Sechs Fragen an Shadi Adib

Regisseurin Shadi Adib

Interview: Im Gespräch mit der Animationskünstlerin und Regisseurin Shadi Adib konnte ich mehr über ihren Kurzfilm „Fuse“ erfahren, der auf den 29. Bamberger Kurzfilmtagen lief und auf dem 31. Filmfest Dresden den Preis der Jugendjury erhielt. Sie erzählt dabei mehr über die Hintergründe, Interpretationsmöglichkeiten und wie Nick Cave zu dem Projekt dazu kam.

Dein Animationsfilm „Fuse“ erzählt von einer ausweglosen Situation einer Maus. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee dahinter war, dass man sich als Zuschauer im dunklen Kinosaal wie eine Maus in einer Mausefalle fühlen soll. Und für sie gibt es keine Alternative, außer das Schicksal, welches ihre Herrn ihr diktieren, zu akzeptieren. Die Maus wird für ihre unvermeidliche Ignoranz bestraft, da sie am Anfang des Films wegen ihrer Natur die Walnuss sucht und die Falle nicht zu erkennen vermag.

Man kann, wenn man mag, die Interpretation wagen, dass es sich hier um ein feministisches Plädoyer gegen das unterdrückende Patriarchat handelt. Ist das in Deinem Sinne?

Nicht nur das. Die Maus vertritt viele Einzelpersonen oder Gruppen. Es kann derjenige sein, der unter der Ignoranz einer Gruppe leidet. Jede Minderheit, die sich gegen die Mehrheit stellen muss. Es kann eine Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft sein, oder ein Student in einem kranken unpädagogischen System sein und so weiter.

Außergewöhnlich ist die Sicht. Warum hast Du Dich für diese Perspektive entschieden?

Ich hatte vor, mit so einer außergewöhnlichen Perspektive der Maus mehr Einfühlungsvermögen zu wecken.

Dein Animationsstil ist auch etwas Besonderes. Sehr bewegt und irgendwie dreckig – fast hässlich. Kannst Du mir mehr zu Deinem visuellen Konzept erzählen?

Je nachdem, was als ästhetisch übersetzt wird. Aber ja, die Charaktere sind keine Top-Models in meinem Film. Irgendwann wird der Film animalischer, wenn die innere Hässlichkeit ihren Auftritt noch hässlicher macht.

Unterstützt werden Deine Bilder wunderbar von den Sprechern, u.a. Nick Cave. Nach welchen Kriterien hast Du sie ausgewählt und wie hast Du sie gefunden?
Prinzipiell mussten sie in der Lage sein, so klingen zu können wie das Tier, welches sie spielen sollen. Als ich für LKW-Fahrer skizzierte, gab es den Witz, dass die Bilder von ihm wie Nick Cave aussehen. Der Witz erreichte dann schließlich die Musikabteilung der Filmakademie und es wurde festgestellt, dass „Ed Cantu“ einer der Musikdozenten, ihn persönlich kennt. Also ging es weiter, bis ich eines Tages eine E-Mail von Nick Cave mit dem Inhalt bekam: „Ja, ich bin der Truckdriver!“.

Erzähl mir zum Schluss doch nach etwas mehr über Dich. „Fuse“ war Dein Abschlussfilm? Wie geht es weiter?

Ich bin gerade dabei, meinen neuen Film fertigzustellen. Der Film muss Anfang Mai fertig sein und wird bei der Eröffnungsveranstaltung des ITFS [Anm. d. Red.: Internationales Trickfilmfestival Stuttgart] gezeigt. Aber ich weiß nicht genau, wie es weitergehen wird. Ich möchte gute Geschichten erzählen und mit netten Menschen in einem gesunden Arbeitsklima arbeiten. Wo mir diese Faktoren angeboten werden, bin ich dabei.
Die Fragen stellte Doreen Matthei
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Fuse

3 Gedanken zu “Sechs Fragen an Shadi Adib

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