu unterhalten. Doch beachtlich auch von dem heutigen Standpunkt aus sind vor allem die artistischen Zirkusszenen selbst. Zwar kann man an der ein oder anderen Stelle die Schauspieler vor einer Rückprojektion agieren sehen, aber die eingefangene Leistung der Artisten ist mehr als sehenswert. Im Zusammenspiel mit den ausgefallenen Kostümen und vielen Nebeneinlagen, kann man sich hier einfach nicht satt sehen. Zudem wird der Film von ernsteren Dokumentaraufnahmen wie dem Aufbau des großen Zeltes ergänzt, welche den Film stellenweise auch noch informativ erscheinen lassen. Im Gesamten ist der Film vor allem als Dokumentarfilm interessant, der den Zirkus in seiner großen Vielfalt zeigt und bestimmt dabei die Sehgewohnheiten des ein oder anderen Zuschauers erschöpft. Auch wenn die hinzugefügte Geschichte nicht überzeugt, bleiben definitiv die Aufnahmen im Gedächtnis und erklären, warum der Film kurz nach seiner Premiere zu einem sofortigen Kassenschlager wurde.

© Paramount Pictures

Unterstützt wird das Ganze von dem gut ausgewählten Ensemble. Erfrischenderweise wählte Cecille B. DeMille vor allem Darsteller direkt aus dem Zirkusgewerbe und besetzte nur die tragenden Rollen mit bekannten Gesichtern. Anfänglich hatte er geplant Burt Lancaster, Kirk Douglas, Hedy Lamarr und Marlene Dietrich zu besetzen, entschied sich dann aber zugunsten eines unbekannteren Cast mit den beiden Hauptdarstellern Cornel Wilde (1915-1989) und Betty Hutton (1921-2007). Die beiden aus heutiger Sicht bekanntesten Darsteller sind Charlton Heston (zu sehen u.a. in „Ben Hur“ (1959) und „Planet der Affen“ (1968)) und James Stewart („Cocktail für eine Leiche“ (1948) und „Vertigo“ (1958) beide von Alfred Hitchcock), der hier eigentlich kaum richtig zu sehen ist. Beide fügen sich wunderbar in das bunte Treiben ein. Die Schauspieler spielen trotzdem nicht die größte Rolle in diesem Film und so gab es auch keine Nominierungen in diesem Bereich. Neben den beiden Oscars erhielt der Film auch noch drei Golden Globes für den Bester Film (Drama), Beste Regie, Beste Kamera. Auch aus heutiger Sicht ist es vielleicht nicht verständlich, wie er neben einem Film wie „12 Uhr Mittags“ von Fred Zinnemann die Trophäe ‘Bester Film’ erhalten konnte. Aber ebenso wie damals weiß der Film heutzutage noch zu unterhalten, so dass die Dauer von 2,5 Stunden schnell vergeht.           

© Paramount Pictures

Fazit: Der Zirkusfilm „Größte Schau der Welt“ war der überraschende Gewinner der 25. Oscarverleihung und brachte dem Regisseur Cecille DeMille, der als großer Entertainer galt, seinen einzigen Oscar ein und das aber nur als Produzent. Mit fantastischen Bildern, stets halbdokumentarisch, hielt er die Zirkuswelt mit all ihrer Vielfalt fest und schuf ein unglaubliches Spektakel, das sogar heute noch gut funktioniert. Vor allem wenn man es schafft die etwas krude Dreiecks-Liebesgeschichte mit genügend Humor zu sehen, kann man mit dem Film und seinen artistischen Szenen und den Einblicken in die Zirkuswelt viel Spaß haben.

Trailer des Films „Die Größte Schau der Welt“ (englisch)

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über den Film „Die größte Schau der Welt
  • Wikipedia-Artikel über den Regisseur Cecil B. DeMille
  • Eintrag des Regisseurs Cecil B. DeMille bei prisma.de
  • Website über den Regisseur Cecil B. DeMille
  • The Cecil B. deMille Award bei den Golden Globe Awards
  • Brüne, Klaus: Lexikon des internationalen Films, Band 3: G-H, 1991, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg.
  • Kubiak, Hans-Jürgen: Die Oscar-Filme, 2007, Schüren Verlag GmbH, Marbug
  • Koebner, Thomas: Filmregisseure, 2002, Philipp Reclam jun. GmbH & Co, Stuttgart.
  • Stresau, Norbert: Der Oscar, 1994, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München.
  • Sennett, Robert S.: Traumfabrik Hollywood, 1998, Europa Verlag, Hamburg/Wien.

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