91. Oscars (2019)

  1. Februar 2019 / Dolby Theatre Los Angeles

© Academy of Motion Pictures and Art

Oscar-Rückblick: In diesem Jahr feierte der wohl bekannteste Filmpreis, der Academy Award of Merrit (Spitzname Oscar), sein 91. Jubiläum und schockierte im Vorfeld mit der Ankündigung, dass es keinen Moderator geben werde und zudem vier Preisvergaben in der Werbepause stattfinden sollen. Das letzte wurden zwar nicht durchgezogen, nachdem starke Proteste aufgekommen sind, aber vermutlich um die Veranstaltung zu straffen, wurde wirklich auf den alles verbindenden Moderator seit 1989 erstmals wieder verzichtet. Genau dieser Fakt warf auf die Preisverleihung einen unangenehmen Schatten und führte zu einem gewissen Gefühl von Zeitdruck und Unruhe, trotz der ansonsten gewohnten Elemente.

Dss Team des Films „Green Book“ © Photo by Kevin Winter/Getty Images

Beendet wurde die Veranstaltung (zwei Stunden eher als gewohnt) mit wenigen Worten dann von der Schauspielerin Julia Roberts. Diese hatte vorher den Preis für den ‚Besten Film‘ an „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ verliehen. Der Spielfilm nach wahren Begebenheiten, aus der Hand des Regisseurs Peter Farrellys, erzählt die Geschichte, angesiedelt in den 60er Jahren, des schwarzen Pianisten Don Shirley und seines Bodyguards Tony Lip. Diese wachsen trotz aller Vorurteile zusammen. Mahershala Ali gewann mit seiner Rolle des Don Shirley seinen zweiten Oscar als ‚Bester Nebendarsteller‘. Auch Viggo Mortensen als bärbeißiger aber herzensguter Italiener hätte mehr als nur die Nominierung als ‘Bester Hauptdarsteller’ verdient gehabt. Als dritten Oscar erhielt der Film die Trophäe für das ‚Bestes Originaldrehbuch‘. Die Autoren Nick Vallelonga (verwandt mit dem echten Tony Lip), Brian Currie und Peter Farrelly schufen ausgehend von einer wahren Geschichte ein hollywoodreifes Drehbuch.

Rockband Queen © Getty Images

Als großer Gewinner des Abends ging der Musikfilm „Bohemian Rhapsody“ hervor, welcher bereits bei den Golden Globes abgeräumt hatte. Der Film erzählt die Geschichte der Rockband Queen und im Besonderen Freddie Mercurys, gespeist aus den Erinnerungen des Sängers und Gitarristen Brian May. Er wurde in fünf Kategorien nominiert und bekam dabei nur den Preis für den besten Film nicht verliehen. Dafür wurde Rami Malek, den viele vor allem aus der Serie „Mr. Robot“ (2015) kennt, als ‚Bester Hauptdarsteller‘ geehrt, zudem bekam der Film die Preise für den ‚Besten Ton‘, ‚Besten Tonschnitt‘ und ‚Besten Schnitt‘.

Mark Ronson und Lady Gaga © Getty Images

Den Preis für den ‚Besten Titelsong‘ gewann erwartungsgemäß „Swallow“ von Lady Gaga, welcher auch bei der Preisverleihung mit Bradley Cooper performt wurde. Geschrieben wurde der Song und viele weitere für Coopers Regie-Debüt „A Star is Born“, welcher zwar in acht Kategorien nominiert war, aber nur in dieser gewinnen konnte.

Die ‚Beste Filmmusik‘ erhielten erstaunlicherweise auch nicht die beiden Musikfilme oder die wunderbare Musik von Nicolas Brittell für „Beale Street“ oder den großartigen Score von „Isle of Dogs“ von Alexandre Desplat, sondern zur großen Überraschung den Superhelden-Epos „Black Panther“, komponiert von Ludwig Göransson. Der Film war mit sieben Nominierungen gut aufgestellt bei den 91. Oscars, dass er aber dann doch drei Trophäen gewinnen konnte, überraschte sehr. Neben der besten Filmmusik bekam er die Preise für das ‚Beste Szenenbild‘ und die ‚Besten Kostüme‘.

Melissa McCartgy und Brian Tyree Henry präsentieren den Oscar für das Beste Kostümdesign © Getty Images

Trotz seiner zehn Nominierungen wirkte der Spielfilm „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ des griechischen Regisseurs Giorgos Lanthimos wie der extravagante Außenseiter des Jahres. Nachdem er sich international mit Filmen wie „The Lobster“ (2015) und „The Killing of a Sacred Deer“ (2017) einen Namen gemacht hatte, aber nie als leichte Kost galt, überraschte es ein wenig ihn mit seinem überstilisierten Historienspiel voller Ungenauigkeiten, Übertreibungen und einem extremen Hang zum visuell Einmaligen, bei den Oscars so vertreten zu sehen. Ausgezeichnet wurde dafür aber nur die Olivia Colman (bekannt vor allem durch „Broadchurch“ (2013-2017) und „The Crown“ (2018)) als ‚Beste Hauptdarstellerin‘. Obwohl sie nicht wirklich die Hauptdarstellerin des Films war, hat ihr Spiel als Königin Anne den Preis mehr als verdient und sie hielt daraufhin die schönste Rede des Abends. Zudem gab ihre Rolle den Ausschlag für das beste Outfit des Abends: Melissa McCarthy trug eine Schleppe mit vielen Plüschhasen und stach damit alle anderen Moderatoren aus.   

Regisseur Alfonso Cuarón © Getty Images

Der heißeste Oscar-Kandidat war der mit Laien inszenierte mexikanische Film „Roma“, der es schaffte in zehn Kategorien nominiert zu werden darunter als ‚Bester Film‘ und (das erscheint fast als Ungerechtigkeit) als ‚Bester fremdsprachiger Film‘, welche er dann auch gewann und sich so gegen Filme wie den deutschen Beitrag „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck durchsetzte. Der Regisseur Alfonso Cuarón, der sich mit „Gravity“ (2013) einen Namen gemacht hatte und in Roma seine eigenen Kindheitserinnerungen verarbeitet, gewann den Preis für die ‚Beste Regie‘. Zudem wurde dem Film für seine epischen Kamerafahrten durch das Mexiko der 70er Jahre der Preis für die ‚Beste Kamera‘ verliehen.

Spike Lee und Samuel L. Jackson © Getty Images

Drei Filmen, welche jeweils nur einen Oscar gewinnen konnten, hätte man mehr Preise gewünscht. Darunter der neueste Film von Barry Jenkins: „Beale Street“. Er erzählt nach einem Roman von James Baldwin eine Geschichte einer starken Liebe aus dem New York der 70er Jahre und wie sie auch die diskriminierende Ungerechtigkeit in den Hintergrund stellt. In drei Kategorien nominiert, bekam Regina King für ihre liebende Mutterrolle den Oscar als ‚Beste Nebendarstellerin‘ verliehen. Das starke Politdrama „Vice“ über Dick Cheneys Aufstieg zur Macht, inszeniert von Adam McKay („The Big Short“) bekam leider nur den Preis für das ‚Beste Make-Up‘ von acht Nominierungen verliehen. Spike Lees Literaturverfilmung „Blackkklansman“, welche wunderbar Humor und eine klare Botschaft an die politische Lage des Landes kombiniert, gewann den Oscar für das ‚Beste adaptierte Drehbuch‘ nach einem Roman von Ron Stallworth. Ebenso nur einen Oscar erhielt der Film „Aufbruch zum Mond“ von Daimen Chazelle, der die Geschichte Neil Armstrongs auf sehr authentische Weise wiedergab und es so nicht verwunderte, dass er den Preis für die ‚Besten visuellen Effekte‘ erhielt.

Das Team von „Spider-Man: A New Universe“ © Photo by Kevin Winter/Getty Images

Der ‚Beste Animationsfilm‘-Oscar war in diesem Jahr eine gelungene Wahl. Zwar gewann nicht der fantastische „Isle of Dogs“ von Wes Anderson, aber der sehr kreative und außergewöhnliche „Spider-Man: A New Universe“ und konnte sich damit gegen die typischen Kandidaten von Pixar und Disney durchsetzen. Leider entschieden man sich bei dem ‚Besten animierten Kurzfilm‘ für die Standardkost von Pixar. Der acht-minütige Film „Bao“ erzählt von der verlagerten Mutterliebe zu einem lebenden Kloß, ohne dabei nicht zu knapp mit Klischees und Stereotypen zu arbeiten. Dagegen war die Prämierung des Spielfilms „Skin“ als ‚Bester Kurzfilm‘ eine gute Wahl. Beschäftigt er sich doch eindringlich mit rechtsextremen Strömungen in der USA und konnte sich gegen die starke Konkurrenz von Filmen wie „Fauve“ und „Madre“ durchsetzen. Der Netflix-Dokumentar-Kurzfilm „Stigma Monatsblutung“ macht auf einen großen Notstand aufmerksam und gewann damit den Oscar für den ‚Besten Dokumentar-Kurzfilm‘. „Free Solo“  ist der Gewinner des Preises für den ‚Besten Dokumentar-Langfilm‘. Er handelt von dem Free-Climber Alex Honnold und besticht vor allem mit schönen Bildern vom Yosemite Naturreservat. Dieser Dokumentarfilm startet in Deutschland auch bald in ausgewählten Kinos.

Der Abend, gestaucht auf vier Stunden hatte gut ausgewählte Gewinner, sympathische Reden, schöne Kleider und auch ein paar gute platzierte politische Statements zu bieten. Doch ohne Moderator und mit einer extrem schnellen Abarbeitung der Kategorien und Gewinner, was nur von den performten Songs (auch nicht von allen Nominierten) unterbrochen wurden, fühlte sich die Verleihung zu sehr gehetzt und gekürzt an. Auch vermisste man die kreativen Einfälle mancher Moderatoren, zudem fehlten Stammgäste wie Streep und Nicholson und im Allgemeinen ließen die die 91. Oscars etwas an Glamour vermissen. Das fiel vor allem bei den Anmoderationen auf, wo auf unbekannte oder branchenfremde Gesichter, wie die Tennisspielerin Serena Williams zurückgegriffen wurde. Man kann nur hoffen, dass die Academy Awards im nächsten Jahr wieder zu ihrer alten Größe zurückkehren und das Kürzen des Moderations nur an dem diesjährigen Eklat mit Kevin Hart lag. Ansonsten haben viele gute Filme ihre verdienten Preise bekommen und manche Regisseure wie der Grieche Giorgos Lanthimos dadurch die Chance sich auch in Amerika zu etablieren.

Geschrieben von Doreen Matthei

Gewinner im Kurzüberblick:

Bester Film: „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ (OT: „Green Book“, USA, 2018)

Beste Hauptdarstellerin: Olivia Colman in „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (OT: „The Favourite“, UK/Irland/USA, 2018)

Bester Hauptdarsteller: Rami Malek in „Bohemian Rhapsody“ (OT: „Bohemian Rhapsody“, USA/UK, 2018)

Beste Regie: Alfonso Cuarón für „Roma“ (OT: „Roma“, Mexiko/USA, 2018)

Beste Nebendarstellerin: Regina King in „Beale Street“ (OT: „If Beale Street Could Talk“, USA, 2018)

Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali in „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ (OT: „Green Book“, USA, 2018)

Bester Fremdsprachiger Film: „Roma“ (OT: „Roma“, Mexiko/USA, 2018)

Bester Kurzfilm: „Skin“ (OT: „Skin“, USA, 2018)

Bester Animationsfilm: „Spider-Man: A New Universe“ (OT: „Spider-Man: Into the Spider-Verse“, USA, 2018)

Bester animierter Kurzfilm: „Bao“ (OT: „Bao“, USA, 2018)

Bester Dokumentarfilm: „Free Solo“ (OT: „Free Solo“, USA, 2018)

Bester Dokumentar-Kurzfilm: „Stigma Monatsblutung“ (OT: „Period. End of Sentence.“, USA/Indien, 2018)

Beste Filmmusik: Ludwig Göransson für „Black Panther“ (OT: „Black Panther“, USA, 2018)

Bester Titelsong: „Shallow“ aus „A Star Is Born“ (OT: „A Star Is Born“, USA, 2018)

Beste Kamera: Alfonso Cuarón für „Roma“  (OT: „Roma“, Mexiko/USA, 2018)

Bestes adaptiertes Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott und Spike Lee für „BlacKkKlansman“  (OT: „BlacKkKlansman“, USA, 2018)

Bestes Originaldrehbuch: Nick Vallelonga, Brian Currie und Peter Farrelly für „Green Book – Eine besondere Freundschaft“  (OT: „Green Book“, USA, 2018)

Bester Schnitt: John Ottmanfür „Bohemian Rhapsody“ (OT: „Bohemian Rhapsody“, USA/UK, 2018)

Beste visuelle Effekte: Paul Lambert, Ian Hunter, Tristan Myles und J.D. Schwalm für „First Man – Aufbruch zum Mond“ (OT: „First Man“, USA, 2018)

Bester Ton: Paul Massey, Tim Cavagin und John Casali für „Bohemian Rhapsody“ (OT: „Bohemian Rhapsody“, USA/UK, 2018)

Bester Tonschnitt: John Warhurst und Nina Hartstone für „Bohemian Rhapsody“ (OT: „Bohemian Rhapsody“, USA/UK, 2018)

Bestes Kostümdesign: Ruth E. Carter für „Black Panther“ (OT: „Black Panther“, USA, 2018)

Bestes Make-up und Beste Frisuren: Greg Cannom, Kate Biscoe und Patricia DeHaney für „Vice – Der zweite Mann“ (OT: „Vice“, USA, 2018)

Bestes Szenenbild: Hannah Beachler und Jay Hart für „Black Panther“ (OT: „Black Panther“, USA, 2018)

Quelle:

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